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Geschrieben von: magazin-deutschkand Freitag, den 06. November 2009 um 20:34 Uhr

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Die Bedeutung von Klima- und Umweltschutz im Tourismus wächst. Auch in Deutschland ist die Bereitschaft zum umweltbewussten Reisen groß

Von Oliver Sefrin

Der sanfte Tourismus hat in Deutschland in den Berchtes­gadener Alpen bereits vor 100 Jahren Fahrt aufgenommen – auf dem smaragdgrünen Wasser des Königssees. Viele Touristen, die die beeindruckende Nationalpark-Kulisse rund um den bekannten Gebirgssee im Südosten Bayerns entdecken wollen, steigen in Ausflugsboote – und lassen sich umweltfreundlich über den See fahren, in dem sich die Berggipfel von Jenner, Steinernem Meer und Watzmann spiegeln. Kein lärmender Schiffsmotor, keine klima­schädlichen Abgase, die die Luft verpes­ten. Mit ihrem sanften und leisen Antrieb steuern 18 Elektroboote der Königsseeschifffahrt Sehenswürdigkeiten wie die weltberühmte ba­rocke Wallfahrtskirche St. Bartholomä an und befördern so jedes Jahr rund 500000 Urlauber über den See.

Zugegeben: Als Prinzregent Luitpold von Bayern vor einem Jahrhundert die alte Ruderflotte ausrangierte und sich für Schiffe mit Elektromotor entschied, ging es ihm noch nicht um den Klimaschutz. Heute aber ist die schwimmende Flotte vom Königssee ein wichtiger Baustein, wenn es um ökologischen Tourismus und sanfte Mobilität in einer der beliebtesten deutschen Ferienregionen geht. Denn die Urlaubs­orte Berchtesgaden und Bad Reichenhall machen sich für nachhaltigen Tourismus stark und unterstreichen dies mit ihrer Mitgliedschaft in einer ausgezeichneten Initiative. Sie gehören zu den „Alpine Pearls“, einer Kooperation von 21 Alpenorten in Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, der Schweiz und Slowenien, die 2008 vom Deutschen Reiseverband die internationale Umweltauszeichnung „Ecotrophea“ für vorbildliches Engagement im Umweltschutz und Tourismus erhalten hat. Im Mittelpunkt der Urlaubsphilosophie der „alpinen Perlen“ steht ein Beitrag zum Naturschutz durch sanfte Mobilität: Urlaubsgäste können umweltfreundlich, etwa mit dem Zug, anreisen und sich auch am Ort dank Bussen, Sammeltaxis, Bahnen oder Leihfahrrädern gut und günstig fortbewegen. Damit ihre Feriengäste auch ohne Auto mobil bleiben, gilt im Berchtes­gadener Land die Kurkarte zusätzlich auch als Ticket für Züge des Regionalverkehrs.

Das Beispiel der „Alpine Pearls“ zeigt: Klima- und Umweltschutz haben eine zunehmende Bedeutung im Tourismus – und Deutschland kann hier nach Ansicht von Experten international eine Vorbildfunktion übernehmen. „Deutschland war mit ein Vorreiter in der Diskussion eines nachhaltigen Tourismus und sollte diese Rolle auch beim Thema Klimawandel und Tourismus einnehmen“, sagt Edgar Kreilkamp, Professor für Tourismusmanagement an der Universität Lüneburg. In einem Forschungsprojekt untersucht er die Zusammenhänge von Klimawandel und nachhaltigem Tourismus. Als Branche mit Wachstum trägt der internationale Tourismus momentan rund fünf Prozent zum weltweiten Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 bei.

In Deutschland steigen das Bewusstsein und die Bereitschaft zum umweltfreundlichen Reisen. Zu diesem Ergebnis kommt die WWF-Umweltstiftung in ihrer aktuellen Studie „Der touristische Klima-Fußabdruck 2009“. In einer Umfrage für die Studie gaben 43 Prozent der Befragten an, sie wollten als Beitrag zur Senkung der CO2-Emissionen künftig ein Urlaubsziel in der Nähe wählen oder hätten dies bereits getan. Nicht Mallorca, sondern Mecklenburg-Vorpommern: Wer als Deutscher seinen Urlaub an der Ostsee verbringt, hinterlässt mit An- und Abreise, Unterkunft, Verpflegung und Aktivitäten am Urlaubsort einen Klima-Fußabdruck, der mit 258 Kilogramm CO2 pro Person fünf Mal weniger von dem Treibhausgas freisetzt als eine Reise auf die Baleareninsel. Die gilt zwar bei den Deutschen als beliebtes Ferienziel. Reiseland Nummer eins der Deutschen ist aber Deutschland. Rund 31 Prozent aller Urlaubsreisen 2008 führten sie zu Ferienorten im eigenen Land – bevorzugt in den Süden, nach Bayern, und in den Norden – nach Mecklenburg-Vorpommern.

In Mecklenburg-Vorpommern, dem Bundesland mit seiner 1900 Kilometer langen Ostseeküste, hat der Tourismusverband der Region ein originelles Projekt entwickelt, damit Touristen ihren Urlaub CO2-neutral verbringen können: die Wald­aktie. Die Idee: Touristen unterstützen mit dem symbolischen Kauf eines Baums das Entstehen des ersten deutschen Klimawaldes. Wer eine Waldaktie für zehn Euro kauft, kann einen Baum pflanzen, der die Kohlendioxid-Emissionen ausgleicht, die eine vierköpfige Familie in einem Urlaub von zwei Wochen verursacht. Bei Baumpflanzungen können Urlauber selbst Hand anlegen und den gespendeten Baum einpflanzen. Bis heute wurden rund 7500 Waldaktien für sechs Klimawälder verkauft, deren Gesamtfläche 7,5 Hektar beträgt.

Ein Umdenken zu umweltfreundlichem Reisen lässt sich auch bei Reiseanbietern und Hotels in Deutschland erkennen. Eine Vorreiterrolle übernimmt der Feldberger Hof im Schwarzwald – Deutschlands erstes klimaneutrales Hotel. Das Management setzt auf schonenden Umgang mit Energie und Wasser und hat das gesamte Haus nach und nach mit energiesparenden Geräten ausgestattet. Auch die alte Ölheizung wurde ersetzt – durch ein modernes Blockheizkraftwerk. Die umweltfreundliche Energiebilanz: Im Jahr können 600 bis 700 Tonnen CO2 und etwa 300000 Liter Heizöl eingespart werden. ­Einen anderen Weg wählt die Deutsche Bahn. Mit ihrem Angebot „Fahrtziel Natur“ bringt sie Reisende zu 17 deutschen Nationalparks, Bioreservaten und Naturparks vom Wattenmeer bis zum Alpenraum. Zusammen mit großen Umweltverbänden wie dem Nabu und BUND wirbt die Bahn mit Ausflugtipps, Fahrrad- und Wanderwegen für die Schutzgebiete.

Ein weiteres gutes Beispiel für sanften Urlaub ist die Tourismusmarke „Viabono“. 2001 auf Initiative des Bundesumweltmi­nis­teriums und des Umweltbundesamtes gegründet, vereint sie unter ihrem Dach rund 350 Hotels, Ferienwohnungen, Tagungshäuser, Campingplätze, Jugend­unterkünfte, Restaurants, Naturpark- und Tourismuskommunen in Deutschland. Zusammen mit weiteren Organisationen aus dem Verbraucherschutz, dem Umwelt- und Tourismusbereich engagieren sie sich für nachhaltige Reisen. Im „Forum anders reisen“ haben sich rund 140 vorwiegend in Deutschland, aber auch einige im Ausland ansässige Reiseveranstalter zusammengeschlossen und sich zu nachhaltigem Tourismus verpflichtet. Zusammen mit der Berliner atmosfair GmbH bietet der Verband Urlaubern an, die von ihnen verursachten Klimagase bei einer Flugreise zu kompensieren. Das Geld für ein atmosfair-Zertifikat wird in erneuerbare Energieprojekte in Entwicklungsländern investiert. Dort engagiert sich auch die Anfang 2009 neu gegründete Nachhaltigkeitsinitiative „Futouris“, der Deutschlands größte Reisekonzerne, darunter TUI und Thomas Cook, angehören. Ob Aufforstung von Mangrovenwäldern in Sri Lanka oder Förderung von Windenergie in der Türkei: Mit 14 Projekten unterstützt „Futouris“ momentan den Schutz von Natur und Umwelt und den Erhalt der biologischen Vielfalt in Reiseländern rund um den Globus.

10.09.09
Quelle: magazin-deutschland.de
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