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Geschrieben von: magazin-deutschkand Freitag, den 06. November 2009 um 20:55 Uhr

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Frostige Forschung: Die deutsche Neumayer-III-Station in der Antarktis steht Forschern aus der ganzen Welt offen

Von Maren Peters

by Alfred-Wegener-Institut

Der Sommer ist kurz am 71. Grad südlicher Breite. Hier, rund 2000 Kilometer vom Südpol entfernt, steht die Neumayer-Station III des deutschen Alfred-Wegener-Institutes (AWI) auf dem 200 Meter dicken Ekström-Schelfeis. Versorgungsschiffe können den im Februar 2009 eröffneten Forschungsstützpunkt nur vier Monate im Jahr anfahren, dann schließt sich die Eisfläche über dem antarktischen Meer wieder und die Sturmsaison beginnt. 15 Monate dauert eine Überwinterungssaison auf der Station. Maximal elf Personen haben in dem Gebäudekomplex Platz – üblicherweise besteht die Besatzung aber aus neun Frauen und Männern.

Das Forschungsteam bilden vier Wissenschaftler mit den Schwerpunkten Meteorologie, Geophysik und Luftchemie sowie drei Ingenieure für den Maschinen-, Elektro- und IT-Bereich. Hinzu kommen ein Koch und ein Arzt. Letzterer fungiert zugleich als Stationsleiter. „Wir leben hier quasi wie in einer Wohngemeinschaft“, sagt Gerhard Weigand, der diesen verantwortungsvollen Posten übernommen hat.

Mit dem Unterschied, dass sich die Bewohner einander nicht selbst ausgesucht haben. „Trotzdem gibt es kaum Spannungen, schließlich verbindet uns alle eine ähnliche Interessenlage und die gemeinschaftliche Aufgabe“, versichert der Mediziner. Bei Sonnenschein und knapp 20 Grad Raumtemperatur herrscht gute Stimmung auf dem Eis.

Wer in der Antarktis forschen darf, entscheidet eine Expertenkommission des Alfred-Wegener-Institutes. Weder das Geschlecht noch die Nationalität spielen eine Rolle – wichtig ist die Qualifikation für die jeweilige Aufgabe. „Und eine möglichst stabile Psyche“, erklärt Saad El Naggar, wissenschaftlich-technischer Leiter der Forschungs­plattformen am AWI und verantwortlich für den Bau der neuen Neumayer-Station. Der Vertrag für einen Antarktiseinsatz läuft über zwei Jahre. Bevor die Reise Richtung Südpol beginnt, absolvieren die Wissenschaftler und Techniker ein umfangreiches Trainingsprogramm und ein Umweltschutzseminar. Auch die Forscher, die in den Sommermonaten zusätzlich auf der Station oder in ihrem Umfeld arbeiten, müssen an derartigen Schulungen teilnehmen. Von Mitte November bis Mitte März können bis zu 50 Menschen auf Neumayer III leben – oder im Umkreis von bis zu 500 Kilometern von hier aus versorgt werden. Die Station ist als logistisches Zentrum konstruiert und verfügt über einen Fuhrpark aus Kettenfahrzeugen, Mobilkränen und Lastschlitten. Zudem liegen antarktistaugliche Zelte und Proviantpakete bereit, um längere Expeditionen zu ermöglichen.

Wichtigste Aufgabe der Station ist jedoch, die Messreihen, die in den Vorgänger-Stationen Georg-von-Neumayer (1981–1992) und Neumayer II (1992–2009) begonnen wurden, fortzusetzen. „Das Sichern der Langzeit­untersuchungen ist eine Generationenaufgabe“, sagt Weigand. Zwar verwerten die Forscher die gewonnenen Daten umgehend, aus vielem werden die Wissenschaftler aber vielleicht erst in hundert Jahren die richtigen Schlüsse ziehen können. „Wir hoffen, dass wir mit unserer Arbeit ein relativ umfassen­des Archiv über die Entwicklung der Erdatmosphäre und des Klimas sowie über die Plattentektonik zusammentragen können“, erklärt Weigand.

Für die dazu nötigen Untersuchungen sind vier Observatorien im Dauerbetrieb. „Täglich starten wir Sonden, die während ihres Aufstiegs ein Profil der Atmosphäre aufzeichnen“, erläutert El Naggar. So werden die Zusammensetzung der Gase und die Luftverschmutzung ermittelt sowie die Entwicklung der Ozonschicht dokumentiert. Zur Wetter­analyse messen Sonden Temperatur, Druck, Feuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und -richtung. Auch Erd- und Eisbeben werden registriert. Selbst ein Infraschall-Messfeld gehört zur Neumayer-Station, das Teil des internationalen Beobachtungssystems (IMS) zur Überwachung von atomaren Aktivitäten wie Atombombentests ist. Diese Daten gehen online direkt an die Organisation des Vertrags über ein umfassendes Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO) nach Wien, wo sie Experten auswerten.

Ausgelegt ist die Neumayer-III-Station auf eine Betriebsdauer von mindestens 25 Jahren. Spuren in der Umwelt wird sie keine hinterlassen – ihre Konstruktion ist vollständig rückbaubar. Die Forschungsplattform bietet ihren Bewohnern deutlich mehr Komfort als ihre beiden Vorgängerinnen. „Wir haben jetzt vor allem Fenster“, freut sich Stationsleiter Weigand. Der Blick nach draußen sei eine ­enorme Entlastung für die Psyche – auch wenn im Winter zwei Monate lang die Sonne nicht zu sehen ist. Eines vermisst die Mannschaft im ewigen Eis dann doch: einen Teller frischen Salat.

23.07.09
Quelle:magazin-deutschland.de
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