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Geschrieben von: magazin-deutschkand Freitag, den 06. November 2009 um 23:29 Uhr

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Markus Borner leitet die Naturschutzprogramme der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) in Afrika. Ein Interview über Frankfurts enge Beziehung zu Tansania, Erfolge im Naturschutz und neue Herausforderungen für die Serengeti

Interview: Oliver Sefrin

Herr Borner, die Zoologische Gesellschaft Frankfurt bezeichnet Sie als „ihren Mann in Afrika“. Sie leben dort seit 30 Jahren, was begeistert Sie an der Arbeit?

Ich finde hier sehr viel Verständnis und Unterstützung für den Naturschutz. Das fasziniert mich und hat mich auch in Afrika gehalten. Diese außergewöhnliche Erfahrung zeigt sich besonders in Tansania. Berhnard Grzimek hat dort vor 50 Jahren angefangen zu arbeiten. Er hat es fertig gebracht, dass die Bevölkerung stolz auf ihre Naturlandschaften ist und sie als natürliches Erbe betrachtet.

Wo liegen die Schwerpunkte der Arbeit der ZGF in Ostafrika?

Wir konzentrieren uns auf größere Projekte und kümmern uns vor allem um große Wildnisgebiete. In Äthiopien sind wir vor allem im Bale Mountains Nationalpark tätig. Im Kongo haben wir im Virunga-Nationalpark mit dem Schutz der Gorillas ein Projekt aus den 70er- und 80er-Jahren wiederaufgenommen.

In Kenia haben wir ein Projekt, das zur Serengeti gehört. In Sambia haben wir seit langen Jahren ein Projekt zum Schutz des North Luangwa Nationalparks, wo wir Nashörner wieder ansiedeln. Der Schutz des Gonarezouh-Ökosystems steht im Mittelpunkt unserer Arbeit in Simbabwe. Nach wie vor schlägt unser Herz aber in Tansania. Wir unterstützen den Naturschutz in den Mahale-Bergen, wo die größte Schimpansen-Population des Landes lebt. Außerdem sind das Serengeti- und das Ngorongoro-Ökosystem zwei ganz wichtige Projekte für uns.

Was macht diese enge Beziehung zum Serengeti-Nationalpark aus?

Im Naturschutz gibt es nicht so viele Erfolgsgeschichten. Die Serengeti aber gehört dazu. Im Nationalpark leben heute viermal so viele Tiere wie vor 50 Jahren. Das ganze Serengeti-Ökosystem – und der Nationalpark ist nur ein Teil davon – steht unter Schutz. Zu Grzimeks Zeiten gab es in Tansania nur die Serengeti, heute sind es 15 Nationalparks. Der Anteil an Nationalparks liegt bei sechs Prozent der Landesfläche, und ein Viertel des Landes steht unter Naturschutz. Das ist eine gewaltige Leistung. Wir arbeiten eng mit der Bevölkerung, vor allem aber mit der Nationalparkbehörde Tansanias zusammen.

Welches der Projekte in der Serengeti hat für Sie eine besondere Bedeutung?

Eines der spektakulärsten Projekte, an dem wir derzeit arbeiten, ist die Nashornwiederansiedlung. Spektakulär deshalb, weil es die größte Wiederansiedlung von Spitzmaulnashörnern ist, die jemals versucht worden ist. Es sollen 32 Nashörner in die Serengeti gebracht werden. Wir versuchen dieses Projekt nicht nur umzusetzen, weil wir die Tiere hier haben wollen, sondern im Rahmen dieses Projektes wird der Schutz des Parks neu organisiert, werden alle Wildhüter neu ausgebildet. Das sind Projekte, die am Ende viel mehr Wirkung haben als einfach „nur“ einige Nashörner zurückzubringen. Zunehmend wichtig ist es für uns, beratend für den Park tätig zu sein. Vor einem Jahr etwa hatten wir einen internationalen Workshop zur Zukunft des Tourismus im Nationalpark.

Sie haben gesagt, die Serengeti steht am Scheideweg. Vor welchen neuen Herausforderungen steht der Nationalpark?

Ein Problem, das schon Grzimek angesprochen hat, ist das Bevölkerungswachstum. Zunächst hatten wir begonnen, verstärkt mit der Bevölkerung zu arbeiten, die um den Park herum lebt. Denn sie sollte auch etwas vom Profit des Parks abbekommen. Das hat sich aber als falscher Ansatz herausgestellt. Denn es zeigte sich, dass der Bevölkerungszuwachs an der Parkgrenze dreimal so groß ist wie im ganzen Land und der Druck auf den Park noch steigt. Wir haben dann ein neues Konzept entwickelt, wonach die Dörfer auf ihrem eigenen Grund und Boden Rechte erhalten, das Wild zu nutzen.

Wie verhält es sich mit dem Tourismus?

In Tansania ist der Tourismus eine wichtige Geldquelle. Er wird aber langsam zum Problem, weil eine Übernutzung der Naturgebiete droht. In der Serengeti haben wir jedes Jahr 140000 Besucher. Das ist noch nicht so gravierend. Aber am Ngorongoro-Krater kann man sehen, dass der Tourismus ökologische Probleme schafft. Für die Hotels am Kraterrand wird jeden Tag eine große Menge Wasser aus dem Krater herausgepumpt. Dadurch versalzt der Kratergrund immer mehr, und die Bäume sterben ab. Diese aber sind wichtig für den Nachwuchs der Nashörner.

Wie versuchen Sie Tourismus und Naturschutz zu verbinden?

In Tansania, und das beeindruckt mich, geht es nicht nur darum, mit Tourismus möglichst viel Geld zu machen. In der Serengeti wurde der Park aufgeteilt, in eine Region, in der man mehr Tourismus zulässt, und in der die Eintrittspreise niedriger sind, und zweitens, in eine Zone, die für kleinere Gruppen oder Individualreisende gedacht ist und mehr kostet. Ich glaube, diese Abstufung ist ein Modell für die Zukunft.

Sie haben zehn Jahre mit Bernhard Grzimek zusammengearbeitet. Inwiefern war er ein Pionier im Naturschutz?

Für mich als jungen Zoologen war es sehr beeindruckend mit einem so erfahrenen Vordenker zu arbeiten. Schon Ende der 50er-Jahre formuliert er Gedanken, die wir heute als ganz modernen Naturschutz ansehen, etwa die Einbindung der ostafrikanischen Bevölkerung in die Nationalparks. Heute müssen wir nicht ständig zurückblicken, was Grzimek erzählt hat. Was wir aber von ihm lernen sollten, ist, dass er versucht hat vorauszudenken. Das bewundere ich an ihm.

Was ist Grzimeks größter Verdienst für den Naturschutz in Ostafrika?

Sein Haupteinfluss in Afrika beruhte auf seinem Vertrauen in die neuen afrikanischen Regierungen nach der Unabhängigkeit. Er pflegte enge Beziehungen zu afrikanischen Staatschefs. Grzimek hat immer betont, dass die Afrikaner die Bedeutung des Naturschutzes für sich erkennen werden. Er hat mit dazu beigetragen, dass die afrikanischen Staatschefs Naturschutz als etwas Eigenes angenommen haben.

Haben Organisationen wie die Zoologische Gesellschaft mit dazu beigetragen, dass Deutschland als wichtiger Partner in der Region angesehen wird?

Mit Sicherheit. Und das eigentlich Erstaunliche ist: Durch unsere Arbeit sind wir wahrscheinlich bekannter als viele deutsche Entwicklungsprojekte. Wir sind ein echtes Fenster von Frankfurt und Deutschland in der Welt. Wenn in Tansania jemand sagt, ich gehe jetzt noch nach Frankfurt, dann meint er die Zoologische Gesellschaft in der Serengeti.

06.05.09
Quelle:magazin.deutschland.de
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