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Geschrieben von: magazin-deutschkand Freitag, den 06. November 2009 um 23:37 Uhr

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Im artenreichen Regenwald Zentralafrikas fördert Deutschland den Naturschutz und koordiniert derzeit die internationale Kongobecken-Waldpartnerschaft

Von Maren Peters

Mit einer Länge von knapp 4400 Kilometern zieht sich der Kongo als blaues Band majestätisch durch Zentralafrika. Seine Ufer säumt das zweitgrößte noch zusammenhängende Regenwaldgebiet der Erde. Es erstreckt sich von Kamerun und Gabun an der Westküste des Kontinents bis nach Tansania im Osten und bedeckt eine Gesamtfläche von 180 Millionen Hektar. Der Wald ist Heimat von über 400 verschiedenen Säugetier-, 900 Schmetterlings- und mehr als 1000 Vogelarten. Darunter beide stark bedrohte Gorilla-Arten, Schimpansen, Waldelefanten und Büffel. Die Vielfalt der Pflanzen schätzen Experten auf mehr als 10000 Gewächse, mit zum Teil noch unentdeckten Pharmawirkstoffen.

Das Besondere: Im Gegensatz zu vielen anderen Regenwaldgebieten ist die Lebensgemeinschaft im Kongobecken noch in großen Teilen intakt. „Und das, obwohl der Wald die Lebensgrundlage von gut 30 Millionen Menschen bildet und seine Tropenhölzer auf dem Weltmarkt sehr gefragt sind“, sagt Hans Schipulle.

Der deutsche Entwicklungsexperte koordiniert derzeit im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die „Internationale Partnerschaft für die Wälder des Kongobeckens“ (CBFP). Die freiwillige Allianz hat das Ziel, die Lebensbedingungen der Menschen in der Region nachhaltig zu verbessern, ohne dabei die einzigartige Natur zu zerstören.

Eine schwierige Aufgabe, denn in dem Gebiet prallen viele Interessen aufeinander. Zudem haben Unruhen und Bürgerkriege in der Vergangenheit potentielle Investoren abgeschreckt und es fehlt vielerorts an Infrastruktur. Inzwischen hat sich die Lage jedoch stabilisiert und internationale Konzerne bemühen sich intensiv um die Nutzungsrechte der umfangreichen Waldressourcen. „Damit jedoch das Geld auch bei der Bevölkerung ankommt, ist es besonders wichtig, die Anrainer bei der Entwicklung nachhaltiger Wirtschaftsstrategien zu unterstützen“, erklärt Schipulle das internationale Engagement. Zugleich ist es ein Beitrag zur Umsetzung der globalen Klima- und Artenschutzabkommen und soll einer unkontrollierten Ausbeutung und Zerstörung vorbeugen.

Damit die Schutzmaßnahmen greifen, müssen die Menschen von Anfang an in die Strategien und Projekte der Partnerschaft eingebunden werden und möglichst schnell davon profitieren. Daher liegt einer der Schwerpunkte der deutschen Koordinationsleitung auf der Stärkung und dem Ausbau bereits vorhandener lokaler Strukturen. Unterstützt wird das BMZ dabei von der Deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ). „Zum Glück haben die Anrainer-Staaten den Wert ihres Waldes früh erkannt“, meint Herbert Christ, Koordinator der GTZ für die Kongobecken-Waldpartnerschaft. Bereits 1999 verpflichteten sich sechs von ihnen bei einem regionalen Treffen im kamerunischen Yaoundé zum gemeinsamen Schutz des Regenwaldes und einer nachhaltigen Nutzung seiner Ressourcen. Nachfolgend gründeten sie mit der Zentralafrikanischen Waldkommission (COMIFAC) eine Organisation zur länderübergreifenden Zusammenarbeit in den Bereichen Waldmanagement, Armutsbekämpfung und Artenschutz. Auf diesen Strukturen kann die Waldpartnerschaft nun aufbauen.

Da die Regenwälder nicht nur für den Erhalt der biologischen Vielfalt von globaler Bedeutung sind, sondern als Kohlenstoffspeicher und somit Puffer für den Klimawandel sowie für den weltweiten Süßwasserhaushalt eine wichtige Rolle spielen, hat die Weltgemeinschaft ein starkes Interesse an ihrem Erhalt. Daher vereinbarten die Vereinten Nationen 2002 auf ihrem Nachhaltigkeitsgipfel in Johannesburg, die Kongo-Anrainer zu unterstützen.

Das Resultat ist die Kongobecken-Waldpartnerschaft, in der sich neben den zentralafrikanischen Staaten auch viele europäische Länder, die EU-Kommission, die USA, Kanada und Japan, die Weltbank sowie verschiedene gemeinnützige nichtstaatliche Organisationen und Unternehmen aus der Privatwirtschaft zu einer Länder- und fachübergreifenden Kooperation zusammengeschlossen haben. Für zwei Jahre übernimmt einer der Partner die Koordination. Seit Oktober 2007 ist dies Deutschland, das den Schutz der Tropenwälder in der Region mit mehr als 53 Millionen Euro unterstützt.

„Der Vorteil der CBFP liegt darin, dass sie die unterschiedlichsten Partner mit den verschiedensten Interessen an einen Tisch bringt – und das aus freien Stücken“, erläutert Schipulle. Jeder Partner kann seine Erfahrungen, Kontakte und finanziellen Mittel in die Kooperation einbringen und durch die verbesserte Koordination und die überregionalen Strukturen wirksamer gestalten.

Die Absprachen innerhalb der Allianz erfolgen informell. Das hilft, abgestimmte Maßnahmen schneller und effektiver umzusetzen, als Beschlüsse, die auf diplomatischer Bühne ausgehandelt werden. Die Waldpartnerschaft kann so unbürokratischer agieren und auch neue Ansätze erproben.Beispielsweise beim Management von Schutzgebieten, deren Umfang die Demokratische Republik Kongo von derzeit 10 auf 15 Prozent ihrer Gesamtwaldfläche ausdehnen will, die wiederum etwa die Hälfte der Regenwälder der Kongoregion umfasst. Oder bei der Unterstützung solcher Unternehmen, die Holznutzung nachhaltiger und transparenter gestalten wollen. So investierten bereits viele Betriebe in eine unabhängige Zertifizierung nach sozialen und ökologischen Kriterien des auch bei Verbrauchern in Europa bekannten „Forest Stewardship Council“ (FSC-Siegel).

Bei allen Erfolgen der Partnerschaft tauchen jedoch auch immer wieder kleinere und größere Konflikte auf. Regierungen müssen sich Fragen nach guter Führung und wirksamer Bekämpfung der Korruption stellen, Repräsentanten lokaler Waldvölker klagen über mangelnde Beachtung ihrer traditionellen Rechte. Auch über die Auswirkungen industrieller Holznutzung auf die Lebensbedingungen der Bevölkerung und die Artenvielfalt bestehen vielfach noch Meinungsunterschiede. „Wir haben uns daher vorgenommen, die Partnerschaft während unserer Koordinationszeit verstärkt als Plattform für einen intensiven Dialog zu solchen Fragestellungen anzubieten“, sagt Hans Schipulle.

Trotz mancher Hürden schätzt der Entwicklungsfachmann die Erfolgsaussichten, die Ziele der Kongobecken-Waldpartnerschaft zu erreichen, durchaus positiv ein. In einigen Bereichen, so Schipulle, gebe es schon größere Fortschritte als ursprünglich geplant, und das internationale Interesse an dem Bündnis sowie die Mitgliederzahl der Waldpartnerschaft nehme beständig zu. Eine Entwicklung, die den deutschen Koordinator bis zum Ende seiner Amtszeit in seinem Engagement bestärkt.

06.01.09
Quelle: magazin-deutschland.de
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