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Geschrieben von: magazin-deutschkand Samstag, den 07. November 2009 um 12:28 Uhr

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Die Fraunhofer-Gesellschaft hat im September in Korea ein Representative Office eröffnet. Der Leiter Joohwan Kim geht mit großen Ambitionen an die Arbeit. Ein Interview

Von Martin Orth

Herr Joohwan Kim, Sie leiten das neue Fraunhofer Representative Office in Seoul. Wie entstand die Idee zu dem Büro?

Das Fraunhofer Representative Office Korea besteht seit Juli 2007, die offizielle Eröffnung fand allerdings erst im September 2008 statt. Die Gründung von Repräsentanzen im Ausland ist für Fraunhofer nichts Neues. Im asiatischen Raum entstanden die ersten Mitte der 90er Jahre. Heute gibt es vier von ihnen – in China, Indonesien, Japan und eben in Korea. Mit der Neueröffnung verfolgt Fraunhofer die Philosophie, sich weiter zu globalisieren. Denn Auslandserfahrung zählt nicht nur für Individuen, sondern auch für Unternehmen und Dienstleister. Heute ist die Fraunhofer-Gesellschaft mit den besten Forschungseinrichtungen der Welt vernetzt. Davon profitiert vor allem die deutsche Industrie, unser wichtigster Kunde im Bereich Auftragsforschung, denn wir können sie besser bedienen, wenn wir ihre Märkte kennen.

Die Frage nach dem Standort Korea ist schnell beantwortet: Das Land ist ideal für Forschungsorganisationen. Die Wirtschaft wächst kontinuierlich, der Staat investiert jährlich 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Forschung und Entwicklung. Und darüber hinaus findet man in Korea überdurchschnittlich viele gut ausgebildete und hoch motivierte Ingenieure.

Fraunhofer arbeitet schon seit Jahren eng mit koreanischen Partnern zusammen. Welches sind die wichtigsten Themen und Kooperationen?

Wir sind für alle Technologiefelder offen, die von den 57 Fraunhofer-Instituten bearbeitet werden, aber in Korea setzen wir Prioritäten. Information und Kommunikation war und ist mit Abstand das beliebteste Kooperationsfeld, danach folgen Materialforschung und Life Science. Ein neues Thema mit großem Potenzial ist Energie. Unser wichtigster Industriepartner in Korea ist Samsung Electronics. Wir führen jedes Jahr Technologie-Workshops durch und identifizieren neue Kooperationsfelder. Im Bereich der öffentlichen Auftraggeber ist die Stadt Seoul unser wichtigster Partner.

Es hieß, in den vergangenen Monaten seien eine Reihe von Abkommen über gemeinsame Forschungsprojekte hinzugekommen. Welche?

In der Tat gab es mehrere neue Vereinbarungen. Beipielsweise hat das Fraunhofer-Institut Solare Energiesysteme ISE mit der Stadt Seoul ein Memorandum of Understanding für die Kooperation im Bereich erneuerbarer Energie unterzeichnet. Und das Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme IPMS in Dresden und Sunic System, ein führender Hersteller von Vakuumabscheidungsanlagen für organische Materialien in Korea, wollen in einer strategischen Kooperation die Produktionstechnik verbessern, die bei der Herstellung von organischen lichtemittierenden Dioden, kurz OLEDs, und organischen Solarzellen eingesetzt wird.

Ein großes Thema der deutsch-koreanischen Kooperation heißt „Megacity“. In welchen Bereichen kann die Fraunhofer-Gesellschaft Seoul helfen, eine grüne Stadt zu werden?

Zum einen hat Seoul das Fraunhofer ISE in Freiburg mit dem Aufbau eines repräsentativen Gebäudes, des sogenannten Null-Energie-Hauses, beauftragt. Gemeinsam mit den Konsortiumspartnern wollen wir unser Know-how zur passiven beziehungsweise aktiven Energietechnologie in das Gebäude einfließen lassen. Zum anderen wird das Fraunhofer ISE mit Fördermitteln der Stadt Seoul ein Forschungsprojekt mit einer koreanischen Universität zum Thema Next Generation Solar Cell durchführen. Forschungsgegenstand sind organische Solarzellen.

Im Bereich Energieeffizienz kooperiert das Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) mit Samsung Engineering & Construction. Was ist die Problematik in Korea?

Mehr als die Hälfte aller Koreaner lebt heute in hohen Wohnblocks, die in den vergangenen Jahrzehnten erreichtet wurden. Diese Häuser sind – verglichen mit deutschen Standards – schlecht gedämmt. Die Bewohner benötigen viel Energie zum Heizen beziehungsweise Kühlen der Wohnräume.

Ein brisantes Thema in Seoul ist der Schallschutz. Welchen Beitrag kann Fraunhofer dazu leisten?

Die Akustiker vom Fraunhofer IBP arbeiten zusammen mit koreanischen Ingenieuren an innovativen, dämmenden Baumaterialien. So hat das Institut ein neuartiges Dämmsystem auf der Basis eines Verbundmaterials entwickelt, das den koreanischen Anforderungen entspricht und zugleich Perspektiven für einen hochwertigen Schallschutz in Deutschland eröffnet, denn die neue Verordnung von Korea geht zum Teil weit über die in Deutschland geltenden Auflagen hinaus.

Ein großes Projekt der Stadt Seoul ist die bürgernahe Verwaltung. Welche Lösungen kann Deutschland anbieten?

In einem Memorandum of Understanding haben sich das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS und die National Information Agency NIA darauf verständigt, ein Serviceangebot für die Megastadt zu entwickeln, das der geplanten europäischen Service-Hotline ähnlich sein soll. In Europa können künftig alle Bürger über die Telefonnummer 115 umfassende Informationen und Hilfsstellung im Umgang mit Behörden abrufen bis hin zur vollständigen Abwicklung von Antragsverfahren. Seoul möchte seinen 20 Millionen Einwohnern diesen attraktiven Bürger-Service ebenfalls anbieten.

Letzte Frage: Warum fiel die Wahl auf Sie als Leiter des neuen Büros in Seoul?

Vermutlich fiel die Wahl auf mich, weil ich beide Kulturen kenne. Nach meinem Studium der Elektrotechnik in Korea ging ich nach Deutschland und habe Deutsch gelernt. Dann war ich dort sieben Jahre lang berufstätig – bei einem koreanischen Unternehmen in Frankfurt und anschließend bei dem Fernsehsender Premiere in München. Jetzt ist der Brückenschlag zwischen beiden Ländern meine Hauptaufgabe.

07.01.09
Quelle: magazin-deutschland.de
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