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Geschrieben von: magazin-deutschkand Samstag, den 07. November 2009 um 12:30 Uhr

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Bosch und Siemens Hausgeräte entwickelte für Asien einen umweltfreundlichen Kocher. Eine Erfolgsgeschichte

Von Sybille Wilhelm

2,5 Milliarden Menschen – mehr als ein Drittel der Erdbevölkerung – bereiten ihre Nahrung über dem offenen Feuer zu. Dafür nutzen sie Brennholz, Holzkohle, Petroleum oder Gas – allesamt Rohstoffe, die knapper und teurer werden. Außerdem entsteht durch den Verbrennungsprozess das Treibhausgas CO2, das für den Klimawandel mitverantwortlich gemacht wird. Und da der am einfachsten und billigsten zugängliche Brennstoff Holz ist, kommen durch das Abholzen der Wälder weitere Probleme hinzu: Der Boden verliert den natürlichen Erosionsschutz, was schwere Naturkatastrophen zur Folge haben kann. Viele gute Gründe also für BSH Bosch und Siemens Hausgeräte – ein 1967 gegründete Joint-Venture der beiden großen deutschen Traditionsunternehmen – nach einer Alternative zum traditionellen Feuermachen zu suchen: „Die Idee, Pflanzenöl zum Betrieb von einfachen Kochern zu verwenden, beschäftigte uns schon lange“, sagt Samuel N. Shiroff, Projektverantwortlicher bei BSH.

Das erste Ergebnis der Bemühungen war der Pflanzenölkocher Protos, der von Ende 2004 bis April 2006 zusammen mit der philippinischen Leyte State University entwickelt und in 100 Haushalten auf den philippinischen Inseln Leyte und Samar getestet wurde. Der Praxistest war so erfolgreich, dass heute weitere Projekte in anderen Regionen der Philippinen, Indien und Indonesien laufen. „2007 waren mehr als 1000 Kocher im Einsatz“, sagt Samuel N. Shiroff. „Jetzt haben wir aber eine noch leistungsfähigere und kostengünstigere Protos-Version entwickelt.“ Und vom „Protos II“ erwarten sich die Erfinder einiges: „2009 planen wir, mehrere tausend Kocher der neuen Generation zu produzieren.“

Einen Kocher mit Pflanzenöl zu betreiben, hört sich in Zeiten, in denen Autos mit Biokraftstoffen angetrieben werden, gar nicht so spektakulär an. Ist es aber: „Einen gebrauchstüchtigen Ölkocher zu entwickeln, war eine technische Herausforderung“, sagt Samuel N. Shiroff. Denn zum einen liegt der Flammpunkt des dickflüssigen Pflanzenöls mit 188 Grad Celsius gut hundert Grad über dem von beispielsweise Petroleum. Außerdem verstopften die koksigen Rückstände anfangs regelmäßig die Düsen der ersten Testbrenner. Diese „Nuss“ versuchten die Wissenschaftler der Universität Hohenheim jahrelang zu knacken – vergebens, wie es zunächst schien. „Wir waren drauf und dran, aufzugeben“, erinnert sich der damalige Projektleiter Professor Werner Mühlbauer. Doch sein Assistent Elmar Stumpf experimentierte weiter, bis er die ideale Anordnung fand: Der Ölkocher rußt nicht, stinkt nicht, explodiert nicht und weil er keine komplizierten Düsen mehr hat, können diese gar nicht erst verstopfen: Die 0,3 bis 0,5 Millimeter große Öffnung lässt sich bei Verschmutzungen mit einem einfachen Draht leicht säubern.

Die Funktionsweise des neuen Pflanzenölkochers ist ganz einfach. Mittels einer Luftpumpe wird in einem mit Öl gefüllten Tank Druck aufgebaut. Das bewirkt, dass das Öl in das Verdampferrohr aus Edelstahl läuft, wo es durch die Wärmezufuhr der Flamme verdampft. Der nun gasförmige Brennstoff tritt aus einer Düse aus, vermischt sich im Brennraum mit der Umgebungsluft und verbrennt in einer blauen Flamme. Die Stärke der Flamme kann der Koch leicht mit einem Ventil in der Ölleitung regeln. Als der Kocher fertig war, stellte sich dem deutschen Hausgerätehersteller allerdings noch die Frage nach der Produktion des Öls, das ihn anfeuern sollte: „Wir mussten dafür sorgen, dass das für den Betrieb notwendige Pflanzenöl überall erhältlich war“, berichtet Samuel N. Shiroff von der Anfangszeit auf den Philippinen. „Also suchten wir eine Kokosnuss-Kooperative, die bereit war, mit uns zusammenzuarbeiten. Jetzt verkaufen die Bauern ihr Öl direkt und erzielen dadurch sogar höhere Erlöse als früher.“

Der ungewöhnliche Kocher kann mit unraffinierten und raffinierten Pflanzenölen wie Kokosöl, Sonnenblumenöl, Rapsöl, Jatrophaöl, Rizinusöl, Öl aus Baumwollsaat oder Erdnussöl betrieben werden – also mit nachwachsenden Rohstoffen der Regionen, in denen er eingesetzt wird. „Wir haben es uns zur Regel gemacht, den Kocher nur in Regionen zu verkaufen, in denen die Nutzung von Ölen als Brennstoff keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt und die Ernährung der Menschen hat“, stellt die BSH-Pressestelle klar. Außerdem verfolgt der deutsche Hausgerätehersteller die Strategie, den Protos so weit wie möglich lokal fertigen zu lassen. Im Rahmen der dreijährigen Testphase auf den Philippinen wurden deshalb philippinische Werkstätten ausgesucht, die die Geräte produzieren und Fachkräfte geschult, die für den Protos werben und ihn vertreiben sowie rund 1000 Haushalte mit dem Kocher vertraut gemacht. Heute können auf den Philippinen rund 1500 Kocher im Jahr hergestellt werden. Neben all den ökonomischen und sozialen Vorteilen, schont der in Deutschland entwickelte Pflanzenölkocher auch noch die Umwelt. Das Kochen mit Pflanzenöl ist weitgehend CO2-neutral. Dadurch, dass der Kocher nicht mit fossilen Brennstoffen beheizt wird, spart jedes Kochgerät jährlich bis zu einer Tonne Kohlenstoffdioxid ein.

30.12.08
Quelle: magazin-deutschland.de
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