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Geschrieben von: magazin-deutschkand Samstag, den 07. November 2009 um 12:32 Uhr

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Deutsche Wissenschaftler haben in Indonesien ein Tsunami-Frühwarnsystem installiert. Ein Lagebericht

Von Roland Knauer

Als der Physiker Jörn Lauterjung im September 2007 wieder einmal wie so oft seit dem verheerenden Tsunami am zweiten Weihnachtsfeiertag 2004 nach Indonesien fliegt, um den Aufbau eines Warnsystems voran zu treiben, kann er kaum ahnen, dass die Feuerprobe dieses Systems unmittelbar bevor steht. Ausgelöst werden solche Tsunamis meist durch Erdbeben und die lassen sich bisher noch nicht vorhersagen. Als am 12. September 2007 um 13.10 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit vor dem Süden Sumatras ein gewaltiges Erdbeben der Stärke 8,0 den Meeresboden zwischen den Mentawai-Inseln und der Insel Enggano erschüttert, ist Jörn Lauterjung vom Helmholtz-Zentrum Potsdam, dem Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ, bereits in Indonesien. Vom Erdbeben bekommt er nichts mit. Aber fünf, sechs Minuten später sieht er die ersten Warnungen vor einem möglichen Tsunami über den Fernsehbildschirm in seinem Hotelzimmer flimmern. Obwohl es noch lange nicht fertig ist, hat das Warnsystem damit seine Feuerprobe bestanden.

Schnell und zuverlässig muss ein solches Warnsystem sein. Das war deutschen Forschern klar, als nach dem verheerenden Beben der Stärke 9,3 am zweiten Weihnachtsfeiertag 2004 Tsunami-Wellen bereits 15 Minuten später die Provinz Banda Aceh in Indonesien erreichten und allein dort rund 140000 Menschen in den Tod rissen. Um die Folgen solcher Katastrophen in Zukunft zu verringern, schlugen deutsche Forscher unter Federführung des GFZ bereits Anfang 2005 ein neuartiges Tsunami-Warnsystem vor, für das die deutsche Regierung bis März 2010 insgesamt 49 Millionen Euro bereit stellt. GFZ-Wissenschaftler Jörn Lauterjung koordiniert dieses Vorhaben und weiß sehr gut um seine Verantwortung. Rechtzeitig gewarnt, haben die Menschen an den betroffenen Küsten größere Chance, sich zu retten.

Ausgelöst wird ein Tsunami meist von Seebeben. Ausgerechnet vor Indonesien aber hat das weltweite Erdbebenmessnetz eine Lücke. Genau die schließt das GFZ mit 21 neuen Mess-Stationen. Obendrein wurden moderne Kommunikationseinrichtungen installiert, mit deren Hilfe die Erdbebenstationen der Region online sind. Allerdings ist es äußerst schwierig, die Signale von starken Beben in der näheren Umgebung auszuwerten. GFZ-Forscher haben daher ein neues Mess- und Auswerteverfahren „SeisComP3“ entwickelt, das inzwischen mehrere starke Beben innerhalb von zwei Minuten erfasst und ausgewertet hat. Die erste Stufe des Warnsystems funktioniert mittlerweile hervorragend. Und die deutsche Software wurde inzwischen von Ländern wie den Malediven, Indien, Pakistan, Thailand oder Südafrika übernommen.

Nicht jedes Seebeben aber löst Riesenwellen aus, sondern nur Beben, bei denen sich Erdplatten am Meeresgrund ruckartig nach oben oder unten bewegen. Bisher brauchten die Forscher 30 bis 40 Minuten, um diese Bewegungsrichtung zu bestimmen. Bis das Ergebnis da ist, hätten die Tsunamis längst die Küsten Indonesiens verheert. Deshalb messen die deutschen Forscher diese Bewegung mit Stationen und mit Hilfe des Satellitenortungssystems GPS direkt an der Küstenlinie und erhalten so bereits nach fünf bis zehn Minuten ein Ergebnis. Ebenfalls mit GPS ausgerüstete Bojen auf dem Meer erfassen Tsunami-Wellen direkt und übermitteln sie mit Funksignalen via Satellit an eine Zentrale. Unter der Boje wird ein Sensor am Meeresgrund verankert, der den Druck registriert, den Riesenwellen bis dort hinunter auslösen. Diese Sensoren wurden vom Leibniz-Institut für Meeresforschung (IfM) in Kiel und dem Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven entwickelt. Zwei solcher Systeme aus Bojen und Drucksensoren am Meeresgrund haben die deutschen Forscher bereits Ende 2005 vor der Insel Sumatra im Indischen Ozean verankert, bis zum Ende des Jahres 2009 sollen insgesamt zehn solcher Bojen und Drucksensoren installiert werden.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln hat eine Warnzentrale entwickelt, in der alle Daten des Frühwarnsystems in der indonesischen Hauptstadt Jakarta zusammen fließen. Um dort im Ernstfall aus den Daten auszurechnen, wo und wann eine Riesenwelle auf die Küste trifft und wie sie sich auswirkt, reicht die Zeit zwischen Erkennen des Erdbebens und Ankommen der Tsunami aber kaum aus. Daher haben die Forscher des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven eine Software entwickelt, die lange vor einem Beben ermitteln, wie sich entsprechende Wellen an den verschiedenen Abschnitten der Küste verhalten. Im Ernstfall wählt der Rechner dann nur noch aus, zu welchen dieser Szenarien die aktuelle Situation am ehesten passt und kann so gezielt die Küstenabschnitte warnen, die bald von den Fluten getroffen werden. Dieser Teil des Systems war allerdings im September 2007 noch nicht in Betrieb und konnte daher nicht getestet werden. Die Testphase hat jetzt begonnen, „das Fein-Tuning des Systems steht an“, erklärt Jörn Lauterjung.

Lösen die Verantwortlichen in der Warnzentrale in Jakarta Tsunami-Alarm aus, werden die betroffenen Menschen mit verschiedenen Methoden gewarnt. Fernsehen und Rundfunk warnen genauso wie SMS-Mitteilungen aufs Handy vor der drohenden Katastrophe. Menschen ohne moderne elektronische Medien werden mit Lautsprecherwagen, Sirenen oder Warnflaggen am Strand gewarnt. Auf dieser „letzten Meile“, auf dem Weg von der Warnzentrale zu den betroffenen Menschen, liegt aber auch der Knackpunkt des Systems: Die Menschen müssen erreicht werden. Und sie müssen richtig reagieren. Dazu werden Informationsblätter verteilt, Kurse für Lehrer und Schüler durchgeführt, sowie Polizei und Feuerwehr geschult. In diesem Bereich gibt es noch einiges zu tun. Aber Jörn Lauterjung ist sehr optimistisch, dass auch diese letzte Meile bewältigt wird.

30.12.08
Quelle: magazin-deutschland.de
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