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Geschrieben von: magazin-deutschkand Samstag, den 07. November 2009 um 12:36 Uhr

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Ostdeutschland lockt immer mehr internationale Investoren an. Vor allem nordamerikanische Unternehmen haben den Standort für die Produktion modernster Solaranlagen entdeckt

Von Hans-Christoph Neidlein

Die Eröffnung einer Produktionsanlage ist für Botschafter nichts Ungewöhnliches. Doch der Termin Mitte Juli 2007 im deutschen „Solar Valley“ zwischen Frankfurt/Oder, Dresden und Halle sorgte bei US-Botschafter William R. Timken für Verblüffung: „Ich habe in meinem Berufsleben schon über 40 Fabriken eröffnet, aber so eine Aufbruchstimmung wie heute habe ich noch nie erlebt“, zeigte sich Timken beeindruckt. Der Spitzendiplomat war von Berlin nach Frankfurt/Oder gereist, um bei der Eröffnung des neuen Produktions-Werkes von First Solar dabei zu sein. 115 Millionen Euro investierte das börsennotierte US-Unternehmen in die „weltweit modernste“ Fabrik zur Herstellung von Solarstrommodulen aus Dünnschichtzellen, wie der Präsident von First Solar, Bruce Sohn, erklärte. Der Zuschlag für die Produktion in Ostdeutschland „ist ein entscheidender Schritt in unserer Firmengeschichte“.

Eine Entscheidung, die immer mehr Investoren aus den USA und Kanada fällen: Mindestens zehn Solarfabriken nordamerikanischer Unternehmen werden zurzeit in Deutschland gebaut oder beginnen demnächst mit der Produktion von Solarmodulen. Allein in den Jahren 2005 und 2006 betrugen die Investitionen weit über 300 Millionen Euro. Rund 3500 Arbeitsplätze sind durch das Engagement nordamerikanischer Unternehmen in dieser Zeit entstanden.

Allein 400 Arbeitsplätze stellt die neue Fabrik von First Solar. Die startete ihre Produktion gleich mit einem Großauftrag: „Wir haben insgesamt 550.000 Module für den Bau des weltweit größten Solarkraftwerks in Brandis bei Leipzig geliefert“, erklärt Geschäftsführer Heiner Eichermüller. Die 40-Megawatt-Anlage entsteht zurzeit auf einer Fläche von rund 200 Fußballfeldern und soll Ende 2009 erstmals Strom liefern. Das Dreifache dieser Leistung beträgt die Produktionskapazität des First-Solar-Werkes. Vom Standort Frankfurt/Oder aus beliefert das Unternehmen auch die expandierenden Märkte in anderen europäischen Ländern.

Als wichtigsten Grund für die Standortwahl nennt Präsident Bruce Sohn das „günstige Investitionsklima, das durch die konsequente Förderung von umweltfreundlichen Energien durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in Deutschland erreicht wurde“. Dazu komme die Verfügbarkeit von qualifizierten und engagierten Mitarbeitern, die ausgezeichnete Infrastruktur sowie „die große Unterstützung durch die lokalen, Landes- und Bundesbehörden“. Bürokratische Hürden bei der Betriebsgenehmigung habe es nicht gegeben. Auch die „teils sehr strikten deutschen Umweltauflagen“ sieht Sohn keinesfalls als Investitionshemmnis. Schließlich habe sich First Solar „sehr dem Umweltschutz verpflichtet“.

Auch Investoren anderer Hochtechnologie-Branchen setzen auf den Standort Ostdeutschland. Etwa der US-amerikanische Halbleiter-Produzent AMD. Rund acht Milliarden Dollar investierte das Unternehmen bisher in seine Werke in Dresden. 2800 hoch qualifizierte Ingenieure, Techniker und Spezialisten arbeiten hier für AMD. Für die Wahl dieses Standortes kennt Dr. Hans Deppe, Geschäftsführer von AMD in der sächsischen Landeshauptstadt, mehrere gute Gründe: „Trümpfe sind ein hervorragendes Netzwerk aus hochqualifizierten und engagierten Menschen, sehr gute Universitäten und Forschungseinrichtungen und nicht zuletzt eine agile und ansiedlungsfreundliche Verwaltung.“ Die Liste der Investoren lässt sich fortsetzen. Zum Beispiel mit der israelischen Firma Federman Enterprises. Sie investierte in Freiberg in die Herstellung von Basissubstraten für Laser, Leuchtdioden, Mobiltelefone und drahtlose Kommunikations-Netzwerke. Oder die amerikanische Atmel Corporation, die in Dresden die neueste Generation von Datenspeichern und Halbleiterlösungen für den Automobilbau entwickelt.

Auch Marc Faber, Vizepräsident von Evergreen Solar, hält viel vom Produktionsstandort Deutschland: „Wir haben hier enorme Möglichkeiten und wurden mit offenen Armen empfangen.“ Mitte Juni 2007 ging in Thalheim im Bundesland Sachsen-Anhalt die zweite Solarstrommodulfabrik von EverQ in Betrieb. 900 neue Arbeitsplätze wurden in dem Gemeinschaftsunternehmen von Evergreen Solar, der deutschen Q-Cells und der norwegischen Renewable Energy Corporation geschaffen. „Wir denken aufgrund der hohen Nachfrage bereits über eine weitere Fabrik nach“, sagt Faber.

Einen neuen Rekord in Sachen Solarstrom will ein anderes US-Unternehmen aufstellen: Signet Solar plant in Deutschland die Produktion der mit 2,20 mal 2,60 Meter größten Dünnschicht-Solarmodule der Welt. Noch 2008 sollen sie in Döbeln bei Dresden entstehen. 50 Millionen Euro investiert die Firma in die Fertigung sowie in den Aufbau eines Forschungs- und Entwicklungszentrums. 130 neue Arbeitsplätze sind eingeplant. Die Entscheidung für den Standort in Sachsen sei aufgrund des in der Region vorhandenen Know-hows und der Unterstützung durch die Wirtschaftsförderung gefallen. Als Partner für die Neuansiedlung hat Signet Solar den US-Hersteller Applied Materials gewonnen. Der Produzent von Halbleiterausrüstungen ist in Dresden bereits mit einer Niederlassung vertreten.

Auch Nanosolar, mit Hauptsitz in Palo Alto, USA, kommt in die neuen Bundesländer. In Luckenwalde bei Berlin wird Europas größte  Solarmodulproduktion aufgebaut. Mindestens 100 neue Arbeitsplätze will das Unternehmen an seiner ersten europäischen Produktionsstätte schaffen. Nanosolar hat ein kostengünstiges Rollen-Herstellungsverfahren für Dünnschicht-Solarzellen entwickelt. Zu den Investoren gehören auch die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin. „Die Hauptstadtregion Berlin verfügt über bedeutende Solarforschungsinstitute, mit denen wir Kooperationen anstreben“, begründet Firmenchef Martin Roscheisen die Standortwahl.

Unternehmen aus Kanada haben ebenfalls schon den Solar-Standort Deutschland für sich entdeckt. „Wir haben uns für Deutschland entschieden, weil es der größte Solarmarkt der Welt ist und qualifiziertes Fachpersonal bietet“, erklärte der Vorstandsvorsitzende von Arise Technologies Corporation, Ian Mac Lellan, bei der Eröffnung einer neuen Fertigungsstätte in der Nähe von Bischofswerda in Sachsen. Das kanadische Solarunternehmen produziert  dort Solarzellen mit einer jährlichen Kapazität von 80 Megawatt. Allein in die ersten beiden Produktionslinien investierte  das börsennotierte Unternehmen 50 Millionen Euro. Insgesamt sollen 300 neue Arbeitsplätze geschaffen werden..

Mit der wachsenden Zahl der Produzenten wird Deutschland auch als Produktionsstandort für nordamerikanische Zulieferer interessant: Die kanadische Firma 5N Plus stellt zurzeit in Eisenhüttenstadt ein Werk für die Aufarbeitung von Materialien für die Dünnschichtzellenherstellung fertig. Der Boom im „Solar Valley“ wird wohl auch in Zukunft andauern.

31.10.08
Quelle: magazin-deutschland.de
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