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Geschrieben von: magazin-deutschkand Samstag, den 07. November 2009 um 12:40 Uhr

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Freiburg im Breisgau: Hier sind die Pioniere der Solartechnik zu Hause. Seit 30 Jahren schreibt die sonnenbeschienene Universitätsstadt solare Erfolgsgeschichten

Von Bernward Janzing

Auf der einen Seite reicht der Blick zum Schlierberg, auf der anderen zu den Wiesen und Wäldern des Schönbergs. Hoch oben auf einem langen Büro- und Ladengebäude an der Merzhauserstraße hat der Freiburger Solararchitekt Rolf Disch mehrere Penthäuser errichtet. Es sind keine gewöhnlichen Penthäuser. Barbara Schweer wohnt seit zwei Jahren mit ihrem Mann Martin Hoyer und ihrer Tochter in einem dieser Wohnhäuser – jetzt zieht sie eine beeindruckende Energiebilanz: Für Heizung und Warmwasser benötigt die Familie im Jahr weniger als 4000 Kilowattstunden, das entspricht dem Heizwert von nicht einmal 400 Litern Öl. Die Wärme kommt per Wärmeleitung aus einem nahegelegenen Holzkraftwerk. „Wir hatten im ersten Jahr Heizkosten von nur 300 Euro“, sagt Schweer. Das kann sich wirklich sehen lassen, in einem Haus mit 167 Quadratmetern Wohnfläche.

Optimale Wärmedämmung ist Teil des Erfolgsrezepts. Selbst an Januartagen, mit Temperaturen um den Gefrierpunkt, braucht das Haus oftmals keine Heizung, sobald nur kurz die Sonne hinter den Wolken hervorkommt. Denn die südliche Glasfront fängt die flache winterliche Sonne ein, während später im Jahr die hohe Sommersonne nicht in die Räume gelangt – das Haus ist einfach klug geplant. Und auch das Wohnklima in dem mit viel Holz ausgestatteten Gebäude ist schlicht unschlagbar, da sind sich alle in der Familie einig.

„Plusenergiehaus“ nennt der Architekt Rolf Disch das Gebäude. Denn es erzeugt im Jahr mehr Energie, als seine Bewohner verbrauchen: Die Solarstromanlage auf dem Dach speist im Jahr fast 9000 Kilowattstunden Strom ins Netz. Zieht man davon den eigenen Stromverbrauch wie auch die Heizwärme ab, bleibt ein jährlicher Überschuss von rund 2000 Kilowattstunden. Das lohnt sich auch finanziell: Den Ausgaben von monatlich knapp 100 Euro für Strom und Wärme stehen Einnahmen von fast 400 Euro aus der Solaranlage gegenüber. Von einem „monatlichen Energieeinkommen“ spricht Architekt Disch selbstbewusst und prophezeit: „Aus Nebenkosten werden Nebeneinnahmen.“ 47 solcher Plusenergiehäuser hat Disch am Fuße des Schlierbergs in Freiburg bereits umgesetzt, zum Teil als Penthäuser, zum Teil als Reihenhäuser.

Unweit davon steht das „Heliotrop“ – auch so eine Innovation aus dem Hause Disch. Es ist ein drehbares Solarhaus, das der Sonne nachgeführt wird und damit die Einstrahlung maximal ausnutzt. Es war das erste Plusenergiehaus in Deutschland und ist heute eines der meistbesuchten Solarprojekte in Freiburg.

Dabei ist Freiburg wirklich nicht arm an solaren Innovationen. Auch die Solar-Fabrik gehört dazu. Als Mitte der neunziger Jahre die Solarbranche in Deutschland noch einer eher ungewissen Zukunft entgegenging, baute Georg Salvamoser in Freiburg unbeirrt eine Modulfertigung auf und markierte im Februar 1996 bundesweit den Neuanfang einer zukunftsträchtigen Branche. Längst sind zwar andere deutsche Solarfirmen größer, doch Freiburg im Breisgau kann für sich in Anspruch nehmen, mal wieder Vorreiter gewesen zu sein – wie so oft, wenn es um Innovationen in Sachen Solarenergie geht.

Taktgeber des Freiburger Solarfortschritts ist immer wieder das Fraunhofer Institut für solare Energiesysteme (ISE). Mit inzwischen über 500 Beschäftigten und einer Institutsfläche von mehr als 18000 Quadratmetern für Büros, Labors und Testgelände ist das ISE heute das größte Solarforschungsinstitut in Europa. Das Fraunhofer-Institut floriert auch deshalb, weil die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier selbst in schwierigsten Zeiten beharrlich an den Durchbruch der Solarenergie glaubten; der erst im Herbst 2001 bezogene Institutsneubau ist längst schon wieder zu klein geworden, Wissenschaftler und Technik wurden schon in Nachbargebäude ausgegliedert oder in das Solar Info Center (SIC).

Das SIC ist ein weiteres Highlight der Solarstadt Freiburg: Der Neubau nahe der Freiburger Messe gilt als bundesweit einmaliges Kompetenzzentrum der Solarbranche. Auf gut 14000 Quadratmetern arbeiten verschiedenste Firmen unter einem Dach auf vielfältige Art und Weise an den Themen erneuerbare Energien, solares Bauen und Energieeffizienz. Das Spektrum reicht von inhabergeführten Kleinstfirmen auf 20 Quadratmetern bis zu großen, international renommierten Unternehmen.

Eines von ihnen ist die Firma Concentrix, die sich im Jahr 2005 als Spin-off vom ISE abspaltete. Seit Februar 2006 ist mit Good Energies einer der führenden strategischen Investoren im Bereich erneuerbare Energien an dem jungen Unternehmen beteiligt, das Konzentrator-Kraftwerke für sonnenreiche Standorte herstellt. Mittels einer Optik aus sogenannten Fresnel-Linsen, sehr flachen Linsen, wird das Sonnenlicht auf eine kleine Hochleistungssolarzelle gebündelt. Diese Solarzellen wandeln das fast 500-fach konzentrierte Licht direkt in elektrische Energie um. Mit der Flatcon-Technologie hat Concentrix als eines der ersten Unternehmen hocheffiziente Solarzellen, die bisher nur im Weltraum eingesetzt wurden, in eine terrestrische Anwendung überführt.

Diese Solarzellen erreichen heute schon beachtliche Wirkungsgrade von 35 Prozent. „Durch den Einsatz hocheffizienter Solarzellen, die Konzentration des Lichts und die hohe Präzision bei der Positionierung der Solarzellen erreicht Concentrix Modulwirkungsgrade über 26 Prozent“, sagt Geschäftsführer Hansjörg Lerchenmüller. Im Vergleich zur herkömmlichen Siliziumtechnologie konnte Concentrix den ausschlaggebenden Modulwirkungsgrad nahezu verdoppeln. Concentrix gilt bundesweit inzwischen als hoch innovative Solarschmiede und als solare Erfolgsstory. Anfang 2008 erst wurde das Solarunternehmen mit dem Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft ausgezeichnet. In Freiburg werden die neuen Module nun von Mitte 2008 an auch produziert. Für die Solarstadt gilt dies als Erfolg, denn andere Regionen hatten die innovativen Freiburger Solarspezialisten ebenfalls heftig umworben.

Aber auch damit ist die Liste der Freiburger Solarprojekte noch lange nicht zu Ende: In keiner anderen Stadt Deutschlands wird außerdem die solare Klimatisierung so engagiert vorangetrieben. Gleich zwei entsprechende Pilotprojekte hat Freiburg zu bieten: im Gebäude der Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie im Universitätsklinikum. Und in der Initiative „Solarbundesliga“, die erfasst, welche Stadt in welchem Maße die Solarenergie nutzt, spielt Freiburg mit seinen rund 200000 Einwohnern seit Jahren ganz vorne mit.

In der rauen Wirklichkeit der Fußball-Profis spielt der SC Freiburg zwar nur in der Zweiten Bundesliga; dem solaren Fortschritt fühlt man sich aber auch im Kampf um Punkte und Tore verpflichtet. 2200 Quadratmeter Photovoltaikzellen auf den Dächern des Dreisam-Stadions erzeugen jährlich rund zwei Millionen Kilowattstunden Solarstrom. Zusammen mit den umweltfreundlichen Stirling-Motoren als Teil des Wärmekonzeptes stellt der SC Freiburg damit mehr als die Hälfte seines gesamten Stromverbrauches selbst und emissionsfrei her.

Warum hat sich die Solarenergie gerade in Freiburg so beispielhaft entwickelt, warum gibt es gerade hier so viele innovative Solarprojekte? Vielleicht, weil die Stadt in einer der sonnigsten Regionen Deutschlands liegt. Vielleicht auch, weil in Freiburg die Solarenergie stets mit dem Image von „grüner“, ökologischer Lebensqualität verknüpft war. Am wahrscheinlichsten darf ein Impuls gelten, der Jahrzehnte zurückliegt: Vor den Toren Freiburgs in Wyhl am Kaiserstuhl sollte in den 1970er-Jahren ein Atomkraftwerk gebaut werden. Doch die Menschen in der Region widersetzten sich: Zu Tausenden besetzten sie damals, im Februar 1975, den geplanten Bauplatz, und konnten so mit einem jahrelangen politischen Widerstand den Reaktor verhindern.

Doch es blieb nicht beim Protest, es wurden zugleich ökologische Alternativen entwickelt. Bereits im Jahr nach der Besetzung des Bauplatzes fand eine erste Sonnenenergieausstellung in der nahen Winzergemeinde Breisach statt. Das war die Geburtsstunde der Solarcity Freiburg. Über 10000 Menschen arbeiten heute in Freiburg in der Umwelt- und Solarwirtschaft, rechnet Freiburgs Wirtschaftsförderer Bernd Dallmann vor. Und er feilt weiter am grünen Image der Stadt: Vor wenigen Wochen gab sich Freiburg das Label „Green City“. Sonnige Aussichten für die Solarstadt am Fuße des Schwarzwaldes.

10.10.08

Quelle: magazin-deutschland.de

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