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Geschrieben von: LN-Interview Dienstag, den 29. September 2009 um 14:10 Uhr

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hafencityr_04_180Das Sonntags-Interview: Isländer erklären, wie sie die nördliche Wallhalbinsel umbauen wollen. Sie wollen frischen Wind in die Hansestadt bringen, die nördliche Wallhalbinsel zum eigenen Stadtteil machen. Die Isländer verraten auch, wo es sich dort am

 

besten wohnen lässt.



Lübecker Nachrichten: Der Gestaltungsbeirat hat ihren Entwurf für die Wallhalbinsel scharf kritisiert.

Fridbert Fridbertsson: Wir würden unseren Vorschlag gerne mit dem Gremium ausführlich diskutieren, denn dort sitzen hochkarätige Experten.


LN: Sie haben Ihren architektonischen Entwurf doch vorgestellt?

Bettina Groß: Nein. Wir haben ihn nicht vorgestellt. Soweit wir wissen, war der Gestaltungsbeirat nicht in den Wettbewerb eingebunden. Dem Gremium wurde das Ergebnis vorgestellt nach Ende des Wettbewerbes - aber nicht von uns.


LN: Der Beirat moniert, dass die Anordnung der Gebäude im Zickzack zu starr sei. Das ist aber doch genau Ihre Grundidee.


Groß: Das Zickzack knüpft an das Motiv der Wallanlagen an, an die Ausbuchtungen der alten Bastionen. Auf Lübecks Luftfotos kann man das gut sehen. Für uns ist der Gestaltungsbeirat ein Gremium, von dem man Rat bekommt. Wir sind da offen. Vielleicht stellt sich im Laufe des Prozesses heraus, dass wir diese Form nicht durchhalten können.


LN: Die Zickzack-Form ist aber das Grundmotiv, das Besondere an Ihrem Entwurf. Die können Sie doch nicht verändern, wenn Sie Ihrer Arbeit treu bleiben wollen.

Groß: Die Grundaussage unseres Entwurfes ist, dass wir ein Ambiente auf der Halbinsel schaffen wollen, in dem 24 Stunden Leben ist. Deshalb wollen wir Gebäudestrukturen finden, die Leben ermöglichen - beispielsweise in den kleinen Höfen. Das kann man aber auch durch andere Formen als durch das Zickzack schaffen.


LN: Kritiker sagen, in Hamburg oder Kopenhagen können sie sich Ihre Architektur vorstellen. Lübeck sei zu klein dafür, zu wenig Großstadt.

Groß: Lübeck war in der Geschichte aber mal eine große Stadt, sie war die "Königin der Hanse". In den letzten Jahrhunderten ist sie in den Dornröschenschlaf verfallen. Unser Anliegen ist es auch, die "Königin der Hanse" wieder erwachen zu lassen. Lübeck kann nicht nur von der Historie leben, sondern braucht neue Impulse.

Franz Jezorski: Ich glaube, es ist wichtig, sich Kritik anzuhören. Denn davon können wir lernen. Vielleicht ist es möglich, die Gestaltung zu verändern, ja. Wir brauchen eine gute Kooperation mit der Öffentlichkeit in Lübeck. Das ist uns wirklich wichtig: Jeden am Tisch zu haben.


LN: Was meinen Sie, Herr Fridbertsson. Ist Lübeck zu klein für Ihre Idee?

Fridbertsson: Das ist ein gute Frage. Ich glaube nicht, dass Lübeck zu klein ist. Wenn Sie sich die neuen Häuser in der Wallstraße an der Obertrave anschauen, dann sind sie mehrere Etagen hoch - passen sich aber gut in die Landschaft ein. Unsere Herausforderung ist es, etwas auf der Wallhalbinsel zu schaffen, das mit dem Rest der Stadt kommuniziert: einerseits einen eigenständigen Stadtteil, andererseits etwas, das zu Lübeck gehört.


LN: Werden Sie für Ihr Projekt einen Architekten-Wettbewerb ausloben?

Fridbertsson: Das ist eine von vielen Sachen, die wir mit den Verantworlichen in der Stadt besprechen müssen. Ich glaube, ein Wettbewerb wäre eine gute Sache. Wenn man viele Menschen fragt und gemeinsam überlegt, dann kommen Ideen dabei heraus. Die Herausforderung ist, daraus etwas zu machen, das zusammenpasst.


LN: Wann werden Sie damit fertig sein? In anderthalb Jahren?

Fridbertsson: Das wäre unsere Hoffnung. Sehen Sie, Sie müssen auf der nördlichen Wallhalbinsel etwas erschaffen, was die Menschen mögen, wo sie gerne sind, wo sie ins Café gehen wollen. Es bringt keinem etwas, einen Stadtteil zu bauen, in dem sich niemand aufhalten möchte. Es wird auch anderthalb Jahre brauchen, bis wir alle Formalien erledigt haben.


LN: Wie viel Gremien müssen Sie denn noch passieren, bis Sie die Baugenehmigung haben?

Jezorski: Soweit wir wissen, müssen unsere Pläne mit 40 Institutionen, Einrichtungen und Behörden abgestimmt werden.


LN: Wird es denn eine Brücke von der Halbinsel zur Untertrave geben?

Fridbertsson: Das ist noch nicht entschieden - und wird sich im Laufe des Prozesses herausstellen.


LN: Aber das Media Center, das Highlight an der Spitze der Landzunge, wird gebaut?


Fridbertsson: Ja. Unser Ansinnen ist es, eine Attraktion an dieser Stelle zu haben. Wir sind in Gesprächen mit Firmen, Museen, die sich dafür interessieren. Aber ich weiß noch nicht, wie es ausgeht.


LN: Wie viele große Firmen brauchen Sie für Ihr Projekt?

Fridbertsson: Schwer zu sagen - vielleicht acht bis zwölf. Es sind immerhin 85 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche.


LN: Und mit wie vielen Firmen sind Sie zurzeit im Gespräch?

Fridbertsson: Im Moment machen wir das Projekt auf dem Markt bekannt. Es gibt viele informelle Treffen, in denen wir erklären, was die Idee hinter dem Projekt ist, wie wir es uns vorstellen. Dann sagen die Menschen: Mmmh, das ist sehr spannend, wir werden darüber nachdenken.


LN: Okay - dann noch mal eine Frage zu den Wohnungen. Wird man die mieten oder kaufen können?

Fridbertsson: Es wird beides geben. Denn letztlich müssen wir etwas für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Leute anbieten, die hier leben wollen.

Jezorski: Ohne Zweifel wird es eine Wohnlage mit hoher Qualität sein - direkt am Wasser.


LN: Wie wird man eigentlich als Investor aus Island in Lübeck aufgenommen?

Groß: Wir sehen uns gar nicht nur als Isländer, sondern als nordisches Team. Aber die Stimmen zu unserem Projekt waren bisher sehr positiv.

Fridbertsson: Wir wurden sehr, sehr positiv aufgenommen - positiver als wir erwartet haben.

Jezorski: Die Menschen, auf die wir hier treffen, sind interessiert an unserem Projekt. Denn wir versuchen auch, mit den Menschen in Lübeck zu arbeiten - in unterschiedlichen Bereichen. Aber wir waren gestern auch in Hamburg - und die Leute dort kannten das Lübecker Projekt.


LN: Eine letzte Frage: In welche Wohnung würden Sie einziehen, wenn Ihr Projekt Hansahafen Quartier verwirklicht ist?

Fridbertsson: Ich liebe die Aussicht auf die Stadt. Ich würde in jedes Appartement einziehen, von dem aus ich die Altstadt sehen kann.

Groß: Es soll aber keine Vorder- und Rückseite der Wallhalbinsel geben. Alle vier Seiten sollen attraktiv sein - hoffe ich.


LN: Also, Sie würden auch zur Roddenkoppel wohnen. Und Sie, Herr Jezorski?

Jezorski: Der interessanteste Punkt wird das Dach des Media Centers an der Spitze sein - der auch für die Öffentlichkeit sein soll. Da gibt es die beste Aussicht auf die Stadt.


Interview: J. v. Zastrow
LN vom 20.01.08

Foto: Drei für Lübeck: Bettina Groß (42, li.) ist Architektin, hat die Musik- und Kongresshalle (MuK) mit entworfen und leitete das Projekt „nördliche Wallhalbinsel“ im dänischen Büro Åristiderne Arkitekter.
Neben ihr stehen die Isländer Fridbert Fridbertsson (42, Mitte) und Franz Jezorski (44, re.). Foto: Neelsen/LN

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