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Geschrieben von: magazin-deutschkand Samstag, den 07. November 2009 um 12:53 Uhr

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Ein nie endendes Energiepotenzial liegt unter unseren Füßen: Erdwärme, gespeichert im Gestein. Bohrtechnik aus Deutschland macht die Geothermie wirtschaftlich nutzbar

Von Rainer Stumpf

Runter von der Autobahn, ein paar Kilometer über die Landstraße und an dem kleinen Schild mit dem blauen „GFZ“-Logo scharf nach rechts abbiegen. Knapp 400 Meter geht die Fahrt holperig über einen Feldweg, vorbei an den Lastern einer Kiesgrube, dann taucht die weiße Spitze des Bohrturms über den Baumwipfeln auf. Über 100 Geologen, Techniker und Energiefachleute aus ganz Europa folgen an diesem 19. Februar der Route von München in den winzigen Ort Dürrnhaar. Nichts Geringeres wollen sie dort miterleben als einen exklusiven Einblick in die Zukunft der Geothermie. Die hat den etwas sperrigen Namen InnovaRig auf den blechernen Leib geschrieben, ist knapp 52 Meter hoch und mit rund 2700 PS stark genug, um bis zu 5000 Meter tief in die Erde zu bohren. Kein Öl, kein Gas wollen ihre Betreiber fördern, sondern einen ganz besonderen Schatz heben: heißes Wasser. Das soll Ende 2008 ein fünf Megawatt starkes Kraftwerk antreiben, um gleichzeitig Strom und Wärme zu erzeugen. Rund um die Uhr, unabhängig von Wind und Sonne. Die Bohranlage in Dürrnhaar ist einmalig.

Gemeinsam mit dem deutschen Tunnelbohr-Spezialisten Herrenknecht entwickelte das GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) einen Tiefbohrer voll innovativer Ideen. Dichtgedrängt stehen die Gäste an diesem sonnigen Februartag in der bayerischen Provinz und recken die Köpfe zum Bohrturm empor. Doch sie hören nichts, riechen nichts. Genau das mache InnovaRig so einmalig, sagt Martin Herrenknecht, Chef des gleichnamigen Konzerns: „Die Anlage läuft abfallfrei und so geräuschlos, dass sie sogar in bewohntem Gebiet einsetzbar ist.“ Ein entscheidender Vorteil bei der Gewinnung von Erdwärme. Denn wirtschaftlich kann sie nur dort genutzt werden, wo sie unmittelbar gebraucht wird. Die Montage der Bohrer erfolgt vollautomatisch, verschiedene Bohrtechniken sind – je nach Bedarf – möglich, bis zu 100 Meter schafft das „technische Meisterwerk“, O-Ton Herrenknecht, pro Tag. Das Fachpublikum nickt anerkennend und macht sich fleißig Notizen. Bis zum Sommer sollen aus 4400 Metern Tiefe pro Sekunde 150 Liter vom rund 140 Grad heißen Wasser an die Oberfläche gespült werden.

Das Beste hebt sich der Firmenchef bis zum Schluss auf: „Wenn wir das Wasser erreicht haben, verschieben wir die Anlage um sechs Meter, um ein zweites Loch zu bohren.“ Heftiger Applaus. Denn auch das hat es nie zuvor gegeben. Für die geothermische Energiegewinnung müssen stets zwei Löcher gebohrt werden: Das heiße Wasser wird aus einem Loch hochgepumpt, seine Wärme für die Energieproduktion genutzt, anschließend wird das abgekühlte Wasser über ein zweites Loch wieder in die heißen Gesteinsschichten zurückgepumpt. Ein teurer Kreislauf, für den Bohrer ab- und wieder aufgebaut werden müssen – bisher. Der Einsatz der mobilen InnovaRig-Anlage wird deutlich günstiger sein. Und so die Chancen für die Geothermie-Nutzung steigern. Derzeit liefern die weltweit installierten Erdwärme-Kraftwerke so viel Strom wie sieben Atommeiler. Damit liegt die Geothermie deutlich hinter den anderen Erneuerbaren zurück. In Deutschland beträgt ihr Anteil an den umweltfreundlichen Energiequellen ein Prozent (2006). Dank neuer Bohr-Technologien wie jener in Dürrnhaar prognostizieren Experten ein kräftiges Wachstum. Auch hierzulande. 360 Kilometer von Dürrnhaar entfernt ist das erste Geothermiekraftwerk, das gleichzeitig Wärme und Strom erzeugt, in Landau ans Netz gegangen. Seit Ende 2007 versorgt es emissionsfrei 6000 Haushalte mit Strom und etwa 300 Haushalte mit Wärme. Laut Bundesumweltministerium sind circa 150 weitere Geothermie-Kraftwerke in Planung. „Wir wollen die Erdwärme in Deutschland voranbringen“, sagt InnovaRig-Entwickler Herrenknecht. Das Vorhaben dürfte ihm gelingen.

25.03.08
Quelle: magazin-deutschland.de
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