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hh.speicherstad._18Architekturzoo" oder "Großstadtatmosphäre"? Der erste Bauabschnitt wurde besonders kleinteilig vergeben. Es ist die westliche Speicherstadt, die die beste Wohnlage mit Blick auf die Elbe und die Kranlandschaft des Hafens am gegenüberliegenden Ufer bietet.

 

Die Planer orientierten sich an Gründerzeithäusern, wie sie etwa im Hamburger Stadtteil St. Georg zu finden sind. Baudirektor Walter spricht dabei stets von der "Körnung" - die relative Größe der Gebäude und Grundstücke -, die hier besonders klein ausfallen solle. Doch bereits jetzt, obwohl nicht einmal alle Häuser im Westteil stehen, sehen manche Kritiker das Ziel von der Einheit in der Vielfalt in weite Ferne gerückt: Von einem "Architekturzoo" wurde gar gelästert.
Ganz unzutreffend ist die Polemik nicht. Da trägt ein Haus einen Fassadenmix aus Glas, Aluminium und Terrakotta zur Schau, ein paar Schritte weiter steht dann ein Gelbklinker, daneben ein dezentes Ziegelrot. Und obwohl die Bauten nicht recht zusammengehören mögen, stehen sie sehr eng, wie nebeneinander plazierte Würfel, wegen der regelmäßigen Elbe-Hochwasser auf acht Meter hohen Poldern oder Sockeln. Manche haben sieben Stockwerke, andere acht. Die Erdgeschosse sind fünf Meter hoch, damit, wenn die HafenCity einmal lebt, dort Geschäfte Platz finden können. Wuchtig, schluchtig und abweisend wirkt das, geht man dort spazieren. Vom Fluss sieht man fast nichts.
Hamburgs Bau-Chef Walter nennt das "Großstadtatmosphäre" und betont: "Wir wollen ja Urbanität, keine Siedlung am Wasser wie in Stockholm oder Amsterdam." Bei aller Freude am neuen Hamburg der architektonischen Leuchttürme von Koolhaas und Co. - wer die würdigen wolle, müsse eben auch "Normalität bauen", sozusagen als Kontrast.

Einzeln betrachtet, da sind sich die Kritiker überwiegend einig, seien die meisten dieser "Normal"-Entwürfe ja durchaus architektonisch gelungen. "Leider stehen die ersten Häuser der HafenCity in keinem Bezug zueinander. Es bleiben Einzelbauten, nicht sehr typisch für diesen spezifischen Standort", sagt Hadi Teherani, Hamburger Architekt iranischer Herkunft und bekannt für seine extravaganten Entwürfe.
Man hätte mehr Rücksicht nehmen müssen auf den Genius Loci, den Geist des Ortes, findet Teherani. Auf die Kulisse der Speicherstadt mit ihren dunkelroten Ziegeln etwa, dieses Ensemble aus prächtigen Lagerhäusern aus dem 19. Jahrhundert, das die HafenCity von der jetzigen Innenstadt scheidet. Und: Wo eigentlich spiegelt sich in den Entwürfen der Hafen, die Elbe - die Nähe zum Wasser?
Diese Frage treibt auch den Hamburger Architekten und Stadtplaner Volkwin Marg um. Er hatte 1996 die erste Machbarkeitsstudie zur HafenCity erstellt; jetzt sieht er sich ein bisschen wie ein Vater, der sein Kind zur Adoption freigegeben hat. Väterlich streng stellt er die Kardinalfrage: "Wie schärfe ich als Stadt meine Identität?"
Maritim, klar, das finden auch die Adoptivväter, soll es hier zugehen. Zumindest dem Namen nach: Es gibt einen Vasco-da-Gama-Platz, Magellan-Terrassen, Marco-Polo-Terrassen. Weltläufig klingen diese Namen und nach Entdeckergeist, mit Lampen, die an Hafenkräne erinnern sollen, und "Lungomares" für die Besucher, gewundenen Liegen aus Stein, die Meereswellen nachempfunden sind. Das zwischen spanischem Modernismo und Neo-Barock changierende Ensemble stammt vom Architektur-Büro EMBT aus Barcelona, das sein Meeresmobiliar schon an der dortigen Strandpromenade aufstellte. Hanseatisch wirkt das alles nicht, sondern eher wie ein mediterranes Design-Disneyland.
Doch für wen eigentlich wird hier designt und gebaut? Wer einen neuen Stadtteil plant, muss auch beantworten, wer darin leben soll. Im Westen zogen 2005 die ersten Bewohner ein, mehr als 1000 Einwohner wird die HafenCity bis zum Jahresende haben. Kaum rollten die Umzugswagen an, regte sich Unmut: Nur Reiche! Zu viele Emptynester, ein Sozio-Slang-Begriff für fidele und finanziell abgesicherte Senioren, deren Kinder aus dem Haus sind und die sich nun ein schickes Altersdomizil an der Elbe gönnen. Eine Mischung aus Gerontopark und Mini-Dubai dürfte kaum jene lebendige Elb-City ergeben, die Hamburgs Planer zu erschwärmen suchen.

Von Thorsten Dörting
Spielgel vom 24.06.08
Foto aus dem Spiegel den neuen Stadtteil

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