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hafencity_04Kampf gegen den Speckgürtel, die Verantwortlichen geben indes durchaus zu, dass die HafenCity verhindern soll, den Speckgürtel um den klammen Stadtstaat noch fetter zu machen - dass also eher Gutbetuchte herziehen sollen. Menschen etwa wie jene Emptynester,

 

sagt HafenCity-Manager Bruns-Berentelg, sowie "multilokale Haushalte, die gleichzeitig in London, Frankfurt oder Brüssel leben und arbeiten". Die Spezies, die der amerikanische Soziologe Richard Sennett "flexible Menschen" getauft hat, Leute, die viel Geld haben und wenig Zeit, und eine schicke Bleibe suchen. Das "Yoo"-Haus am Dalmannkai bietet diesen Schick: 63 Luxusapartments des französischen Designers Philippe Starck stehen hier für bis zu 7000 Euro pro Quadratmeter zum Verkauf.
Ob aber Senioren und Edel-Globetrotter den Stadtteil zum Leben erwecken können? Da ist sich auch Bruns-Berentelg nicht sicher, "doch auch sie gehören zur Stadt". Und weil Hamburg nichts falsch machen will, erforschen nun Soziologen seit gut anderthalb Jahren die Bedürfnisse der Bewohner des neuen Stadtteils, in Tiefeninterviews.
Bruns-Berentelg weiß allerdings schon jetzt, dass "Netzwerke unter den Bewohnern entstehen müssen", er nennt das "Sozialkapitalbildung". Darum fungiert einer der Soziologen als Geburtshelfer für das Quartiersleben - "im Gegensatz zum klassischen Quartiersmanager, der sich auf soziale Problemfälle konzentriert, statt Impulse zu geben". Er ermuntert Bewohner zu nachbarschaftlicher Initiative und verteilt Welcome Packages wie ein Animateur im Club Med: grüne Pappmappen mit Anschreiben, ein Buch zur Geschichte des Viertels und seine Visitenkarte.
Susanne Wegener freut sich über diesen Mann, den sie "unseren Kümmerer" nennt. Vor zwei Jahren ist die 58-Jährige mit ihrem Mann in ein Baugenossenschafts-Haus gezogen, 42 Mietwohnungen, erschwinglich mit Quadratmeterpreisen von 9,50 Euro. Die Behördenangestellte ist eine jener Menschen, auf die Bruns-Berentelg zählt: "Nicht nur Senioren mit viel Zeit engagieren sich", weiß der HafenCity-Manager, "sondern Leute jenseits der 45, beruflich engagiert, sehr gut im Organisieren und Vernetzen".

Jemand wie Wegener eben, eine Frau, die Nachbarn einlädt zum monatlichen "Klönschnack" und die sich zur Vorsitzenden des "Störtebeker SV", des ersten Sportvereins des Stadtteils, hat küren lassen, obwohl sie "total unsportlich" sei. Den Verein habe übrigens der Kümmerer mit ins Leben gerufen.
Ihr Leben lang nun wohne sie in Hamburg, "doch so", sagt Wegener, "war es nirgends. Unglaublich auch, wie ernst wir mit unseren Problemen genommen werden. Aber Planer und Investoren wollen ja, dass das Quartier einen guten Ruf hat". Und so wird, wenn die Welt auf Hamburg blickt, Susanne Wegeners Wohnglück zum Standortfaktor und betreutes Wohnen à la HafenCity zur Investition. Denn das Image der HafenCity muss tadellos sein, will man Unternehmen ansiedeln.
Und wenn man Touristen will: Bis zu 70.000 Tagesbesucher sollen dereinst durch die HafenCity schlendern. Ein Maritim-Museum mit Buddelschiff-Appeal im historischen Kaispeicher B soll sie anlocken sowie der von dem Italiener Massimiliano Fuksas entworfene Kreuzfahrtterminal. Shoppen sollen sie, im Überseequartier, dessen Grundstein letztes Jahr gelegt wurde. Dort soll das "Herz der HafenCity" schlagen, eine City in der City, angebunden durch eine neue U-Bahn, mit einem flussgleich mäandernden Einkaufsboulevard, rund 400 Meter lang.
Die Shopping-Meile entwickelt ein deutsch-niederländisches Konsortium. Noch steht kein einziger Bau. Auch der Großinvestor kam nicht um Architektur-Wettbewerb und Bauauflagen herum. Angelehnt an die Speicherstadt, soll hier alles rotziegelfarben werden, Walters Körnung ist gröber hier, "Zwanziger-Jahre-Kontorblock", wie der Baudirektor sagt.
Die wichtigste Auflage aber: kein Einkaufszentrum! Denn so ein Shopping Center ist sich selbst genug, schließt sich ab von der Stadt. Doch welche Läden sollen sich hier einmieten? "Da bin ich auch gespannt", sagt Walter. "Der Einzelhandel ist ja sehr vorsichtig, der lässt sich nicht zu Prognosen hinreißen. Besonders die Kleinen, die Nicht-Ketten, warten bis zum letzten Moment."

Und so heißt es warten, bis das Herz auch wirklich zu schlagen beginnt.

Von Thorsten Dörting
Spielgel vom 24.06.08
Foto aus dem Spiegel zeigt den neuen Stadtteil

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