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Geschrieben von: LN Beitrag Sonntag, den 18. Oktober 2009 um 00:00 Uhr

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003hawestaLübeck - Keine Angst vor Rügen Fisch: Der neue Eigentümer von Hawesta will die Marke und den Standort Lübeck erhalten und weiterentwickeln.So etwas nennt man wohl Ironie der Geschichte: Im März 1990 startete Hawesta, der damals unangefochtene Lübecker Marktführer bei Fischdauerkonserven

in Deutschland, einen „Versuchsballon“ bei den VEB Fischwerken in Sassnitz auf Rügen. Weil es in Lübeck Kapazitätsengpässe gab, sollten dort Hawesta-Konserven abgefüllt werden. Auch an einer Kooperation in Form eines gemeinsamen Unternehmens mit den Rüganern war das Lübecker Familienunternehmen sehr interessiert. 19 Jahre später, fast exakt zum 100-jährigen Firmenjubiläum Hawestas in Schlutup im September, kam es genau andersherum!

Heute gehört Hawesta als Tochterunternehmen der Rügen Fisch AG in Sassnitz. Dort nämlich, so Vorstandschef Klaus Peper, gibt es derzeit Kapazitätsengpässe. Zudem war Hawesta in den letzten Jahren in schwere See geraten, Absatz und Umsatz brachen ein. Folge: Millionenverluste in der Bilanz und ein drastischer Personalabbau. Alleine hätte sich die bekannteste deutsche Fischkonservenmarke wohl nicht mehr über Wasser halten können. Hinzu kam: Ein Nachfolger aus der Familie des Gesellschafters Peter Westphal-Langloh – inzwischen 75 Jahre alt – war nicht in Sicht.

Als Retter in der immer größer werdenden Not trat die Rügen Fisch AG auf den schon länger gehegten Plan. „Wir hatten schon seit geraumer Zeit Interesse an Hawesta“, sagt Peper. „Die 100 Jahre alte, hervorragend eingeführte Marke durfte nicht verloren gehen.“ Eine feindliche Übernahme war der Kauf von Hawesta sicher nicht. „Ich kenne und schätze Peter Westphal-Langloh seit Jahren. Wir werden hier in Lübeck in seinem Sinne weiter arbeiten“, unterstreicht Peper, der das Geschäft mit dem Fisch in der ehemaligen DDR von der Pike auf gelernt hatte.

Angst vor einem rigiden Personalabbau braucht derzeit in Lübeck wohl kein Mitarbeiter zu haben. „Als wir Hawesta übernahmen, zählte das Unternehmen rund 200 Mitarbeiter. Innerhalb von zwei Wochen haben wir hier bereits zwei neue Produktionslinien aufgestellt und 23 Mitarbeiter, von denen die meisten Ende letzten Jahres gekündigt worden waren, wieder eingestellt“, sagt der Rügen-Fisch-Vorstandsvorsitzende nicht ohne ein wenig Stolz.

Man wolle den Standort erhalten und hoffentlich weiter ausbauen und die Marke Hawesta wieder zu altem Glanz führen. Überschneidungen im Sortiment von Rügen Fisch und Hawesta sieht Peper nicht. „Gegenseitig machen wir uns keine Konkurrenz. Aber wir werden jetzt sehr viel flexibler.“ Der Kurs, den Peper jetzt als Deutschlands größter Fischkonservenhersteller mit einem Jahresumsatz von mehr als 140 Millionen Euro und 460 Mitarbeitern steuert, heißt: Expansion. Bei Hawesta will Peper in neue, innovative Produkte und Anlagen investieren. Das größte Potenzial für sein gesamtes Unternehmen sieht der Vorstandschef im Export. Und Peper will auch den Chinesen Appetit auf Qualitätsfisch in Dosen machen. „Wenn jeder Chinese pro Jahr nur eine Dose kauft, brauchen wir 30 neue Werke.“

Von Gerhard Krüger
Ln-online/lokales vom 18.10.2009 00:00

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