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Geschrieben von: LN Beitrag Sonntag, den 01. November 2009 um 00:00 Uhr

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005.hawestagerettetHawesta gerettet: Tarifvertrag sichert die Zukunft in Lübeck- Hawesta in Lübeck ist langfristig gesichert: Der neue Haustarifvertrag steht. Ab 2010 gibt’s Weihnachtsgeld, die 37,5-Stunden-Woche bleibt. Aufatmen bei den 225 Mitarbeitern des Lübecker Fischkonservenherstellers Hawesta: Nachdem die Rügen Fisch AG

das Unternehmen im September übernommen hatte, ist jetzt ein Haustarifvertrag weitgehend unter Dach und Fach. Das bestätigten den LN Uwe Sandmann von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) und der Hawesta-Betriebsratsvorsitzende Andreas Zöllner.
Für beide habe während der Verhandlungen mit dem Rügen-Fisch-Vorstandschef Klaus Peper die Sicherung des Standortes und damit der Arbeitsplätze die höchste Priorität gehabt. „Das konnten wir erreichen“, sagte Sandmann. Zudem habe man das Entgeltniveau im Wesentlichen halten können.
Natürlich hätten Betriebsrat und Gewerkschaft Zugeständnisse machen müssen. „Peper ist ein knallharter, aber erfolgreicher Unternehmer“, sagte Sandmann. Die Forderung nach einer 40-Stunden-Woche habe man aber abweisen können. Es bleibe bei der 37,5-Stunden-Woche, die bereits im ausgelaufenen Sanierungstarifvertrag gegolten hatte.
Seit 2004 hatten die Mitarbeiter als Beitrag zum Überleben des schwer angeschlagenen Familienunternehmens auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten müssen. Im neuen Haustarif konnte nun ab 2010 ein einheitliches Weihnachtsgeld für alle Mitarbeiter in Höhe von 156 Euro vereinbart werden. „Sollte Hawesta in Zukunft statt jahrelanger Verluste wieder einen angemessenen Gewinn einfahren, kann der Betrag aufgestockt werden“, erläutert der Gewerkschafter.
Allerdings konnte Peper durchsetzen, dass der Urlaubsanspruch um drei Tage auf 27 Tage im Jahr zusammengestrichen wird. Aber: Es wird einen Einstieg in ein Urlaubsgeld geben. Pro Tag sechs Euro, macht 162 Euro.
Beim Stundenverdienst konnte das bisherige Niveau, das bei Hawesta im westdeutschen Branchenvergleich recht hoch war, gehalten werden. Inklusive einer Leistungsprämie, die sich am Dosenausstoß bemisst, werden als Mindestlohn 9,20 Euro gezahlt. Zum Vergleich: Bei Rügen Fisch in Sassnitz werden in der untersten Lohngruppe 6,50 Euro bezahlt, in der obersten acht Euro.
Betriebsrat und Gewerkschaft sind überzeugt, dass Rügen Fisch ernsthaft an der Zukunft Hawestas, das der Familie Westphal-Langloh gehört hatte, interessiert ist. „Sonst würde Peper nicht Millioneninvestitionen am Standort Lübeck planen“, sagt Sandmann. Bisher habe der neue Gesellschafter stets Wort gehalten. „Rügen Fisch holte die Produktion aus Sassnitz nach Lübeck und konnte so bereits 25 neue Mitarbeiter einstellen.“
Einer von ihnen ist der neue Werkleiter, Hans Moczarski. Er kennt sich im Fischkonservengeschäft bestens aus, war jahrelang Geschäftsführer bei Heymann (Marke Heyco) in Lübeck, bis das Unternehmen von Hawesta geschluckt wurde. Peper, der Moczarski seit vielen Jahren kennt und schätzt, konnte den 68-Jährigen bewegen, seinen Ruhestand nach viereinhalb Jahren abzubrechen und noch einmal ins Geschirr zu gehen.
Betriebsratschef Zöllner zeigte sich froh, dass die Zeit der Ungewissheit und des langjährigen Missmanagements endlich zu Ende sei. „Der Wasserkopf ist weg. Wir können jetzt getrost in die Zukunft blicken.“ Wäre Rügen Fisch nicht eingestiegen, wäre Hawesta in Schlutup den Bach heruntergegangen, eine Insolvenz unvermeidlich gewesen. Am einstigen Marktführer Deutschlands bei Fischdauerkonserven hatte nicht nur Rügen Fisch Interesse – sondern auch Appel, Konkurrent aus Cuxhaven. „Die wollten nur die Marke. Das Werk in Schlutup wäre geschlossen worden“, weiß Sandmann. Diese Absicht habe Rügen Fisch glücklicherweise durchkreuzt.

Von Gerhard Krüger
ln-online/lokales vom 01.11.2009 10:29

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