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Geschrieben von: LN Beitrag Donnerstag, den 12. November 2009 um 00:00 Uhr

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ikea_kuecknitz_ln– ohne Wenn und Aber.Der Kücknitzer an sich ist eine ehrliche Haut. Er kommt in Scharen und nimmt kein Blatt vor den Mund. „Ich fürchte, dass eine Handvoll Kaufleute in dieser Stadt bestimmen will, wer womit handelt“, ist Joachim Jänke erzürnt. Er bringt auf dem Punkt, was die meisten der 250 Menschen

im Gemeinschaftshaus Rangenberg in Kücknitz umtreibt. Eingeladen hat die SPD Trave Nord zur Ikea-Debatte.
„Die sollen die Innenstadt attraktiver machen und nicht Ikea in Dänischburg verhindern“, wettert Dieter Morawski. Für die Sorgen des Einzelhandels in der Altstadt haben die Kücknitzer kein Verständnis. Die Kaufleute fürchten das skandinavische Center, welches Ikea zusätzlich zum Einrichtungshaus plant. Denn dort sollen Waren angeboten werden, die es auch in der City zu kaufen gibt.
Der Unmut über die „Pfeffersäcke und Lobbyisten“, wie einer sagt, ist groß, und der Vertreter des Lübeck-Managements, Jörn Hafferberg, hat es an diesem Abend schwer. „Die Altstadt wird nach und nach ausbluten. 2012 wird sich ein Ein- Euro-Shop an den anderen reihen“, ruft er aus dem Publikum.
Doch das sehen die Menschen nördlich der Trave völlig anders. „Als Citti im Gewerbegebiet expandieren wollte, hat es ebensolche Befürchtungen gegeben“, erinnert sich Ex-Senator Ulrich Meyenborg (SPD). „Und was ist passiert? Die Innenstadt hat davon profitiert“, ist das Resümee des Dänischburgers. „Leute, die zu Karstadt gehen wollen, gehen zu Karstadt – und andere, die zu Ikea gehen wollen, gehen zu Ikea“, ist die Auffassung von Anita Burmeister-Albrecht.
Das Votum der Leute im rappelvollen Saal ist eindeutig: „Wir wollen Ikea.“ Da gibt es kein Wenn und Aber. Doch die Wunde, an der dieser Stadtteil leidet, ist tief. Nicht Ikea, nicht die Sorgen der Kaufleute um weniger Umsatz sind die Probleme der Kücknitzer. Sondern die Menschen kämpfen um ihre Existenz, haben das Aus von Flender, den Hochhöfen und Villeroy & Boch erlebt und nicht verwunden. Kein Wunder, die Narben des Niedergangs der Industrialisierung sind immer noch sichtbar im Stadtteil. Ende des Monats schließt das Sanitärwerk von Villeroy & Boch, und Hunderte Beschäftigte verlieren ihre Arbeit. Peter Delwing, der das „House of Living“ von Villeroy & Boch vorstellt, hat einen schweren Stand. Er muss sich die Wut der Kücknitzer anhören. „Wir nehmen der Region etwas weg, wir wollen aber etwas zurückgeben“, versucht er, die Gemüter zu beruhigen.
Doch das Neue ist noch nicht da, aber in der Veranstaltung zumindest schon in Gestalt von Johannes Ferber anwesend, dem stellvertretenden Geschäftsführer der Ikea-Verwaltungs GmbH, und Projektleiterin Nicole Erdmann. Ikea will in Dänischburg 120 Millionen Euro investieren, 400 Arbeitsplätze schaffen, seine Gewerbesteuer vor Ort zahlen und bis zu drei Millionen Besucher jährlich anlocken. Im Herbst 2012 soll die Eröffnung sein.
„Wir haben uns ein besonderes Konzept überlegt“, sagt Ferber. Auf der ehemaligen Fliesenproduktion von Villeroy & Boch soll eine skandinavische Einkaufsstadt entstehen – mit Ikea, mit dem „House of Living“ und mit dem skandinavischen Center. „So etwas gibt es bislang nirgendwo anders.“ Es soll außerdem Freiflächen am Wasser geben, auf denen man Outdoorkleidung und Ausrüstung testen kann.
Außerdem will Ikea nicht nur mit Auto, Rad, Bus und Bahn – sondern auch vom Wasser aus erreichbar sein. Der Möbelriese will ein Grundstück von Villeroy & Boch kaufen, das bereits einen kleinen Löschsteg hat. Erdmanns Idee: ein Anlegesteg für Ausflugsschiffe. Ob das Vorhaben verwirklicht werden kann, ist unklar. Denn auf der gegenüberliegenden Seite ist ein Vogelschutzgebiet. Erdmann: „Aber wir versuchen das.“
Die gesamte Verkehrsanbindung sei für Ikea optimal, denn auch die Schienen führen an der neuen Einkaufsstadt vorbei. „Wir wollen einen Bahnhaltepunkt auf unserem Gelände realisieren“, so Ferber. Eine Buslinie führt ebenfalls zum Areal, die Autobahn 226 sowieso. Meyenborg: „Wir können uns freuen. Die Situation in Dänischburg kann nur besser werden.“


Von Josephine von Zastrow
Lübeck - Ikea-Debatte in Dänischburg: 250 Kücknitzer kritisieren die Lübecker Kaufleute. Sie wollen das Einrichtungshaus unbedingt haben.
ln-online/lokales vom 12.11.2009 00:00

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