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Geschrieben von: LN Beitrag Donnerstag, den 26. November 2009 um 00:00 Uhr

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kittner_ist_ gerettet- Riesenjubel bei den 1250 Mitarbeitern der Lübecker Autohandelsgruppe Kittner: Das Unternehmen ist gerettet, die zwölf Banken haben gestern in Kiel in allerletzter Minute einem Sanierungskonzept zugestimmt. Wie das Unternehmen mitteilte, müssen die Verhandlungsergebnisse bis heute Mittag noch in den

Bankgremien formal bestätigt werden.
„Es geht weiter“, teilte Kittner-Geschäftsführer Wolfgang Mehte den gut 250 Mitarbeitern gestern Abend im Foyer des Kieler Wirtschaftsministeriums mit. Daraufhin brach ein riesiger Jubel aus. Die Kittner-Belegschaft hatte sich gestern kurzfristig dazu entschlossen, die Verhandlungsrunde mit den Banken mit einer Demonstration für den Erhalt des Unternehmens und damit ihrer Arbeitsplätze zu begleiten. „Alle haben sich bewegt“, sagte Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Jost de Jager (CDU), der die finale Rettungsrunde in seinem Ministerium begleitet hatte. „Damit hat Kittner wieder eine Zukunft“, freute er sich über den Verhandlungserfolg.„Eine sehr schöne, erfreuliche Nachricht für Lübeck. Ein Traditionsunternehmen ist gerettet! Darüber freue ich mich sehr“, sagte Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Der Sozialexperte und Lübecker SPD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Baasch sagte: „Die Banken tun endlich das, was ihre Aufgabe ist: Unternehmen mit finanziellen Mitteln zu unterstützen, damit diese Arbeitsplätze sichern.“
Es sei bedauerlich, dass es im Fall Kittner einer solchen Hängepartie bedurft habe. „Gut, dass man sich jetzt im Interesse des Unternehmens und seiner Mitarbeiter doch noch verständigt hat.“ Damit habe sich der Einsatz der Kittner-Mitarbeiter letztlich gelohnt, „nicht nur die Demo, sondern auch die Vorleistungen im Sanierungstarifvertrag“. Auch Wolfgang Pötschke, Vorstandsvorsitzender der an der Sanierung beteiligten Sparkasse zu Lübeck, begrüßte, dass eine Insolvenz vermieden werden konnte.
„Bei der Belegschaft herrscht absolute Erleichterung“, sagte Björn Schlicht, stellvertretender Vorsitzender des Gremien-Betriebsrates. Von den Mitarbeitern werden allerdings ebenfalls Sanierungsbeiträge wie etwa der weitere Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld erwartet. „Darüber werden wir verhandeln“, sagte Nils Bolwig von der IG Metall Lübeck. Die Kittner-Gruppe mit 30 Standorten in Norddeutschland stand kurz vor der Insolvenz, weil die Banken keine weiteren Kredite einräumen wollten. Das Sanierungskonzept Mehtes, das jetzt zum Zuge kommt, sieht vor, die BMW-Standorte Bad Oldesloe und Eckernförde zu schließen. Auch einige VW-Autohäuser werden auf den Prüfstand kommen, hatte Kittner-Geschäftsführer Mehte gegenüber den LN angekündigt.

Von Gerhard Krüger und Curd Tönnemann
ln-online/lokales vom 26.11.2009 18:18
Gute Nachricht für Kittner aus Kiel: Die Banken haben sich geeinigt. Foto: Wolfgang Maxwitat


Kommentar: Wunder von Kiel
Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagten viele Kittner-Mitarbeiter. Sie hatten die Hoffnung nicht aufgegeben, dass ihr Unternehmen, für dessen Erhalt sie schon erhebliche Opfer gebracht hatten, in allerletzter Minute doch noch gerettet werden könnte. Deshalb hatten sie sich gestern nach Kiel aufgemacht, wo die Bankenrunde und das Kittner-Management um ein Zukunftskonzept gerungen haben.

Das stundenlange Ausharren in Regen und Kälte, das gemeinsame Eintreten der Beschäftigten für die Fortführung ihres Unternehmens – es wurde durch das Wunder von Kiel belohnt. Das Einlenken der Kittner-Banken belehrt die Skeptiker eines Besseren. Das Lübecker Traditionsunternehmen bekommt eine zweite Chance. Der Sanierer und Kittner-Geschäftsführer Wolfgang Mehte hat sein Geld wirklich verdient. Es geht weiter. Das ist die befreiende Botschaft für die 1250 Mitarbeiter. Ein Zuckerschlecken wird der Sanierungskurs nicht. Weitere Standorte werden schließen müssen – damit das Unternehmen als Ganzes überleben kann. Und das ist das Entscheidende.
Von Gerhard Krüger

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