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Geschrieben von: LN Beitrag Freitag, den 16. Oktober 2009 um 00:00 Uhr

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03.tuerkeninluebeck„Auch wir sind Lübeck“: Das ist die Botschaft eines Projekts, an dem eine Gruppe türkischstämmiger Jugendlicher arbeitet. Sie machen sich stark gegen Ausgrenzung.Sie sind hier geboren, sie sind in Lübeck aufgewachsen, sie gehen hier zu Schule, haben ihre Freunde hier, kennen keine andere Heimat als Lübeck

und die Türkei bestenfalls aus dem Urlaub. Und doch fühlen sie sich zuweilen fremd in ihrer eigenen Stadt. Eine Gruppe türkischstämmiger Jugendlicher möchte gegen die tägliche Ausgrenzung, mit der sie sich konfrontiert sieht, aufbegehren. Die Botschaft: „Auch wir sind Lübeck!“

Die Initiative ist nicht eben so oder aus einer flüchtigen Laune heraus entstanden. Fragt man Arda, Ibrahim, Eser, Sercan, Samet und Tamer nach ihren Motiven, dann wird schnell deutlich, dass das Leben in Lübeck ein anderes ist, wenn man dunkles Haar und dunkle Augen hat. Ausgrenzung, wenn auch zum Teil unterschwellig, ist für sie an der Tagesordnung. „Das große Problem ist, dass wir alle über einen Kamm geschoren werden“, sagt der 18-jährige Auszubildende Ibrahim. Gewiss gebe es Jugendliche, die durch Straftaten auffallen. „Aber dadurch kann man doch nicht auf uns alle schließen.“

Sie alle sehen ganz harmlos aus, normale Jugendliche eben. Aber doch erleben sie es nicht selten, dass andere die Straßenseite wechseln, wenn sie ihnen in der Stadt entgegenkommen. „Die Leute denken immer, wir machen irgendwas“, wirft der 18-jährige Samet ein. An der Disco sei das kaum anders. Ist er mit seinen deutschen Freunden unterwegs, ist er der einzige, der nicht von den Türstehern eingelassen wird – und wenn dann erst nach langer, unerfreulicher Diskussion. „Du machst doch eh nur Ärger.“ Ein Satz, den Samet und seine Freunde oft zu hören bekommen.

Mit einer Broschüre wollen die Jugendlichen ihr wichtiges Anliegen jetzt in die Öffentlichkeit tragen, zeigen, dass sie keine Fremden sind, sondern ein Teil dieser Stadt – und auch so behandelt werden wollen. Geplant für die Broschüre ist unter anderem, bekannte Lübecker Orte aus ihrer Sicht vorzustellen. „Das heißt, wir wollen die Stadt einmal aus unserer Perspektive zeigen“, sagt Sercan (17). Vor allem gehe es in dem Projekt aber darum, der Stadt die Hand entgegenzustrecken. Und vielleicht ein bisschen zu zeigen, dass man sich nicht so sehr von anderen Lübeckern unterscheidet, bloß weil die Eltern aus einem anderen Land stammen.

Von Oliver Vogt
LN vom 16.10.09

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