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Geschrieben von: LN Beitrag Sonntag, den 01. März 2009 um 00:00 Uhr

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04.widerstandLübeck - Wohin steuert die Nordkirche? Klappt die Fusion? Nach einem Treffen der Synodalen der drei Landeskirchen im Lübecker Dom sind diese Fragen offener denn je. Aber auch die Fusionskritiker sind zerstritten.Das Zustandekommen des Fusionsvertrages zur Nordkirche bleibt auch nach dem Treffen der

Synodalen aus Nordelbien, Pommern und Mecklenburg eine ungewisse Angelegenheit. Zwar wurden intensiv Argumente ausgetauscht. Es scheint aber so, dass weder Nordkirchen-Skeptiker noch Befürworter von ihrer Haltung abrücken werden. Die Fronten sind verhärtet.

Thomas Baum, der stellvertretende Präsident der nordelbischen Synode, sieht die Chancen, dass die Synodalen am 28. März dem Vertragsentwurf zustimmen derzeit bei „50 zu 50“. „Es gibt innerhalb der Synode Widerstände aus Hamburg und Lübeck“, räumte Baum ein. Da gelte es, Überzeugungsarbeit zu leisten. Ebenso unsicher bleibt die Lage in den Landessynoden von Mecklenburg und Pommern, die zeitgleich am 28. März über den Vertrag abstimmen werden. Sollte in einer der Synoden nicht die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit zustande kommen, wäre der Fusionsvertrag gescheitert. Ein Plan B für ein solches Szenario liegt nicht in der Schublade. „In diesem Fall wäre es aber wichtig, dass wir auf dem gemeinsamen Weg bleiben“, so Maria Jepsen, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck. Amtskollege Bischof Gerhard Ulrich zeigte sich indes zuversichtlich, dass es gelingen werde, „die Synodalen von dem gemeinsamen Weg zu überzeugen“. Der Spannungsbogen, räumte er ein, halte aber auf recht hohem Niveau an.

Obwohl sich die Bischöfe und Synodenpräsidenten um eine Einheitsrhetorik bemühten und das Thema Nordkirche mehr von seiner emotionalen denn von seiner praktischen Seite diskutiert wurde, scheinen große Teile der Basis einen gemeinsamen Weg überhaupt nicht gehen zu wollen. Zeitgleich zur Versammlung im Dom fand in Andreas-Wilms-Haus ein Treffen der Kritiker aus allen drei Landeskirchen statt. Einigkeit herrscht zwar in der Sache, dass der Fusionsvertrag in seiner derzeitigen Form nicht akzeptabel sei, die Argumente dagegen sind jedoch höchst unterschiedlich. Während die Vertreter Nordelbiens vor allem die Trennung von Kirchenamt und Landesbischof kritisieren, fürchten die Mecklenburger eine Entmündigung. In der gemeinsamen Nordkirchen-Synode wären sie nur mit elf von 156 Stimmen vertreten. Die pommerschen Kritiker befürchten dagegen, den Anschluss zu den Kirchen der Evangelischen Union zu verlieren, denn im Gegensatz zu den beiden anderen Landeskirchen gehört die Pommersche nicht zur Evangelisch-Lutherischen Kirche.

Auf einen gemeinsamen Nenner kamen die Skeptiker nicht. „Es hat sich leider gezeigt, dass selbst unter den kritischen Vertretern der einzelnen Kirchen noch ein tiefes Misstrauen herrscht“, sagte Hilmar Baumgarten, Vorsitzender des fusionskritischen „Forum Landeskirche“ aus Schwerin. „Und ich befürchte, dass das auch in der Pastorenschaft und unter den Gemeindegliedern der drei Landeskirchen nicht viel anders sein wird.“

Von Lübeck als Hauptstadt der Nordkirche redet aber schon längst niemand mehr. „Wer jetzt noch für Lübeck argumentiert, wird ausgelacht“, zog Aegidien-Pastor Frank Lotichius bittere Bilanz. Die Kritik an der Nordkirche sei viel grundsätzlicherer Natur.

Überraschend kritisch zum Fusionsvertrag äußerte sich auch Bischöfin Maria Jepsen: „Ich kann die Freude derzeit noch nicht ganz teilen“, merkte sie an. „Für mich bleiben noch viele Fragen, die ich noch hoffe, beantwortet zu bekommen.“ Sie sei in Sorge, dass Hamburg in der neuen Nordkirche ein bisschen zu weit draußen stehe. „Wir kommen als Landeshauptstadt überhaupt nicht vor.“ Und auch Lübeck habe einen Verlust hinnehmen müssen, „der bestimmt nicht leicht zu schlucken ist“.

Von Oliver Vogt
01/03/09

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