Diese Website empfehlen:

letzte Kommentare

RSS

Geschrieben von: LN Beitrag Mittwoch, den 04. November 2009 um 00:00 Uhr

Benutzerbewertung: / 0
SchwachPerfekt 

04.kurparksee_lnKein Geld: Bad Schwartau - Weil er zu verlanden droht, braucht der See im Kurpark Hilfe. Was seit langem versäumt wurde, nämlich Maßnahmen gegen die enorme Schlammbildung am Seegrund, soll nun endlich angepackt werden, wenn auch nur in einem ersten kleinen Schritt.Dem Patienten geht es gar nicht gut.

Seit Jahren schon kränkelt er. Eigentlich wäre wirkungsvolle Hilfe möglich, nötig ist sie sowieso. Doch die so dringende Kur, die zur völligen Gesundung führen könnte, wird dem See immer noch verwehrt – weil’s ziemlich teuer werden könnte.
Für Stefan Greuner-Pönicke droht das Gewässer zur unendlichen Geschichte zu werden. Der Kieler Biologe und Gutachter hatte der Stadt schon im Jahr 2000 das Handeln ans Herz gelegt. „Die Qualität des Wassers ist besser als befürchtet“, urteilte er damals in einem biologischen Gutachten, „doch damit die am Boden lagernde Schlammschicht nicht noch größer wird, empfehle ich eine Teilentschlammung.“ Was aber bis heute unterblieb, der hohen Kosten wegen.
Seitdem ist die bis zu eineinhalb Meter starke Schlammschicht noch dicker geworden, vermutlich knappe 20 Zentimeter wuchs sie in die Höhe. Jährlich nämlich nehme sie um rund zwei Zentimeter zu, hatte Greuner-Pönicke vor neun Jahren prognostiziert. Ursprüngliche Vermutungen der Angler, dass auf dem Seegrund rund 50 000 Kubikmeter Schlamm als Sedimentablagerung ruhten, korrigierte er. Auf rund 20 000 Kubikmeter schätzt sein Büro das Schlamm-Volumen. Letztmals wurde der See vor rund 40 Jahren entschlammt.
Als der Kieler Fachmann nun im Bad Schwartauer Umweltausschuss erneut vortrug, erinnerte er an sein schon zu Beginn des neues Jahrtausends gemaltes Szenario: „Wenn nichts Wirkungsvolles geschieht, wird der See bis zum Jahr 2030, spätestens 2040 zu einem Niedermoor verlanden, in dem dann Röhriche und Weidengeflechte statt Wasser zu sehen sind.“ Greuner-Pönicke drängt den Ausschuss nicht, er zeigt auch diesmal Lösungswege auf. Er lässt aber auch keinen Zweifel daran, dass bald etwa geschehen muss.
Drei Varianten zur Problemlösung hat er zu bieten:

Variante 1: Nassentschlammung und Abtransport des nicht belasteten Sediments auf Äcker; sie würde von einem Ponton aus erfolgen; allerdings wäre die so geborgene und abzutransportierende Menge größer, als wenn man den Schlamm vor Ort lagern und trocknen lassen würde; Dauer: etwa drei Monate: Trockenentschlammung; Kosten: rund 500 000 Euro

Variante 2: Nassentschlammung mit Lagerung und aufwändiger Entwässerung vor Ort; dadurch geringere Abfuhrmenge, aber deutlich längere Beeinträchtigungen im Kurpark; Kosten: 940 000 Euro.

Variante 3: Belüftung des Sees; dadurch würde eine geringe Reduzierung der Schlammmengen durch Oxidation des organischen Anteils im Sediments erreicht – der Schlamm sackt etwas ab, wird fester, verleichbar einem Komposthaufen, aber er verschwindet nicht; Kosten: 60 000 Euro.

Eine Trockenentschlammung, bei der das Wasser im See abgelassen würde, erscheint unrealistisch – die Bagger würden im moorigen Untergrund versinken.
Greuner-Pönicke empfiehlt der Stadt die Variante 1 der Nassentschlammung. Doch der Ausschuss zögert wegen der hohen Kosten, er entscheidet sich schließlich für Variante 3, die billigste Lösung. 60 000 Euro sollen im Haushalt 2010 bereitgestellt werden, allerdings versehen mit einem Sperrvermerk.
Außerdem will man sich an einem Referenzvorhaben in Rendsburg informieren. Allerdings, darauf verwies der Gutachter nachdrücklich: „Es ist nicht sicher, dass die Sackung der Sedimentschicht größer als der jährliche Zuwachs ist.“ Der Anbieter der Belüftungstechnik, bestätigte auch Baudirektor Friedhelm Freiling, gebe keine Garantie, inwieweit die Schlammschicht durch die Belüftung tatsächlich abgebaut werde.

Von Lothar Braun
Ln-online/lokales vom 04.11.2009 00:00
Foto: Die herbstliche Stimmung über dem Kurparksee täuscht über das Problem unterhalb der Wasseroberfläche hinweg. Dort lagern mehr als 20 000 Kubikmeter Schlamm. Foto: Braun

Banner