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Geschrieben von: LN Beitrag Montag, den 28. September 2009 um 00:00 Uhr

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07blackprinceDer Kreuzfahrer "Black Prince" legte zum letzten Mal in Lübeck an. Heimatlichen Boden betraten gestern 40 ehemalige Flender-Mitarbeiter: ein Schiff, das sie vor mehr als 40 Jahren gebaut haben. Der Kreuzfahrer „Black Prince“, 1966 auf der Flender Werft entstanden, lag gestern einen Tag lang am Ostpreußenkai.

Die britische Fred Olsen Cruise Line hatte die ehemalige Flenderaner samt Ehepartnern eingeladen. Sie durften von „ihrem“ Schiff Abschied nehmen. Denn der in die Jahre gekommene Kreuzfahrer sollte eigentlich anschließend in Pakistan abgewrackt werden. Irgendwie müssen sich diese Pläne geändert haben. Denn beim Empfang im Audienzsaal teilte der norwegische Kapitän des Kreuzfahrtschiffes, Asmund Nilsen, eher beiläufig mit, dass die „Black Prince“ nach Venezuela verkauft wurde. Trotzdem war es ein Abschied. Das knapp 144 Meter lange Schiff, das fünf Millionen Nautische Meilen bewältigte und insgesamt 630 000 Passagiere über die Weltmeere schipperte, wird niemals mehr einen deutschen Hafen anlaufen.

Bei der Begrüßung im Audienzsaal lobt Bürgermeister Bernd Saxe die „schöne Geste“ der Reederei, den Schiffsbauern von Flender ein letztes Wiedersehen mit der „Black Prince“ zu ermöglichen. Den Niedergang des Schiffsbaus in Lübeck mit dem Aus der Flender Werft im Jahr 2002 nennt er eine „traurige Situation“. Und er fügt hinzu: „Das muss nicht so bleiben.“

Mit nachdenklichen und fachkundigen Blicken gehen die Flenderaner am Mittag in Travemünde an Bord des Schiffes. „Das sieht ja noch richtig gut aus“, sagt einer von ihnen, während er über die Gangway schreitet. Drinnen ist es schummrig. Die „Black Prince“ zeigt sich nicht im protzigen Lichterglanz moderner Kreuzfahrer, sondern gediegen und ein wenig abgenutzt.

Rund um eine kleine Tanzfläche sitzen die Flenderaner auf weichen Sofas vor kleinen Tischen. Otto Kapanke (71) und Paul Przywara (80) rütteln an so einem Tisch. Doch der rührt sich nicht. „Die Tische haben wir gebaut,“ sagen die beiden Tischler stolz, die 43 Jahre lang auf der Flender Werft arbeiteten. Kapanke: „Das Schiff war in guten Händen. Und außerdem ist es gut gebaut worden.“ Sigurd Krause, der sein Alter mit 84,7 angibt, deutet auf den „tadellosen Zustand“ der Treppen des Kreuzfahrers. „Alle Innentreppen auf diesem Schiff sind durch meine Hände gegangen“, betont der ehemalige Schlosser, der 30 Jahre auf der Werft schuftete.

In trauter Zweisamkeit nippen Gertraude Voß (79) und ihr Mann Hans-Ulrich (89) an einem Sektglas. Der 89-jährige Schiffbauer kennt die „Black Prince“ nur als Rohling. Nach 43 Jahren sieht er erstmals, wie sein Schiff verkleidet aussieht. „Schön ist es“, sagt er leise. Harald Schultz (76) zeigt Bilder vom Stapellauf. Auch der Diplom-Ingenieur freut sich, dass er die „Black Prince“ noch einmal sehen darf, lobt den „gepflegten Zustand“. Bei Flender hat er an 164 Schiffsneubauten mitgewirkt und an acht Umbauten. Dass es Flender nicht mehr gibt, kann er bis heute nicht verstehen.

Von Torsten Teichmann
LN vom 28/-9/-9

Foto:40 Flenderaner nahmen Abschied von „ihrem“ Schiff Die „Black Prince“ lag gestern für einen Tag am Ostpreußenkai.
Das Schiff kam aus Kopenhagen. Nächster Hafen ist Rotterdam. Foto: ULF-KERSTEN NEELSEN

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