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Geschrieben von: LN Beitrag Sonntag, den 25. Oktober 2009 um 00:00 Uhr

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15.25.10.09Lübeck- Seit zehn Jahren existiert die Genossenschaft „Landwege“: eine Lübecker Erfolgsgeschichte für Produzenten und Verbraucher. Wacker trotzt Petra Katharina Panthel an ihrem kleinen Kräuter- und Gemüsestand in der Hüxstraße der Kälte. Die Nasenspitze der diplomierten Gartenbau-Ingenieurin leuchtet

rot wie eine Tomate. Immer freitags geht sie unter die Leute. Die Fachfrau von der Gärtnerei Gut Bliestorf, einem der 25 Betriebe, die für die zehn Jahre alt gewordene Erzeuger-Genossenschaft „Landwege“ (EVG) arbeitet und liefert, ist voller Hingabe. „Wir sind eine große Familie“, sagt sie.
„Unser Ziel: Die Erde dauerhaft fruchtbar zu machen – für ein gesundes Leben in einer intakten Natur“. Dabei setzen die Betriebe auf Kommunikation. „Wir helfen uns gegenseitig, wo wir können“, so Panthel. Auf Bauernversammlungen werde abgesprochen, wer was liefert. Erste Bio-Gehversuche gab es in Lübeck schon vor über 20 Jahren.
Die Idee, den Anbau gesunder Bioprodukte in und um Lübeck zu fördern, leben heute 25 Höfe, 70 Mitarbeiter und 450 Mitglieder – Tendenz steigend. Die Mitglieder, das sind Erzeuger, Verbraucher und Mitarbeiter. Kurze Wege, viele persönliche Kontakte. „Wir arbeiten an einem unabhängigen, transparenten und solidarischen Erzeuger- und Vermarktungssystem“, so Margrit Kröger und Klaus Lorenzen vom EVG-Vorstand. Inzwischen bieten die Landwege-Märkte in der Kanalstraße, am Heiligen-Geist-Kamp und am Brink ein umfangreiches Vollsortiment. Unter anderem nahezu 100 Sorten Brot, mehr als 120 Käsesorten, etwa 150 Weine, gekennzeichnetes, glutenfreies Sortiment für Allergiker, Artikel für Veganer und Vegetarier.
Ein Mann der ersten Landwege-Stunde ist Carsten-Peter Schwartz. Der Bäckermeister aus dem Lübecker Freibackhaus: „Es war eine aufregende Zeit – es gab ja noch nichts“. Eigens zu Ehren des EVG-Jubiläums hat er ein Brot kreiert. Kranzförmig soll es die EVG-Verbundenheit versinnbildlichen. Florian Gleißner ist Pächter auf der Domäne Fredeburg.
160 Hektar groß ist das Anwesen, auf dem unter anderem 30 Kühe und 40 Mastschweine gehalten werden. Natürlich ist auch die Schadstoffbekämpfung für ihn ein Thema. Bei den Kartoffeln schaffe das Vorkeimen einen Wachstumsvorsprung, der kaum noch Raum für Schädlinge ließe. Oder es würden Schlupf-Wespen eingesetzt, um Schädlinge zu bekämpfen. Günter Sabring von der Hofgemeinschaft Gut Rothenhausen baut die „sehr robusten“ Apfelsorten Holsteiner Cox und Finkenwerder Herbstprinz an. Obstsorten, die schädlingsresistent seien. „Der Einsatz kupferhaltiger Spritzmittel kommt für uns nicht in Frage“, betonen Gleißner und Sabring.
Zu dem kürzlich ausgestrahlten Beitrag des NDR-Magazins „Panorama“, wonach Bio-Bauern Kupfer spritzten, sagt Kröger: „Niemand hat ein Interesse, die Böden mit Kupfer zu belasten“. Stetig werde nach neuen, schädlings- und pilzresistenten Obstsorten geforscht. „Das macht die Idee auch so spannend.“
Und: Der Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide sei im Biolandbau verboten. Ohne Kupfer kommt die Branche dennoch nicht aus: „Seit 150 Jahren wird Kupfer im europäischen Weinbau zur Abwehr des Peronospora Pilzes eingesetzt. Mit behutsam dosierten Kupfer wird ein Schutzfilm auf der Rebe geschaffen, um ein Eindringen der Pilzsporen zu verhindern“, sagt Wilfried Jacobus vom Demeter-Weingut Fuchs-Jacobus. Obwohl über Kupfer diskutiert und nach Alternativen gesucht werde, gebe es im Öko-Weinbau „derzeit keine Alternative“.

Von Rüdiger Jacob
Ln-online/lokales vom 25.10.2009 00:00:08
Foto:Das ist er, der Lauenburger Hartkäse, der in der Domäne Fredeburg für Landwege Lübeck produziert wird. Florian Gleißner präsentiert das Prachtstück.

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