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Geschrieben von: LN Beitrag Samstag, den 26. September 2009 um 00:00 Uhr

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08lohmuehle_versuchsLübeck – Fußballer Marcel Grunert hat sein Hobby in die Ausbildung eingebracht: Der künftige Architekt entwarf eine „moderne“ Lohmühle. Rundgang im Lohmühlenstadion. Der junge Mann mit dem Helm auf dem Kopf und VfB-Fanschal um den Hals rollt ein riesiges Plakat am Mittelkreis aus.„So könnte die

08.1.lohmuehleLohmühle vielleicht einmal aussehen“, sagt er und zeigt auf die imposante Grafik. Sein Blick kreist durch den Stadioninnenraum, die Augen leuchten dabei aufgeregt. Marcel Grunert, in seinem Leben als Amateurfußballer Kapitän des TSV Lensahn in der Verbandsliga Süd-Ost, studiert Architektur in Lübeck. Als er sich vor einigen Monaten auf ein Thema für seine Bachelorarbeit festlegen musste, da lag ihm als Kicker, Fan und Wahl-Lübecker die Lohmühle am Herzen. „Die Themenvorschläge sagten mir allesamt nicht zu. Daher suchte ich mir ein eigenes.“ Professor Jürgen Rosenfeldt unterstützte das Projekt des 27-Jährigen. Heraus kam ein komplexer Entwurf nicht nur einer neuen Arena, sondern auch des gesamten Lohmühlen-Umfeldes inklusive Trainingsgelände sowie modifizierter Verkehrsanbindung mit Parkplätzen.

Drei Monate lang tüftelte Grunert an „seiner Lohmühle“, befragte sogar 100 VfB- Anhänger nach Kritikpunkten und Wünschen, denn die Arbeit „sollte so realistisch wie möglich werden“. Daher handelt es sich nicht um ein 100 000-Zuschauer-Fantasie-Gebilde, sondern um ein Stadion mit einer realistischen Kapazität für 35 000 Zuschauer.

Auch VfB-Präsident Wolfgang Piest durfte einen Blick auf den Entwurf werfen. Sein Eindruck: „Das sieht sehr gelungen aus. Aber ein Projekt wie dieses kann in Lübeck nur mit externen Investoren gestemmt werden.“

Der Blick schweift. „Wenn ich mich hier umsehe, dann ist vieles nicht mehr zeitgemäß“, sagt Grunert. „Nicht einmal die Haupttribüne ist optimal, weil das Sichtfeld von vielen Plätzen nur eingeschränkt ist.“ Der beinharte Verteidiger, der in Lensahn fürs „Grobe“ zuständig ist, hat für seine Bachelor-Arbeit viel Liebe fürs Detail eingebracht. „Das Stadion war nur ein Aspekt. Wichtig war mir das Ganze“, erläutert der 27-Jährige. Neu entworfen hat er das Vereinsheim, die Kabinen, die vier abgesenkten Trainingsplätze (mit Stehtraversen) hinter der heutigen Haupttribüne, den Fanshop, den neuen Vorplatz am Stadion hinter der VfB-Fankurve, die neuen Parkplätze (beim Vorplatz). Auch die Gäste wurden in der „Theorie“ bedacht, würden auf der Gegenseite der Grün-Weißen ohne „Feindkontakt“ zum Stadion geleitet werden. Und damit auch im Winter der Spielbetrieb gesichert ist, würde es eine Rasenheizung geben.

Dennoch soll der Wiedererkennungswert gewahrt werden. Grunert skizziert: „Die VfB-Fans bleiben in ihrer angestammten Kurve. Natürlich wird das Stadion auch in Grün angestrahlt. Die Dachkonstruktion besteht aus transparenten Polycarbonatplatten, die das Tageslicht optimal auf den Rasen durchscheinen lassen.“ Denn Farben seien bedeutsam. Der Borussia-Dortmund-Fan weiß das: „Als Borusse würde ich ja auch nie bei der Aral tanken, weil das Schalker Königsblau gar nicht geht.“

Wie realistisch ist die Umsetzung eines solchen Projektes aus seiner Sicht? „Ohne Investoren geht da wenig. Aber eine Stadt wie Lübeck wird mal wieder in die Zweite Bundesliga aufsteigen. Dann könnte eine solche Arena Wirklichkeit werden.“

Vergleichbare Stadien dieser Größenordnung wurden in Deutschland übrigens bereits gebaut. Wie der neue Aachener Tivoli. Kostenpunkt dort: 50 Millionen Euro. Grunert sagt: „Die Größe des Stadions als auch der Stadt ist mit Lübeck und meinem Entwurf vergleichbar.“

Was in Aachen in diesem Sommer in die Praxis erfolgreich umgesetzt wurde, bleibt in Lübeck (vorerst) Theorie, allerdings eine, die von Professor Rosenfeldt mit 1,3 bewertet wurde.

Von Peter Mantik
LN vom 26/09/09
Foto: Die neue Lohmühle in der Theorie entworfen von Architektur-Student Marcel Grunert. Fotos: MANTIK

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