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Geschrieben von: LN-Interview Freitag, den 21. August 2009 um 00:00 Uhr

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hafen_04IHK-Experte im Interview: „Hafen kann Hoffnung schöpfen“. Die Wirtschaftskrise ist bald überwunden, glaubt Volkswirt Rüdiger Schacht, der IHK-Experte für Standortpolitik. Lübecks Hafen werde wieder in ruhigeres Fahrwasser gelangen. Lübecker Nachrichten: Herr Schacht, mal Hand aufs Herz:

Ist die Wirtschaftskrise endlich vorbei? Rüdiger Schacht: Ich glaube, wir haben das Schlimmste hinter uns. Wir sind, wie es so schön heißt, mit dem Fahrstuhl in die Krise gefahren, nun sind wir im Treppenhaus und machen erste Schritte nach oben. Ich bin zuversichtlich, dass es mit der Wirtschaft jetzt wieder aufwärts geht.

LN: Das hört man gern, nur so recht glauben mag man’s nicht. Ist die Region Lübeck wirklich mit einem blauen Auge davongekommen?

Schacht: Verglichen mit anderen Regionen hat die Wirtschaftskrise die Region Lübeck nicht so stark getroffen. Wir haben hier eine andere Wirtschaftsstruktur als zum Beispiel in Süddeutschland. Bei uns gibt es viele mittelständische Betriebe, die von der Wirtschaftskrise weniger hart getroffen wurden als Großkonzerne.

LN: Aber wenn man auf den Lübecker Hafen blickt, dann können einem schon die Tränen kommen – angesichts der Freiräume an den Kaianlagen.

Schacht: Der Hafen ist ein wesentliches Bindeglied der internationalen Warenströme. Deshalb trifft ihn die Krise kräftiger als andere Wirtschaftsbereiche in der Region Lübeck.

LN: Gibt’s jetzt Hoffnung an der Kaikante?

Schacht: Wenn man mit Unternehmen im Lübecker Hafen spricht, kann man davon ausgehen, dass der Hafen nach einem Umschlagrückgang von knapp 25 Prozent jetzt die Talsohle erreicht hat. Ich bin zuversichtlich, dass nach der Sommerpause die Zahlen im Hafen wieder leicht ansteigen.

LN: Droht keine Kurzarbeit im Hafen?

Schacht: Es gibt ja in Teilbereichen des Hafens schon Kurzarbeit. Bei der Lübecker Hafen-Gesellschaft ist es noch nicht soweit. Ich hoffe, dass dort Kurzarbeit vermieden werden kann, was jedoch vom Umfang der erwarteten Erholung abhängen wird.

LN: Aber worauf gründet sich dieser Optimismus?

Schacht: Die Zahlen der Außenwirtschaft haben sich leicht verbessert. Und an der Außenwirtschaft hängt der Hafen. Unsere Konjunkturumfragen zeigen ein leicht aufgehelltes Bild der Wirtschaftslage. Der Konjunkturklimaindex hat sich im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Quartal, wo der absolute Tiefpunkt war, in der Region Lübeck deutlich verbessert, getragen nicht zuletzt durch Exporterwartungen.

LN: Stärkt der Ostseeraum, der als Zukunftsregion gepriesen wird, die Region Lübeck auf Dauer?

Schacht: Ja. Lübeck hat einen guten Namen und große Chancen im Ostseeraum. Schauen Sie auf die Landkarte. Die Hansestadt hat den südwestlichsten Hafen der Ostseeregion und damit den kürzesten Weg zu den Märkten Mitteleuropas. Diese ideale Lage hat in der Vergangenheit zu großen Zuwachsraten im Lübecker Hafen geführt und wird dies auch in Zukunft tun.

LN: Wie werden sich die Warenströme im Ostseeraum entwickeln. Gräbt nicht die künftige Fehmarnbeltbrücke dem Lübecker Hafen das Wasser ab? Schacht: Nein. Diese Gefahr sehe ich nicht. Die Fehmarnbeltquerung ist eine Ergänzung im Netz der bestehenden Transportwege. Der Lübecker Hafen wird auch nach Fertigstellung der festen Querung des Fehmarnbelts deutlich wachsen. Wir brauchen die Brücke, um in Zukunft die wachsenden Warenströme bewältigen zu können. Die Brücke wird dem Lübecker Hafen nicht viel anhaben.

LN: Aber muss nicht der Lübecker Hafen den engen Schulterschluss mit dem Hamburger Hafen suchen, um der starken Konkurrenz auf Dauer gewachsen zu sein?

Schacht: Eine Kooperation mit Hamburg ist sinnvoll. Beide Häfen ergänzen sich. Die Güter für den Ostseeraum, die im Hamburger Hafen angelandet werden, laufen über Lübeck. Daran wird sich auch künftig nichts ändern.

LN: Wie ist die Stimmungslage der Unternehmen im IHK-Bezirk Lübeck? Wächst der Optimismus?

Schacht: Die Stimmungslage ist in vielen Unternehmen besser, als es die Wirtschaftskrise vermuten lässt. Eine tiefe Depression ist nicht spürbar. Dass sich Unternehmen auf den Aufschwung vorbereiten, merkt man allein schon daran, dass sie sich unverändert gegen den Fachkräftemangel wappnen, Mitarbeiterqualifikation betreiben und ausbilden. Die Unternehmen würden dies nicht tun, wenn sie in der Zukunft große Einbrüche erwarten würden.

LN: Uns geht’s also besser, als wir glauben?

Schacht: Das kann man so sagen.

LN: Sie sind jetzt 25 Jahre bei der IHK Lübeck. Wie hat sich in der Region Lübeck die Wirtschaft in dieser Zeit aus Ihrer Sicht entwickelt? Und wie sieht’s in den nächsten 25 Jahren aus?

Schacht: Die Wirtschaft hat sich deutlich positiv entwickelt. Lübeck ist wieder in eine zentrale Lage gerutscht, allein schon, wenn man sich die Verkehrsanbindungen betrachtet. Lübeck ist ein Verkehrsknotenpunkt in der südwestlichen Ostseeregion. Dies wird die wirtschaftliche Entwicklung auch in den nächsten 25 Jahren vorantreiben.

LN: Aber Lübeck auf sich allein gestellt hat keine Chance. Wird Lübeck in den nächsten 25 Jahren zu einem Stadtteil von Hamburg?

Schacht: Für viele ist Lübeck doch bereits ein Teil Hamburgs. „HL“ für „Hamburg Land“: Damit beleidigen Sie keinen Lübecker. Beide Städte sind seit Jahrhunderten schicksalhaft miteinander verbunden. Lübeck ist als Ostseehafen wichtig für Hamburg. Und Hamburg ist unser Nordseehafen. Lübeck wird dabei als Bindeglied zum Ostseeraum und Mittelpunkt des Hansebelts immer auch seine Identität bewahren können. Ich befürworte im Übrigen eine verstärkte Zusammenarbeit der Länder, die zu einem Nordstaat führen könnte. Wir müssen größere Einheiten schaffen.

LN: Die alten Ländergrenzen werden fallen?

Schacht: Wir müssen in Regionen denken. Die Menschen hier sehen Lübeck längst als einen Teil der Metropolregion Hamburg.

Von Torsten Teichmann
LN vom 21/08/09

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