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Geschrieben von: HL-live Mittwoch, den 03. Februar 2010 um 00:00 Uhr

06.sie_bauen_an_ihrer_zukunftIn gut einer Woche entlässt die Fachhochschule wieder eine neue Generation an Bauabsolventen. Doch die Berufsperspektiven für Architekten und Bauingenieure sind sehr unterschiedlich.
Lange dauert es nicht mehr; dann hat Jette Steinmetz ihr erstes berufliches Etappenziel erreicht. Gerade baut sie im Foyer des Fachbereichs Bauwesen für eine Präsentation die Ergebnisse ihrer Abschlussarbeit auf.
Ein Holzmodell und eine Posterwand mit Entwürfen zum Thema „Wohnen am Wasser im Lübecker Charlottenviertel". Wird alles für gut befunden, kann sie am 12. Februar in der Hochschulkirche St. Petri bei der Graduierungsfeier der Lübecker Fachhochschule ihre Bachelor-Urkunde entgegennehmen. „Ja, dann bin ich Architektin", sagt die 26-Jährige. „Und mir stehen viele Wege offen."
06.sie_bauen_an_ihrer_zukunftPro Semester gibt es in „ihrem" Bachelor-Studiengang an der FH 40 neue Plätze. 267 Studierende – wenn man den Master einschließt – sind zurzeit in dem Fach eingeschrieben. Dass es mittlerweile nicht mehr so rosig in dem Berufsfeld aussieht, wird auch an der Hochschule kommuniziert. So hatten sich zum Herbst des vergangenen Jahres nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit bundesweit an die 3500 Architekten arbeitslos gemeldet. „Ich werde wohl weiter für ein Hamburger Planungsbüro arbeiten und dann auf meine Chance warten", sagt Jette Steinmetz, die auch einen Abschluss als Bauzeichnerin in der Tasche hat. Zu ihrem erwarteten monatlichen Verdienst äußert sie sich lieber nicht.
Nicht nur bezüglich der Arbeitsmarktsituation sei das Architekturstudium nichts mehr für Träumer, ergänzt Prodekan Prof. Anselm-Benedikt Buggert. „Auch bezüglich der Inhalte. Zwar haben wir auch viele gestalterische Elemente im Studiengang verankert, aber stark naturwissenschaftlich geprägte Fächer wie Konstruktion und Bauphysik gehören nun auch mal dazu und werden für den ein oder anderen schnell zu einer hohen Hürde", erklärt der Dozent. Kompetenzen, auf die es nach dem Abschluss ankommen würde, seien sowohl das Baurecht und die Energiebilanzierung von Gebäuden wie auch die Konstruktion und die Bauökonomie. Doch dafür sei man dann auch breiter einsetzbar – vom reinen Entwurfsarchitekten über den Ingenieur, der mit dem technischen Entwerfen von Bauvorhaben beschäftigt ist, bis hin zu den Bauleitern, die die Bauplanung und -ausführung koordinieren und deren Augenmerk vor allem auf Terminen, Qualität und Baukosten liegt.
Dabei hat der Computerbildschirm inzwischen das Zeichenbrett weitgehend verdrängt. Ohne „CAD" – was für „Computer Aided Design" beziehungsweise übersetzt „Rechnerunterstützte Konstruktion" steht – geht gar nichts mehr. Dies gilt auch für das Bauingenieurwesen, das ebenfalls in dem FH-Fachbereich angesiedelt ist. „Doch hier werden uns die Absolventen förmlich aus den Händen gerissen", sagt Prof. Hans-Joachim Uth, Dekan des Bereichs. Was ein Spiegelbild der Stellensituation sei – „und der breiten Einsetzbarkeit unserer Leute", betont der gelernte Stahlbauer. „Was meinen Sie, wer die Fahrpläne bei der Bahn macht, oder die Ampelschaltungen auf unseren Straßen dimensioniert, wer Windräder, Klärwerke und Staudämme plant, im Flugzeugbau aktiv ist und so weiter und so weiter – alles Leute mit dem Abschluss Diplom-Ingenieur und Bachelor beziehungsweise Master of Engineering", so Uth.
Über ihre glänzenden Aussichten auf dem Arbeitsmarkt scheinen sich Michael Görlach und Luzhou Quan noch nicht ganz bewusst zu sein. Verständlich, schließlich sind sie wie Kommilitonin Jette Steinmetz gerade auf der Zielgeraden und mit der Präsentation ihrer Abschlussarbeiten beschäftigt. Der 29-jährige Quan war mit der Landstromversorgung für Schiffe in Häfen befasst, Görlach mit der Sanierung eines Straßendammes durch Polystyrol-Hartschaum-Einlagerung. „In diesem Bereich der Geotechnik werde ich auch weiterarbeiten können", sagt der 31-jährige Görlach. Und obwohl die Arbeitsmarktlage so positiv ist, gehen die Erstsemesterzahlen im Bereich Bauingenieurwesen weiter zurück. „Woran das liegt, weiß ich auch nicht", erklärt der Dekan. „Ich kann den Studiengang nur empfehlen", sagt er voller Überzeugung.
Von Michael Hollinde
LN-online/lokales vom 03.02.2010 00:00
Bald hat Jette Steinmetz (26) ihren „Bachelor of Arts" in der Tasche
und ist ausgebildete Architektin. In ihrer Abschlussarbeit hat sie sich
mit der Bebauung des Charlottenviertels in Lübeck befasst. Foto:
ROESSLER
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