Diese Website empfehlen:

letzte Kommentare

RSS

Geschrieben von: LN Beitrag Donnerstag, den 07. Januar 2010 um 00:00 Uhr

Benutzerbewertung: / 4
SchwachPerfekt 
05.pilgerhalle_fast_fertigNeuer Schatz für das Kulturerbe.Altstadt - In der alten Pilgerhalle sind die Malereien aus dem 14. Jahrhundert freigelegt: Zu sehen sind jetzt sechs Heilige. Einweihung ist im März.
Sehr vorsichtig pinselt Eileen Wulff (37) dem „Lamm Gottes" Staubreste von den Füßen. Es gehört zu einer Wandmalerei, die Johannes den Täufer in Lebensgröße zeigt und in besonders guter Qualität erhalten ist.
„Augen, Nase und Mund sind gut zu erkennen, ebenso das typische Fellgewand", erklärt die Diplom-Restauratorin.
Entdeckt hat Wulff die Malereien 2006, und seit Mai 2008 ist sie mit ihrer Kollegin Svantje Winter (30) für deren Restaurierung verantwortlich. Zu sehen sind an der Südwand insgesamt sechs lebensgroße Heiligenfiguren: Christopherus, 05.pilgerhalle_fast_fertigPetrus, Paulus, Jakobus, ein Mönch und Johannes der Täufer. An der Nordwand befindet sich eine Kreuzigungsszene, die Jesus Christus mit Mutter Maria und Jünger Johannes zeigt.
„Die Malereien sind ein großartiger Schatz für Lübecks Weltkulturerbe und wahrscheinlich auch einzigartig in Europa", meint Irmgard Hunecke, Abteilungsleiterin Denkmalpflege. Um die Bürger daran teilhaben zu lassen, soll die Pilgerherberge künftig für die Öffentlichkeit zugänglich sein. „Führungen, Besichtigungen und in gewissem Umfang auch Veranstaltungen werden möglich sein", kündigt Hunecke an. Die Einweihung ist für März geplant.
Entstanden sind die Kunstwerke um 1365, als das Gebäude gebaut wurde. Es gehörte zum Heiligen-Geist-Hospital und bot Pilgern auf dem Weg unter anderem nach Santiago de Compostela eine Herberge. Im Erdgeschoss befand sich die Halle („grothes hus"), vermutlich mit Altar und Andachtszene sowie einem Raum für den Gastmeister. Darüber lagen die Schlafplätze mit 15 Betten für Frauen und 16 Betten für Männer.
Mit der Reformation verlor das Pilgern an Bedeutung, das Gebäude wechselte mehrfach die Besitzer, die Malereien wurden übermalt, verputzt und übertapeziert. Wände und Zwischendecken wurden eingezogen. Heute gehört die Pilgerhalle zu dem Gebäudekomplex einer Eigentümergemeinschaft, die hier ein Wohnprojekt verwirklicht hat. „Daher war hier 2006 noch eine Großbaustelle ohne Dach, und die Wandmalereien sind nur durch Zufall aufgetaucht", erinnert sich Wulff, die die ersten Befunde gesichert hat.
Schnell war klar, dass die Arbeiten von sehr großer Bedeutung sind und der Geschäftsführer, der Stiftung Heiligen-Geist- Hospital, Klaas-Peter Krabbenhöft, machte sich für den Erwerb der 130 Quadratmeter stark. Von der Gesamtsumme in Höhe von rund 540 000 Euro übernahm die Possehl-Stiftung 90 000 Euro, der Verband Frau und Kultur 45 000 Euro und der Verein Lübecker Stadtführer 15 000 Euro.
„Anfangs hingen Putz, Tapete und Farbe wie Blätterteig von den Wänden" erinnert sich die Restauratorin, die in Millimeterschritten die Übermalungen abgekratzt und Quadratzentimeter für Quadratzentimeter freigelegt und konserviert hat. „Das ist wirklich sehr herausragend für Lübeck", freut sich die Restauratorin. „Jetzt folgen nur noch die Feinarbeiten."
Von Cosima Künzel
ln-online/lokales vom 07.01.2010 00:00
Restauratorin Eileen Wulff (37) entfernt Staub von der Wandmalerei, die Johannes den Täufer und das Lamm Gottes zeigt. Fotos: TIM JELONNEK
Banner