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Geschrieben von: LN Beitrag Sonntag, den 17. Januar 2010 um 00:00 Uhr

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08.luebecks_schoenste_schaetzesollen gezeigt werden. Seit gut zwei Jahren ist die Völkerkundesammlung geschlossen. Eine Wiedereröffnung ist derzeit unrealistisch, eine „fulminante Ausstellung" jedoch geplant. In der Fachwelt ist die Meinung unzweideutig: Viele der 30 000 Exponate aus allen Kontinenten, darunter Meisterwerke aus Afrika, China und Mittelasien, sollten gezeigt werden. Was Prof. Hans Wißkirchen, geschäftsführender Direktor
aller Lübecker Museen, fürs Frühjahr 2011 auch plant. Doch bis dahin liegen die Exponate gut verpackt im wohl temperierten Magazin im Zeughaus, weil die Völkerkundesammlung seit gut zwei Jahren kein Museum mehr mit regelmäßigen Öffnungszeiten ist.
08.luebecks_schoenste_schaetzeIm benachbarten Hamburg schütteln die Experten nur den Kopf, dass Lübecks Schätze brach liegen. Zum Beispiel die Hamburger Kultursenatorin Karin von Welck, selbst Ethnologin. Bei einem Vortrag verwies sie auf die Bedeutung der Völkerkunde im Zeitalter der Globalisierung und den Beitrag zur Migrations- und Integrationshilfe. Und der Leiter des Hamburger Völkerkundemuseums, Prof. Wulf Köpke, sagte, alle größeren Handelsstädte verfügten über solche Häuser, in Lübeck lagerten zudem „unglaublich bedeutsame Objekte mit internationaler Bedeutung". Eine der größten Befürworterinnen der Lübecker Völkerkunde ist die Direktorin der Gemeinnützigen, Antje Peters-Hirt: „Können wir uns das leisten, gerade das eine Museum zu schließen, das mit Weltkultur zu tun hat?" Ihre Antwort lautet nein. „Der Bürgerschaftsbeschluss muss revidiert werden", fordert sie.
Doch die Finanzierung wird kontrovers diskutiert. Die Linken haben schon mehrere Anträge auf Wiedereröffnung gestellt und wollen „das Ganze von der finanziellen Frage" losgelöst sehen (Antje Jansen). Die Grünen wollen im Zuge von Weltoffenheit und kultureller Offenheit die Sammlung zeigen (Bernd Möller), und CDU-Kulturexperte Peter Sünnenwold hielte die Wiedereröffnung „für die Kulturstadt des Nordens" für angemessen. „Die Finanzierung müsste machbar sein." BfL-Frontmann Raimund Mildner hingegen ist der Meinung, „dass wir in Lübeck eine überproportionale Museumslandschaft haben". Hier müsse gespart werden, wobei es Verwaltungssache sei, zu entscheiden, wo. SPD-Kulturexperte Frank-Thomas Gaulin will auf den Museumsentwicklungsplan der Hansestadt und ein „zeitgemäßes Konzept für die Sammlung" warten. Ähnlich sieht es Thomas Schalies (FDP), der hofft, dass sich „das Vorhaben, die Sammlung ins St. Annen-Museum zu integrieren", realisieren lässt.
Auf eine Wiedereröffnung im Zeughaus jedenfalls macht auch Kultursenatorin Annette Borns wenig Hoffnung: „Die rund 120 000 Euro im Jahr, die das kosten würde, haben wir definitiv derzeit nicht."
Während draußen diskutiert wird, tut sich hinter den Türen des Zeughauses einiges. Ethnologen aus aller Welt gehen ein und aus, 400 Exponate sind von Leiterin Dr. Brigitte Templin ausgewählt, restauriert und vom Profi fotografiert worden: Sie sollen den neuen Bestandskatalog bebildern, der Ende des Jahres vorliegen soll. „Wenn sich schon niemand die Sammlung ansehen kann, wollen wir zumindest zeigen, was wir hier haben", sagt die 57-Jährige, die soeben über Prof. Richard Karutz, den „Vater" der Lübecker Sammlung, promoviert hat. Der Katalog, unterstützt von vier kleinen Stiftungen, ist eine erste Bestandsschau nach 1921. „Zunächst", so Templin, „wollte ich nur die Meisterwerke aufnehmen, dann habe ich mich entschlossen, gerade die Breite unserer Sammlung darzustellen."
Der Katalog hat Folgen: Im März 2011, kündigte Wißkirchen an, „werden wir einen repräsentativen Bestandskatalog präsentierten und parallel dazu in der St.-Annen-Kunsthalle eine fulminante Ausstellung der Highlights zeigen". Was zwar nicht das Grundproblem lösen würde, aber auch für Brigitte Templin akzeptabel wäre. „Sonderausstellungen sind deutlich besser, als wenn wir unsere Exponate gar nicht mehr zeigen können."
Von Sabine Risch
ln-online/lokales vom 17.01.2010 00:00:08
Fotos: 400 Fotos sind gemacht. Jetzt heißt es für Dr. Brigitte Templin (57), sie für den Katalog zu sortieren, das Layout festzulegen und die Texte zu den Exponaten zu schreiben. Foto: WOLFGANG MAXWITAT
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