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Geschrieben von: LN Beitrag Samstag, den 30. Januar 2010 um 00:00 Uhr

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09.grass_fanGrass-Fan aus dem kalten Sibirien. Irina Pavlovas Traum wurde wahr: Die 52-jährige Rechtshistorikerin aus Sibirien traf gestern in Lübeck Günter Grass. Eingefädelt hatte das Treffen der Leiter des Grass-Hauses, Jörg-Philipp Thomsa. Irina Pavlova ist aufgeregt. Sehr aufgeregt. „Einmalig", sagt die Professorin aus Krasnojarsk, „es ist für mich ein Geschenk! Meine deutschen Freunde können kaum glauben,
dass ich wirklich hier Herrn Grass treffe!" Doch für den Literatur-Nobelpreisträger war es selbstverständlich, den Fan aus dem fernen Sibirien zu begrüßen. „Eine große Überraschung und eine Ehre für mich", sagte der 82-Jährige gestern bei einer Zusammenkunft im Grass-Haus.
09.grass_fanEin Weilchen hat es schon gedauert, bis Irina Pavlovas Traum erfüllt wurde. Sie, die die deutsche Kultur und deutsche Schriftsteller seit ihrem ersten Aufenthalt an der Universität Münster sehr schätzt, hatte eher zufällig Grass' „Blechtrommel" in einem Geschäft in ihrer Heimat entdeckt. Nach ein paar Zeilen war sie begeistert, las drei Tage in einem durch und spürte eine Art Seelenverwandtschaft mit dem Literatur-Nobelpreisträger aus Deutschland. Sie gründete einen Lesekreis in Krasnojarsk, hat inzwischen so ziemlich alles von Günter Grass gelesen und wurde Mitglied im Freundeskreis (die LN berichteten ausführlich). Als großen Traum, aber als „unrealistisch und märchenhaft", hatte sie noch im vergangenen Jahr gegenüber den LN ihren Wunsch bezeichnet, den Schriftsteller in Lübeck zu treffen.
Doch Jörg-Philipp Thomsa nahm Kontakt auf zum Deutsch-Russischen Forum, das sich bereit erklärte, die Anreise per Flugzeug zu übernehmen. „Etwas Derartiges ist bei uns nicht gang und gäbe, aber es passt dennoch 100-prozentig in den Zweck der Förderung, nämlich den Austausch der Zivil-Gesellschaften Deutschlands und Russlands", erklärte Prof. Otto Luchterhandt, der mit Kollegin Birgit Klein aus Lüneburg angereist war, um im Rahmen des Lübecker Literaturtreffens die Professorin aus Krasnojarsk zu begrüßen. Hilke Flebbe vom Klassik Altstadt Hotel hat dazu beigetragen, Irina Pavlovas Traum zu verwirklichen, denn sie sponserte zwei Übernachtungen in ihrem Hotel.
Genau da war es auch, dass sich eher zufällig Günter Grass und Irina Pavlova bereits am Donnerstagabend trafen. Beim Einchecken sah die Russin Grass mit anderen Autoren am Tisch sitzen. Und während sie angesichts ihres Idols mit hochrotem Kopf fast umgefallen wäre, holte der 82-jährige Gastgeber des Literaturtreffens sie auf den Platz neben sich, integrierte sie in die Runde und führte, wie Grass sagt, „ein intensives Gespräch mit Frau Pavlova". Die noch gestern vollkommen hin und weg war: „Was für ein Mensch! Man brauchte überhaupt keine Hemmungen zu haben, es war ein ganz normales Gespräch." In dem es übrigens unter anderem um deutsche und russische Geschichte ging.
Gestern Abend nahm Irina Pavlova noch am Literaturtreffen im Behnhaus teil, heute reist sie wieder zurück nach Sibirien. Wo übrigens, wie Günter Grass zu berichten wusste, derzeit Tagestemperaturen um die minus 35 Grad herrschen, während es nachts minus 50 sind.
Andernorts, zum Beispiel in Russland, geht man nicht nur anders mit dem Winter um: „In Deutschland", bemerkte Grass schmunzelnd, „sorgt man sich darum, dass einige von uns alten Autoren immer noch leben – in anderen Ländern hingegen scheint man froh darüber zu sein!"
Von Sabine Risch
Ln-online/lokales vom 30.01.2010 00:00
Foto:Verstanden sich auf Anhieb prächtig: Günter Grass (82) und Professorin Irina Pavlova (51) aus Krasnojarsk in Sibirien. Foto: L. ROESSLER
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