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Geschrieben von: LN Beitrag Montag, den 08. Februar 2010 um 00:00 Uhr

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10.stadtbibliothek_in_gefahrUnbesetzte Stellen: Lübecks Stadtbibliothek in Gefahr. Immer mehr Besucher, immer weniger Mitarbeiter. Die Stadtbibliothek schlägt Alarm: Wenn die Situation sich nicht bessert, muss sie eine Filiale schließen. Die SPD will sich für die Bücherei stark machen. Sie ist ein Hort des Wissens. In den langen Regalreihen voller Bücher stecken mehr als nur gesammelte Buchstaben. Die Literatur, die es bis hierher schafft, ist es wert, gelesen zu werden.
Die Stadtbibliothek hat mehr als 1,1 Millionen Bücher, Zeitschriften, Zeitungen, CDs und DVDs. Und die werden viel genutzt. 2008 kamen in die Zentralbibliothek und die vier Stadtteilbibliotheken insgesamt 303 000 Besucher – so viele wie noch nie.
10.stadtbibliothek_in_gefahr„Wir werden gebraucht", sagt der Chef Bernd Hatscher. Davon ist er überzeugt. „Wir haben mehr Besucher als jede andere städtische Einrichtung." Zum Vergleich: Alle zehn Lübecker Museen haben im Jahr 260 000 Gäste, das Theater Lübeck 178 000. Die Stadt schießt der Bibliothek jährlich rund 3,2 Millionen Euro zu. Damit ist Hatscher auch zufrieden. Unzufrieden ist er mit der Personalsituation. „Die Schmerzgrenze ist überschritten", sagt Hatscher. Anderthalb Stellen sind seit zwei Jahren vakant – und er kann den Arbeitsaufwand nicht mehr auffangen. Werden die freien Stellen nicht besetzt, müsse er eine Stadtteilbibliothek schließen, so Hatscher. „Das wäre der ganz falsche Schritt – aber der nächste, wenn wir nicht mindestens 48 Stellen besetzt bekommen."
Hatscher rechnet vor: „Wir hatten 1996 noch 72 Stellen, heute sind es 48." Er will studierte Bibliothekare oder Bibliotheksassistenten einstellen. Denn die müssen eine Auswahl aus den 900 000 Büchern treffen, die pro Jahr weltweit erscheinen. 90 000 davon kommen auf den deutschen Markt. 40 000 Bücher schafft die Stadtbibliothek an. „Es kommt auch darauf an, welche Qualität man den Besuchern anbietet", sagt Hatscher. Die scheint offenkundig zu stimmen. Zu den 140 Veranstaltungen, die die Stadtbibliothek 2009 angeboten hat, sind knapp 8500 Besucher gekommen. Hinzu kommen 130 Ausstellungen und Buchpräsentationen im Jahr.
Zudem haben die Besucher etliche Fragen: Wann wurde die Kaffeebohne erfunden? Wo gibt es einen Überblick über die Astronomie? Welche Literatur können Sie für einen Neunjährigen empfehlen? 69 000 solcher Fragen wurden 2008 vom Personal beantwortet. „Da müssen Generalisten sitzen mit einer breiten Allgemeinbildung", kämpft Hatscher für frisches Personal.
Aber bislang kann er keine neuen Leute von außen einstellen – sondern nur welche aus dem internen Verwaltungspool. „Sie haben meist die entsprechende Ausbildung nicht", klagt Hatscher. „Wir brauchen nicht irgendwen." Immer wieder muss er sich Zeit für aufwendige Bewerbungsverfahren nehmen – immer wieder bleiben die Verwaltungsfachangestellten nur kurze Zeit in der Stadtbibliothek. Hatscher kann es ihnen nicht verübeln – haben sie doch etwas ganz anderes gelernt.
Gehör findet Hatscher bei der SPD. Kultur-Experte FrankThomas Gaulin setzt sich für die Stadtbibliothek ein: „Solche Einrichtungen werden immer weiter runtergefahren, wenn man da nicht Druck macht." Deshalb hat die SPD auf ihrer Klausurtagung beschlossen, dass die Stellen wiederbesetzt werden sollen. Ein Schwerpunkt ihrer Haushaltsberatungen. Jetzt muss die Fraktion dafür eine Mehrheit finden.
Hatscher hat Hoffnungen, dass es durch die Unterstützung der SPD besser wird. „Wir müssen einfach aufpassen, dass die Stadtbibliothek nicht altmodisch wird", sagt Hatscher. Er könnte natürlich auch noch mehr Geld gebrauchen. Zwei Millionen Euro für eine interne Datensoftware, die die Abläufe schneller gestaltet. Und mehrere Millionen, um die Bestände zu digitalisieren – ein langfristiges Projekt. Wichtig ist Hatscher aber, dass er die freien Stellen besetzen kann. Bald.
Von Josephine von Zastrow
ln-online/lokales vom 08.02.2010 09:47
Foto: Bücher über Bücher: Bernd Hatscher (44) ist Herr über 1,1 Millionen Publikationen. Doch ihm fehlt geeignetes Personal. Foto: LUTZ ROESSLER
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