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Geschrieben von: LN Beitrag Donnerstag, den 04. Februar 2010 um 00:00 Uhr

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07.vfl_bad_schwartauVfL Bad Schwartau:  - Er ist gut acht Jahre her, der Umzug der Bundesliga-Handballer von Schwartau nach Hamburg. Ex-Chef Olaf Knüppel erinnert sich an den Abschied und sagt: „Für den VfL war es ein Glücksfall." Diesen 25. Mai 2002 wird Olaf Knüppel nie vergessen. Den Moment, als er nach dem 30:22 über Schwerin, dem letzten Spiel in der Hansehalle, mit dem Mikro auf dem Spielfeld stand.
Er wollte etwas sagen. Worte des Abschieds, des Dankes. Doch er kam nicht dazu. Er wurde von den 2800 niedergepfiffen, gnadenlos, mit „Schwartau-Schwartau-Rufen" regelrecht stumm geschaltet. Ein letzter Hilfeschrei der Fans, die in ihm einen der Schuldigen für das Abhauen nach Hamburg ausgemacht hatten . . .
Das ist jetzt fast acht Jahre her. Knüppel lebt heute in Henstedt-Ulzburg, ist bei den Handballern nebenberuflich für die ersten Männer zuständig. Die Pfiffe von 2002, er hört sie heute noch. „Viele sprechen mich noch darauf an." Damals 07.vfl_bad_schwartauhätten sie ihm weh getan, „heute kann ich die Leute verstehen". Auch, weil er die Prozessakte aus dem Verfahren gegen den damaligen Hauptsponsor, die Galaxis-Gruppe und deren Chef Winfried M. Klimek, gelesen hat. „Der Klub war pleite. Er ist, wenn überhaupt, von Galaxis-Geldern gespeist worden, die es nicht gab oder die aus Betrügereien stammten. In welchem Sumpf sich der HSV befunden hat, war für mich nicht klar." Schon gar nicht im Sommer 2001, als er kam.
Doch sein Job war da schon klar: Knüppel sollte den Umzug nach Hamburg, dorthin, wo die neue Arena lockte, klar machen. Im Oktober war es soweit, wurde der Beschluss gefasst, im April 2002 das Projekt im noblen Hamburger Elysée-Hotel vorgestellt.
Doch schon im September 2002 holte den HSV die Vergangenheit ein. Staatsanwaltschaft und Kripo durchsuchten im Zuge der Ermittlungen gegen die Galaxis-Gruppe die HSV-Geschäftsräume. Ehemalige Angestellte (Reardon, Kriese, Gloth) und Spieler (Bäckegren, Thorsson, Engelhardt) machten Lohnforderungen geltend. Fragwürdig: Teure Neueinkäufe (die Gille-Brüder, Svensson) wurden direkt über Galaxis entlohnt. Und dann war da auch noch die Nummer mit dem dubiosen Hauptsponsor L.U.C.Y. „Auch da steckte Klimek dahinter", erklärt Knüppel. Spieler, die auf Gehälter warteten, Schecks, die reihenweise platzten, Raummieten, die nicht bezahlt wurden – die Klagewelle ebbte nicht ab. Der Pleitegeier kreiste schon.
„Das ganze Projekt hing an einem extrem seidenen Faden. Da sind viele Dinge gelaufen, die nicht seriös waren", weiß Dierk Schmäschke, der Ende 2002 als Berater dazu kam. Doch Einblick in Details habe er nicht bekommen. „Wir haben nur versucht das Ding am Laufen zu halten." Das ging bis Dezember 2004 so. Der HSV stand vor dem Exodus. Doch dann kam Andreas Rudolph, der Medizintechnik-Unternehmer. „Mit ihm kam die Wende, dank ihm war die geordnete Insolvenz möglich. Dank ihm lebt der HSV heute noch", sagt Schmäschke, heute Vizepräsident, und sieht sich bestätigt: „Wir hatten anfangs 456 Dauerkarten, jetzt sind es 6000. Wir sind als HSV in Hamburg angekommen, haben aber Schwartau nicht vergessen, als Kooperationspartner immer noch an unserer Seite."
Knüppel nicht mehr. Er musste im Oktober 2003 gehen. Klimek auch. Er wurde am 4. Dezember 2004 verhaftet, lebt jetzt in Berlin und verdient sein Geld mit erneuerbaren Energien. Nur: „Ohne Klimek", sagt Knüppel, „würde es den HSV nicht geben, allerdings zu Lasten vieler Geschädigter." Den Umzug ordnet er für den VfL heute sogar als „Glücksfall" ein. „Klimek & Co. haben die Schulden mit nach Hamburg genommen. In Schwartau gab es kaum noch Sponsoren, kamen im Schnitt nur knapp 1500 Zuschauer. Der VfL wäre unter dem Schuldenberg zusammengebrochen. Der Umzug war für den VfL die Chance zum Neustart." Er hat sie genutzt.
Von Jens Kürbis
Ln-online/lokales vom 04.02.2010 12:01
Foto: 25. September 2002 – der Bundesliga-Handball verabschiedet sich nach 26 Jahren aus Lübeck. Simen Muffetangen (re.) traf beim Ade siebenmal, Hamburg-Motor Olaf Knüppel (o.) wurde ausgepfiffen. Foto: Wolfgang Maxwitat
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