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Geschrieben von: LN Beitrag Sonntag, den 21. Februar 2010 um 00:00 Uhr

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006.arbeitsplaetze_im_hafenInterview: „Die Arbeitsplätze im Hafen sind sicher"
Lübeck - Trotz schwerer Zeiten: Die Zukunfts- aussichten des Hafens sind gut, sagt Heinrich Beckmann, Chef der Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG). Lübecker Nachrichten: Herr Beckmann, die Wirtschaftskrise hat den Hafen schwer gebeutelt. Ist er jetzt aus dem Gröbsten heraus?

Heinrich Beckmann: Ich glaube, wir haben die Talsohle erreicht. Aber die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr sind noch immer nicht gut. Wir können aber jetzt erkennen, dass sich eine Aufwärtsbewegung abzeichnet.

LN: Wie waren denn die Umschlagszahlen im Januar?
Beckmann: Die Januar-Zahlen sind unterschiedlich. Beim Papierumschlag aus Schweden haben wir zurzeit eine kleine Sonderkonjunktur. Die wird vermutlich aber nicht von langer Dauer sein. Im Fährverkehr liegen wir nochmals leicht unter den Vorjahreszahlen. Das liegt aber auch an den schlechten Wetterbedingungen, die neben dem Verkehr auch die Konjunktur bremsen.

LN: Um wie viel Prozent ging der Umschlag im Januar zurück?
Beckmann: Wir liegen um sieben Prozent unter den Vorjahreszahlen. Insgesamt wurden bei der LHG im Januar 1,8 Millionen Tonnen umgeschlagen. Im Januar 2009 waren es etwas mehr als 1,9 Millionen Tonnen.

LN: Gibt es Hoffnung ?
Beckmann: Kann man so sagen. Ein klein wenig zeichnet sich eine wirtschaftliche Erholung ab. Im vierten Quartal 2009 hatten wir sogar eine kleine Aufwärtsbewegung. Aber man darf nicht erwarten, dass es jetzt steil aufwärts geht mit dem Hafen, dies zeigt auch der negative Januar.

LN: Wo gibt es die gravierendsten Umschlagseinbrüche?
Beckmann: Beim Transport von Neufahrzeugen. Stark eingebrochen sind auch die Trailer-Verkehre.

LN: Wie viele Jahre wird der Lübecker Hafen brauchen, um zu alter Stärke zurückzufinden?
Beckmann: Man muss sich zunächst darüber im Klaren sein, wie erfolgreich der Hafen bereits jetzt ist. In der Wirtschaftskrise schlägt sich der Lübecker Hafen, gemessen an den Wettbewerbern, überhaupt nicht schlecht. Aber das ursprüngliche Volumen beim Hafenumschlag werden wir erst in drei bis vier Jahren wieder erreicht haben, immer vorausgesetzt, es kommt wieder zu einem stabilen Wirtschaftswachstum.

LN: Lübecks Hafen steht im Vergleich zu anderen Häfen gut da?
Beckmann: Die LHG hat sich im vergangenen Jahr beim Umschlagsvolumen mit einem Minus von 15 Prozent recht tapfer geschlagen. Trotzdem bleibt der Umschlagrückgang in Lübeck ein ganz großes Problem.

LN: Auf welche Schiffsrouten setzen Sie ihre Hoffnungen?
Beckmann: Wir sind traditionell sehr stark engagiert im Bereich Südschweden und Finnland. Wir denken, dass das auch langfristig so bleiben wird. Diese Verkehre sind für uns von ganz großer Bedeutung. Wir hoffen natürlich auch, dass bald eine Wirtschaftserholung im Baltikum und in Russland einsetzt, damit auch die Schiffsrouten dorthin maßgeblich zum Erfolg des Lübecker Hafens beitragen können.

LN: Die ganz großen Zuwachsraten wird es doch aber langfristig für den Lübecker Hafen nur auf den Russland-Routen geben.
Beckmann: Es ist ganz klar zu erwarten, dass die russischen Märkte stärker wachsen werden. Die Zuwachsraten für den Lübecker Hafen können dort höher sein als in den bereits gut entwickelten schwedischen und finnischen Märkten.

LN: Was für Ziele setzt sich die Lübecker Hafen-Gesellschaft bei der Modernisierung des Hafens?
Beckmann: Wir müssen unter anderem unsere Produktivität mit innovativer Seehafentechnologie optimieren. Dort brauchen wir Erfolge, damit dieser Hafen mit seinen relativ hohen Personalkosten wettbewerbsfähig bleibt. Wir müssen besser, schneller und qualitativ noch hochwertiger arbeiten als andere.

LN: Wie sicher sind die Arbeitsplätze im Hafen?
Beckmann: Ich erwarte, dass der Verkehr über die Ostsee langfristig weiter ansteigen wird. Das heißt: Bei normalem Verlauf sind die Arbeitsplätze im Hafen sicher. Wo wir hingucken müssen, sind die Entwicklungen in einzelnen Bereichen. Wir haben eine starke Position im Papier-Bereich. Aber wir hängen an der schwedischen und finnischen Papier-Industrie. Der geht es im Augenblick nicht gut. Wir müssen unsere Wettbewerbsposition dort deutlich verbessern.

LN: Sind Sie optimistisch, dass sich Lübeck als größter Papier-Hafen Europas behauptet?
Beckmann: Da bin ich mir absolut sicher. Lübeck wird nicht nur beim Papier seine starke Position behaupten, sondern auch stärkster Ostseehafen Deutschlands bleiben. Das Ziel der Lübecker Hafen-Gesellschaft muss es sein, diese Position auszubauen.

LN: Muss Lübeck künftig nicht verstärkte Hafen-Kooperationen eingehen?
Beckmann: Das ist auf jeden Fall wichtig. Wir tun sehr gut daran, die Zusammenarbeit mit anderen Häfen zu forcieren, zum Beispiel mit Hamburg bei den Verkehren ins Baltikum. Vorstellen kann ich mir auch eine IT-technische Kooperation der Ostseehäfen, um die logistische Abwicklung weiter voranzutreiben und die Effizienz der Transportketten zu verbessern.

LN: In Südschweden gibt es seit Jahren eine Vision von einer Logistik-Drehscheibe Hamburg/Lübeck und Kopenhagen/Malmö? Ist das eine Illusion?
Beckmann: Lübeck hat ja schon jetzt eine bedeutende Drehscheibenfunktion für die Skandinavienverkehre. Da ist Lübeck sehr stark. Es besteht in der Zukunft durchaus die Möglichkeit, diese Gateway-Funktion noch weiter auszubauen.

LN: Lübeck bleibt das Tor der Ostseeregion zu den Märkten Mitteleuropas?
Beckmann: So ist es. Lübeck hat als Hafenstandort dank seiner geographischen Lage ausgezeichnete Entwicklungsmöglichkeiten. Wir müssen aber auch intern einiges dafür tun. Wir müssen unsere Wettbewerbsfähigkeit in der Transportkette bewahren, vor allem auch durch wettbewerbsfähige Personalkosten.

LN: Droht in diesem Jahr Kurzarbeit im Hafen?
Beckmann: Wir konnten die Kurzarbeit im vergangenen Jahr dadurch vermeiden, indem die LHG die Last der Personalreduzierung im wesentlichen auf den Hafenbetriebsverein abgewälzt hat. Dort sind befristete Verträge nicht verlängert worden. Dort wurde Kurzarbeit eingeführt. In diesem Jahr erwarten wir weiterhin eine angespannte Situation im Hafen. Ob Kurzarbeit noch einmal ins Auge gefasst werden muss, ist letztendlich nicht auszuschließen. Was wir brauchen, um die Situation insgesamt zu bewältigen, ist ein Beitrag von allen beteiligten Seiten.

LN: Fazit: Wo liegen die Chancen des Hafens?
Beckmann: Im Ausbau der Drehscheibenfunktion und bei der Ansiedlung von hafennahen Industriebetrieben, zum Beispiel Branchen, die auf eine wassernahe Lage angewiesen sind; etwa die Produzenten von Windkraftanlagen. Ich glaube, dass die wieder boomende Ostseeregion für den Lübecker Hafen einen Wachstumsschub auslösen wird. Wenn in Russland und im Baltikum der Aufschwung kommt, werden wir das im Lübecker Hafen sehr positiv merken.

Interview:
Torsten Teichmann
ln-online/lokales vom 21.02.2010 23:22
Foto: Heinrich Beckmann gilt als topfit. Der nüchterne Analytiker steht morgens bereits um kurz nach fünf auf. Vor dem Frühstück macht er eine halbe Stunde Sport. Spätestens um acht sitzt Beckmann an seinem Schreibtisch im Hafenhaus in Travemünde. Seine Lübeck-Erfahrung: „Ich fühle mich hier sehr wohl."
Foto: TIM JELONNEK
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