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Geschrieben von: LN Beitrag Montag, den 15. März 2010 um 00:00 Uhr

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010.kiels_hafenDas war ein Schock für den Lübecker Hafen: Stena Line wird künftig seinen Schweden-Verkehr von Kiel aus abwickeln. Nur ein Einzelfall? Oder könnte Lübeck noch weitere Anteile an den Kieler Hafen verlieren? Das ist ein fürchterlicher Schlag für den Lübecker Hafen", kommentiert Jürgen Grascht, Geschäftsführer der Vereinigung Lübecker Schiffsmakler und Schiffsagenten, den Weggang der schwedischen Stena Line aus Lübeck.
Der Skandinavienkai droht damit bis zu 15 Prozent seines Fracht-Umschlags zu verlieren, darunter alleine 10 000 Container pro Jahr. Die Einstellung der Fährverbindung Travemünde – Göteborg ab September 2010 hatte die Reederei mit einem 40- prozentigen Umschlagminus und zweistelligen Millionenverlusten begründet. Vom neuen Stützpunkt Kiel verspricht sich das Unternehmen bessere Marktchancen. Ein Beispiel auch für andere Reedereien, die derzeit Lübeck anlaufen?

„Nein", sagt Martin Krause, Experte für Standortpolitik der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck. „Die Gefahr, dass weitere Fährlinien abwandern, ist gering. Das geographische Alleinstellungsmerkmal Lübecks, nämlich südwestlichster Hafen in der Ostseeregion zu sein, bleibt als Wettbewerbsvorteil nach wie vor erhalten." Und trotz der derzeitigen Flaute im Lübecker Hafen durch die Auswirkungen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise bleibt Krause optimistisch: „Langfristig steigt das generelle Verkehrsaufkommen wieder: 55 bis 60 Millionen Tonnen Hafenumschlag im Jahr 2025 sind keineswegs nur reine Utopie."

Grund für den Optimismus sind die Stärken des Hafenstandorts Lübeck. Dazu zählt Krause:

die Nähe zu Hamburg den gesunden Mix aus Fährlinien und operierenden Reedereien (Synergieeffekte) das Aufkommen nach Osteuropa und ins Baltikum wird langfristig steigen hervorragende Verkehrsanbindungen durch Autobahn und Bahn Elbe-Lübeck-Kanal als Potenzial für künftige Logistiklösungen gut ausgebildetes Personal viele spezialisierte Logistik- Dienstleister gute Marktstellung im Ro/Ro-Verkehr und im Papier und Kfz-Umschlag. Doch Krause macht auch Schwächen des Lübecker Hafens aus: langfristig fehlende Erweiterungsflächen notwendig ist eine vorausschauende Hafenentwicklungsplanung Kreuzfahrttourismus ist nur schwach ausgeprägt.

Letzteres ist in der Landeshauptstadt ganz anders: Sie konnte 2009 im Vergleich zu Lübeck fast fünfmal so viel Kreuzfahrtschiffe begrüßen – Tendenz weiter steigend. Denn Kiel hat einen unschätzbaren Vorteil. Beim Verlassen des Schiffs sind die Passagiere schon nach wenigen Schritten in der Innenstadt mit ihren Geschäften oder einem Café an der Kiellinie.

„Kiel ist der derzeit beliebteste deutsche Kreuzfahrthafen, und wir sind bestrebt, die Position zu festigen", sagt Dirk Claus, Geschäftsführer der Seehafen Kiel GmbH & Co KG. „Mit dem im Jahr 2007 eröffneten Ostseekai verfügen wir über eines der leistungsfähigsten Passagierterminals in ganz Nordeuropa." In Zukunft werde der Kieler Hafen versuchen, die Angebote auch auf den internationalen Passagierwechsel auszuweiten und die touristische Destination Schleswig-Holstein noch stärker in den Fokus des Seetourismus zu rücken, fügt Claus hinzu.

Als Hafen in Innenstadtlage setze Kiel auf die Kombination aus Passagieren und Fracht und sieht sich als Drehscheibe im Handel mit Norwegen und Westschweden sowie mit den Baltischen Staaten und Russland. „Gemeinsam mit unseren Partnern werden wir den Hafen in diesen Bereichen weiter entwickeln" kündigt Claus an.

Doch in Sachen Fracht kann Kiel dem Lübecker Hafen nicht das Wasser reichen – die Umschlagzahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Das ändert sich auch dadurch nicht, dass Stena Line seinen Verkehr komplett an die Förde verlagert. Der Kieler Geschäftsführer freut sich über diesen Schritt, sagt aber: „Über Transportwege entscheiden die Verlader und Reedereien – nicht der Hafenbetreiber."

Ganz ähnlich formuliert das auch der Geschäftsführer der Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG), Heinrich Beckmann. Der Lübecker Hafen nehme in den Verkehren zwischen den Wirtschaftsmetropolen West- und Zentraleuropas und dem Wirtschaftsraum Ostsee eine zentrale Drehscheibenfunktion ein, vor allem für die angestammten Partnerländern Schweden und Finnland. „Lübeck wird gemeinsam mit seinen Partnern und Kunden alles daran setzen, die Rolle als größter deutscher Ostseehafen zu halten und auszubauen", erklärt Beckmann. Während Lübeck eine dominierende Rolle im Frachtverkehr habe, sei Kiel der „große Player im Kreuzfahrt-Geschäft". Trotzdem habe sich auch die Hansestadt – vor allem mit dem Passagier-Terminal am Ostpreußenkai im Herzen Travemündes – als interessante Kreuzfahrt-Destination etabliert. „Wir werben gemeinsam mit dem Lübeck-Tourismus intensiv darum, die Zahl der Anläufe zu erhöhen", kündigt der LHG-Geschäftsführer an.

Mit ihren so unterschiedlichen Schwerpunkten kommen sich die beiden Häfen nicht unbedingt ins Gehege, könnte man meinen. Doch es gibt ein Feld, in dem sich beide in Zukunft stärker Konkurrenz machen: der Verkehr mit den wachsenden Märkten in Osteuropa.

Die Baltischen Staaten und Russland spielten eine zunehmende Rolle beim Transportaufkommen auf der Ostsee, sagt LHG-Geschäftsführer Beckmann. Wenn die aktuelle Krise, die diese Länder besonders hart getroffen habe, überwunden sei, würden die Mengen deutlich wachsen. „Zur Zeit bietet der Lübecker Hafen vier Verbindungen nach Osteuropa. Wir erwarten eine Ausweitung dieser Verkehre", so Beckmann. Der Kieler Hafen habe frühzeitig den Blick auch nach Osten gerichtet und biete seit Anfang der 90er Jahre Liniendienste nach Russland und ins Baltikum, erklärt auch Dirk Claus. „Wir sind davon überzeugt, dass der Güteraustausch mit Osteuropa weiter zunehmen wird. Zielsetzung aller Häfen ist es, noch mehr Verkehre von der Straße auf den Seeweg über die Ostsee zu verlagern", fügt er an.

Mit dem Bau der festen Fehmarnbeltquerung werden die Karten allerdings neu gemischt. Sie könnte viel Verkehr abziehen – und beiden Häfen das Leben schwer machen.

Von Christian Risch und Gerhard Krüger
ln-online/lokales vom 15.03.2010 12:12
Foto: Container, Lkws und Frachtfähren prägen den Skandinavienkai. Foto: MAXWITAT
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