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Geschrieben von: LN Beitrag Dienstag, den 03. März 2009 um 00:00 Uhr

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61.luebeck_plan_grossLübeck: Politik jubelt über Flughafen-Beschluss. Seit gestern liegt die neue Genehmigung für den Ausbau des Flughafens Blankensee vor. Wirtschaft und Politik hegen große Hoffnungen, dass der Airport jetzt endlich zum Steilflug ansetzt. Gestern, kurz nach 13 Uhr, im Wirtschaftsministerium Schleswig-Holstein: Zwei Meter Akten sind im kleinen Saal 141d aufgebaut. „Das ist typisch deutsch“, spottet Wirtschaftsminister Werner Marnette (CDU), „zwei Meter Bürokratie.“ 40 Leitz-Ordner sind mit den Einwendungen von Gemeinden und Bürgern gefüllt, 50 Stellungnahmen von Fachbehörden wurden ausgewertet, zwölf Tage lang wurden Pläne und Bedenken erörtert. „Aber jetzt haben wir es geschafft“, sagt der Minister, „und wir haben Wort gehalten.“ Mit nur einem Monat

Verspätung legt das Land die Ausbaugenehmigung für den Flughafen Blankensee vor.

„Das müssen Sie jetzt umsetzen“, sagt Marnette zu Flughafen-Chef Tom Wilson und Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Wilson: „Ich freue mich darauf.“ Saxe: „Was lange währt, wird endlich gut.“ Am 6. Februar 2008 hatte der Flughafen im Kieler Wirtschaftsministerium den millionenschweren Ausbau beantragt. Vorangegangen waren jahrelange Vorarbeiten – zahllose Gutachten wurden eingeholt, Studien erstellt. Mit den Landes-Naturschutzverbänden wurde im Januar 2008 ein viel beachteter Frieden geschlossen. Alles für den gestrigen Tag.

Jetzt liegt die 204 Seiten umfassende Genehmigung vor. Die Flughafen-Befürworter knüpfen enorme Hoffnungen an den Beschluss. „Damit ist die klare Botschaft verbunden: Stadt und Land setzen auf die Weiterentwicklung des Flughafens“, sagt Bernd Rohwer, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK). Die Einschränkung des Nachtflugs sei ein vertretbarer Kompromiss. Endlich gehe es am Flughafen weiter, atmet die Stadtspitze auf. Bürgermeister Saxe und Wirtschaftssenator Wolfgang Halbedel (CDU) erwarten langfristig 5300 Arbeitsplätze direkt am und mittelbar durch den Airport. Das Nachtflugverbot wird allerdings als Wermutstropfen empfunden. „Betreiber und Hansestadt können zuversichtlich in die Zukunft schauen“, freut sich der FDP-Kreisvorsitzende Gerrit Koch. „Die Interessen der Anwohner, die Belange der Umwelt und ein wirtschaftlich betriebener Flughafen müssen sich nicht ausschließen“, frohlockt Bernd Schröder, verkehrspolitischer
Sprecher der Landes-SPD. „Beharrlichkeit und ein klares Konzept zahlen sich aus“, erklärt der CDU-Verkehrsexperte im Landtag, Hans-Jörn Arp.Er hoffe, dass Infratil dem Flughafen jetzt die Treue halte.

Große Worte verkündet Steven Fitzgerald, Infratil-Manager und Vorsitzender des Flughafen-Aufsichtsrates: „Der Flughafen hat eine fantastische Zukunft vor sich. Schon jetzt haben wir steigende Passagierzahlen, und ich freue mich auf die Fortsetzung dieses Trends.“ Flughafen-Geschäftsführer Tom Wilson ist einfach froh, „dass nun alles zu einem guten Ende gekommen ist“.

Nachdenklichere Töne kommen von den Lübecker SPD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Baasch, Thomas Rother und Hans Müller: „Gern hätten wir eine weitere Einschränkung der Nachtflüge gesehen.“ Die Lübecker SPD hatte sich erst am Wochenende für ein Nachtflugverbot von 23 bis 6 Uhr ausgesprochen.

Die Grünen im Landtag wollen nicht in den Jubelchor einstimmen. „Völlig unklar ist, wer denn nun den Flughafenausbau bezahlen soll“, sagt der verkehrspolitische Sprecher Detlef Matthiessen. „Der vermeintliche Investor Infratil macht sich vom Acker, und Lübeck bleibt auf 23,3 Millionen Euro Rückzahlungsverpflichtungen sitzen.“ Groß Grönaus Bürgermeister Hans Georg Weißkichel (CDU) hält die Finanzierung des Ausbaus für nicht glaubwürdig. Denn der neuseeländische Eigner Infratil, dem 90 Prozent am Flughafen gehören, hat bisher nur seinen Verbleib bis
zum 22. Oktober 2009 zugesagt. Zu einer Finanzierung der 58 Millionen Euro, die bis 2020 in den Airport gesteckt werden sollen, haben sich die Neuseeländer auch gegenüber der Genehmigungsbehörde nicht durchgerungen.

Die Stadt hofft, mit dem vorliegenden Ausbaubeschluss einen neuen Investor zu finden. Bürgermeister Saxe: „Die Suche beginnt jetzt.“
Die ersten Baumaßnahmen könnten bereits im Herbst starten.

Von Wolfram Hammer und Kai Dordowsky
03/03/09

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