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Geschrieben von: LN-Interview Sonntag, den 03. Februar 2008 um 00:00 Uhr

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49.a.stuelkenVermittler Andreas Stülcken über den Flughafen-Kompromiss. Verletzungen aus der Vergangenheit aufarbeiten und Vertrauen herstellen: So schaffte der Mediator Andreas Stülcken den Flughafen-Friedenspakt. Lübecker Nachrichten: Herzlichen Glückwunsch, Herr Stülcken, Sie haben den Friedenspakt zwischen Flughafen und Umweltverbänden herbeigeführt. Wie haben Sie das geschafft? Andreas Stülcken: Es gibt aus meiner Sicht kaum ein Problem, das nicht einvernehmlich und außergerichtlich gelöst werden kann. Voraussetzung ist, dass die Beteiligten dazu bereit sind - auch in schwierigen Auseinandersetzungen. Ich habe versucht, zwischen den Interessen auszugleichen, was nicht immer einfach war. Aber wir haben einen gemeinsamen Weg gefunden.



LN: Wie muss ein erfolgreicher Vermittler beschaffen sein?
Stülcken: Er muss sich in die Probleme der beteiligten Parteien hineindenken können und beide dahin bewegen, dass sie von ihren Positionen etwas abgehen. Wichtig ist, dass die Diskussionen sachlich verlaufen und es keine persönlichen Unterstellungen gibt.

LN: Ist das durchweg gelungen?
Stülcken: Ja. Trotz erheblicher Verletzungen und großer Betroffenheit aus der Vergangenheit.

LN: Wie haben Sie sich auf diese Mediation vorbereitet?
Stülcken: Als ich Anfang 2007 von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt angesprochen wurde, hatte ich mich mit der Problematik noch nicht befasst. Ich habe mich in einem längeren Gespräch von der Behörde informieren lassen und bin dann in die Materie eingestiegen. Nach einigen Gesprächen mit den Beteiligten konnten wir relativ schnell beginnen.

LN: Wie kam man ausgerechnet auf Sie?
Stülcken: Mir wurde gesagt, dass man mich als ausgleichende Persönlichkeit kenne und ich bei diesem Thema neutral und unbefangen auftreten könnte.

LN: Was waren die größten Probleme in dem Verfahren?
Stülcken: Die Vergangenheit abzuschließen. Diese kam in den Diskussionen immer wieder hoch. Mir ist es aber gelungen, die Beteiligten auf eine zukunftsorientierte Arbeitsweise einzustimmen.

LN: Zur Vergangenheit gehört das Zuschütten von Tümpeln, das Abholzen von Bäumen . . .
Stülcken: Ja, alle unabgestimmten Eingriffe in die Natur.

LN: Ist denn geklärt worden, wer diese Eingriffe verschuldet, wer die Hauptschuld trägt?
Stülcken: Nein, das ging im Einzelnen nicht. Es ist zum Beispiel meines Erachtens bis heute nicht abschließend geklärt, wer den Blankensee verunreinigt hat und seit wann es diese Verunreinigung gibt.

LN: Wie war die Atmosphäre in den Gesprächen?
Stülcken: Immer offen, das war ganz wichtig. Es ist mir gelungen, Vertrauen herzustellen. Vor allem, weil wir von Anfang an Vertraulichkeit vereinbart hatten. Das haben alle Beteiligten bis zuletzt eingehalten.

LN: Wer waren die wichtigsten Personen auf beiden Seiten?
Stülcken: Auf Seiten der Umweltverbände Brigitte Dowideit, Rolf Jünemann und Reinhard Degener, auf Seiten des Flughafens Matthias Seidenstücker, später Johannes Scharnberg, auf Seiten der Stadt der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, Frank Lammert, und sein Mitarbeiter Klaus Breitrück.

LN: Wo haben Sie getagt?
Stülcken: Wir haben erst im Umweltamt und später in den Media Docks getagt. Nicht in den Räumen der Flughafen-Gesellschaft, weil wir uns auf neutralem Boden begegnen wollten.

LN: Hatten Sie irgendwann mal Zweifel, dass der Kompromiss gelingen wird?
Stülcken: Es gab schon Momente, in denen die Sache sich nicht bewegte. Es gab Denkpausen, in denen sich die Beteiligten mit ihren Gremien und Rechtsberatern absprechen mussten. Einen Rückschritt konnte ich aber nie feststellen.

LN: Es gibt Kritik an den Verbänden, die hätten sich ihre Zusagen abkaufen lassen. Ihre Bewertung?
Stülcken: Wenn man überhaupt von kaufen reden kann, dann haben die Naturschutzverbände ihre Interessen sehr teuer verkauft. Für den Flughafen ist der Kompromiss ein Schritt voran, aber für den Naturschutz rund um den Flughafen ein großer Sprung.

LN: Es gibt auch an Flughafen und Stadt Kritik, dass die einen zu hohen Preis zahlen. Wie sehen Sie das?
Stülcken: Ich kenne die Verträge zwischen Stadt und Flughafen nicht. Die Regelungen der beiden untereinander spielten für die Mediation keine Rolle.

LN: Sie haben den Job ehrenamtlich gemacht. Wie viele Stunden haben Sie investiert?
Stülcken: Wir haben in 19 Sitzungen verhandelt, jede dauerte in der Regel zwischen fünf und sechs Stunden. Zusätzlich gab es bilaterale, fachbezogene Runden und zahlreiche Telefongespräche. Alles in allem dürften 350 bis 400 Stunden zusammengekommen sein.

LN: Das Verhältnis zwischen dem Flughafen und den Umweltverbänden, anliegenden Gemeinden und Bürgern ist seit Jahren angespannt. Hat der Flughafen in der Vergangenheit im Umgang zu viele Fehler gemacht?
Stülcken: Der Flughafen hätte bei den Vorhaben der Vergangenheit früher informieren sollen. Die Betroffenen wurden in diesem Zusammenhang teilweise vor vollendete Tatsachen gestellt. Der Umgang war nicht so offen wie unter der jetzigen Geschäftsführung.

LN: Der Flughafen muss weitere Probleme abräumen. Gemeinden und Bürger kämpfen weiterhin gegen den geplanten Ausbau. Würden Sie weitere Mediationen empfehlen?
Stülcken: Ja. Vor einer rechtlichen Auseinandersetzung sollte dieser Weg gesucht werden.

LN: Glauben Sie, dass der Flughafen den Durchbruch geschafft hat?
Stülcken: Das wird man erst sagen können, wenn die Planfeststellungsunterlagen veröffentlicht und diskutiert sind. Dann wird man sehen, ob weitere Hürden auftauchen, die das Ausbauvorhaben wieder bremsen.

LN: Was halten Sie eigentlich von Billigfliegerei?
Stülcken: Ich stehe der Billigfliegerei skeptisch gegenüber, und ich zweifle daran, dass sich die jetzige Preisgestaltung bei der derzeitigen allgemeinen Kostenentwicklung halten wird.

Interview: Kai Dordowsky, LN
vom 03.02.08
Foto:  Mediator Andreas Stülcken hat die Beziehung zwischen Stadt, Flughafen und Umweltverbänden auf eine neue vertragliche Basis gestellt. Foto: Maxwitat

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