Diese Website empfehlen:

letzte Kommentare

RSS

Wer ist Online?

Wir haben 86 Gäste online
The next version of Ubuntu is coming soon
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner

Geschrieben von: LN Beitrag Freitag, den 05. März 2010 um 00:00 Uhr

17.stadtbahnStadtbahn: Blütentraum oder Zukunft des Nahverkehrs? Ein grüner Traum kommt seiner Erfüllung ein Stück näher: Die Stadt gibt eine Studie über eine Stadtbahn in Auftrag. Die Studie kostet 120 000 Euro, eine Stadtbahn etliche Millionen. Grünes Spielzeug oder ökologisch zukunftsweisende Investition? Seit mehr als zehn Jahren liebäugeln die Grünen, Umweltverbände und der Fahrgastverband Pro Bahn mit dem Bau einer Stadtbahn in der Hansestadt.
Bislang scheiterten alle Versuche, das System für Lübeck wenigstens einmal von Fachleuten durchrechnen zu lassen, an den fehlenden Mehrheiten in der Bürgerschaft. Das ist jetzt anders: SPD, Grüne und Linke haben beim Haushaltsbeschluss auch 120 000 Euro für eine Machbarkeitsstudie bereitgestellt.

Für Grüne und Linke ist das gut angelegtes Geld. „Die Stadtbahn ist positiv für das Klima und das bessere Nahverkehrssystem", erklärt Antje Jansen (Linke), „die Stadtbahn ist schneller und hat Vorrang vor dem Autoverkehr." Das System fahre nahezu geräuschlos, hebe die Wohnqualität der Strecken-Anwohner und sei deutlich attraktiver als Busse, sagt Hans-Jürgen Schubert. Nach Angaben des Grünen-Politikers ist zunächst an ein Basisnetz von 24 Kilometern von Nord nach Süd und Ost nach West gedacht. Bau von Strecken und Kauf von Wagen würden grob geschätzt 250 Millionen Euro kosten. Bund und Land zahlen Zuschüsse bis zu 75 Prozent. Lübeck müsste seinen Anteil über acht bis neun Jahre finanzieren, so Schubert: „Trotz hoher Verschuldung ist das zu leisten."

Die Reaktionen sind gemischt. Als „zuverlässigen und komfortablen Nahverkehr" beschreibt Thomas Rettmer, Regionalvorsitzender von Pro Bahn, die Stadtbahn. Der Fahrgastverband habe schon 1998 Konzepte und Linienführungen vorgestellt. Rettmer: „Damals wurden wir als größenwahnsinnig belächelt." Eine Machbarkeitsstudie sei nur sinnvoll, wenn Lübeck ernsthaft über das Thema debattiere. „Schienengebundene Nahverkehre erfreuen sich großer Beliebtheit", weiß Willi Nibbe, Chef des Stadtverkehrs, „wir unterstützen jede Maßnahme, die den ÖPNV stärkt." Sogar die Wirtschaft ist nicht abgeneigt. „Andere Städte haben gezeigt, dass Stadtbahnen die Verkehrssituation entscheidend verbessern können", sagt Prof. Bernd Rohwer, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK). „Wir begrüßen Überlegungen, ein solches Konzept auch für Lübeck zu prüfen", so Rohwer. Wichtig sei eine vernünftige Kosten-Nutzen-Relation. Aber kann eine völlig überschuldete Stadt sich eine solche Investition leisten?

„Das ist rausgeschmissenes Geld", sagt Andreas Zander (CDU). Schon 1998 sei von Kosten von bis zu 90 Millionen Euro die Rede gewesen, so der Fraktionschef: „Das kann sich Lübeck in absehbarer Zeit nicht leisten, deshalb kann man sich die Machbarkeitsstudie sparen." Raimund Mildner (BfL) rät, erstmal mit Hilfe der Fachhochschule zu recherchieren, ob das System in Lübeck funktioniere, „bevor 120 000 Euro ausgegeben werden". Bei der SPD ist man zurückhaltend. „Man darf die Stadtbahn nicht als Spinnerei abtun", erklärt Fraktionschef Peter Reinhardt. „Der jetzige Busverkehr ist defizitär, da muss man über Alternativen nachdenken."

Kiel ist schon deutlich weiter. Seit 1998 wird an der Stadt-Regionalbahn geplant. Für 24 Kilometer innerstädtisch und 108 Kilometer in Umlandkreise werden 380 Millionen Euro fällig. Die Landeshauptstadt hat bereits diverse Untersuchungen vorliegen. Förderanträge seien aber noch nicht gestellt, erklärt Projektleiterin Manuela Rückert. Die Aufteilung der Kosten müsse noch geklärt werden, es fehlten noch Planfeststellung, Umweltverträglichkeitsprüfung, ein möglicher Betreiber für die Bahn und die Bauentscheidung durch die Ratsversammlung, so Rückert.

Vor etwas mehr als 50 Jahren rollte die letzte Straßenbahn durch Lübeck. Sie sei zu teuer, zu rückständig und brauche zu viel Platz lauteten die Argumente für die Abschaffung. Thomas Rettmer von Pro Bahn: „Das war ein großer Fehler."

Von Kai Dordowsky
Ln-online/lokales vom 05.03.2010 00:01
Fotos: Von 1880 bis 1959 bestritten Straßenbahnen den öffentlichen Nahverkehr – hier bei der Fahrt durch das Burgtor. Seit nunmehr 51 Jahren setzt Lübeck auf Busse. Seit mehr als zehn Jahren wird aber über die Wiederkehr des Schienenverkehrs diskutiert.Foto: Helmut Ebert
Banner