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Geschrieben von: LN Beitrag Donnerstag, den 11. März 2010 um 00:00 Uhr

22.heinrich_mannsIm Lübecker Buddenbrookhaus ist ab heute eine kleine, aber feine Ausstellung zum Film „Henri 4" nach den Romanen von Heinrich Mann zu sehen.Bei der Vorstellung des üppigen Kostümfilms am Mittwoch im Filmhaus war die Zahl der Zuschauer überschaubar, keine 20 Menschen wollten Anteil am Schicksal des Königs Heinrich IV. von Frankreich nehmen. Ein Publikumsrenner wird der Film von Jo Baier hierzulande wohl nicht, trotzdem ist es lobenswert,
dass das Buddenbrookhaus dem Epos eine Ausstellung widmet. Schon allein, weil endlich einmal das belletristische Hauptwerk von Heinrich Mann im Mittelpunkt des Interesses steht. Und außerdem, weil im Gewölbekeller des Hauses Mengstraße 4 die Originalkostüme und Requisiten aus dem Film eine ganz eigenwillige Wirkung entfalten.
Regisseur Jo Baier* war gestern zur Vorstellung der Schau in Lübeck. Viele Jahre der Vorbereitung stecken in dem Mammutprojekt, das er gemeinsam mit Produzentin Regina Ziegler verwirklichte. Ein Budget von knapp 20 Millionen Euro, 72 Drehtage an 21 Orten in Deutschland, Frankreich und vor allem Tschechien – „Henri 4" ist wirklich für europäische Verhältnisse eine Mammutproduktion. Die Romane von Heinrich Mann sieht Jo Baier dabei nicht als pure literarische Staffage, sondern als ernsthafte Vorlage für das von ihm selbst verfasste Drehbuch: „Heinrich Mann hat sehr genau recherchiert, die historischen Abläufe sind exakt dargestellt. Daran habe ich mich natürlich gehalten. Auch die Darstellung der Zustände am französischen Hof, die wie eine Freak Show anmuten, entsprechen genau der Schilderung in Heinrich Manns Romanen." Diese Hofszenen mit Hannelore Hoger als erzböser Königinmutter Katharina von Medici, dem herausragenden Ulrich Noethen als neurotischem König und dem hintertrieben-lasterhaft grinsenden Devid Striesow als d'Anjou sind Höhepunkte des Films, der ansonsten – wie eigentlich alle Literaturverfilmungen – kürzen, vereinfachen und zusammenfassen muss. Geblieben ist die zentrale Botschaft der beiden Romane Heinrich Manns: „Gewalt ist stark, stärker ist die Güte." Diese Maxime stammt von Montaigne, den Heinrich Mann in den Romanen heftig mit Heinrich disputieren lässt. Das findet im Film nicht statt, der Aufruf zur Toleranz ist dennoch deutlich. Und insofern ist „Henri 4" ebenso ein politischer Film, wie Heinrich Manns Romane politische Literatur waren, eine vernichtende Kritik der Hitlerdiktatur in historischer Camouflage. Der Film funktioniert als Historienstreifen aber auch, wenn man Manns Romane nicht gelesen hat – das liegt an der Stimmigkeit der Bilder, der sehr guten Besetzung und dem schnellen, aber nie übertrieben hektischen Schnitt.
Was im Buddenbrookhaus zu sehen ist, vermittelt einen guten Eindruck vom Filmgeschehen. Die Kostüme, die Waffen (meist mit Gummi-Klingen), der Krönungsmantel der französischen Könige samt der Krone: Jo Baier hat seinen Film mit viel Sinn für Details gedreht, das erkennt man an den Requisiten. Ergänzt wird die Film-Schau durch zeitgenössische Reaktionen auf Heinrich Manns 1935 und 1938 erschienene „Heinrich"-Romane. Bruder Thomas nannte sie einen „großen Sieg des ausgewanderten deutschen Geistes über Hitlerdeutschland", Ludwig Marcuse sinnierte darüber, dass letztlich „der Glaube an die Vernunft stärker ist als das Grauen der Bartholomäusnächte". Hoffen darf man das.
Bis zum 18. April im Buddenbrookhaus

Von Jürgen Feldhoff
ln-online/lokales vom 11.03.2010 00:00
Foto: Originalkostüme aus dem Film „Henri 4" gehören zu der kleinen Ausstellung im historischen Gewölbekeller des Buddenbrookhauses. >Foto: TIM JELONNEK
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