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Geschrieben von: LN Beitrag Sonntag, den 28. März 2010 um 00:00 Uhr

29.demostrationDemolierte Schaufenster, gesperrte Straßen, satte Umsatzeinbußen: Händler, Anwohner, Reisende und Autofahrer ärgern sich über den Demo-Tag.Vor Tanja Jeschkeits Fenster stehen die Polizisten mit Helmen und schwarzen Vollschutzanzügen. Über den Ziegelteller rasen Polizeifahrzeuge mit Blaulicht, und in der Luft kreist ein Hubschrauber. „Ich bin schockiert", sagt die Anwohnerin aus den Steinrader Weg gegen Mittag, wo in wenigen Minuten der
Aufmarsch der Rechten entlangziehen wird.„Jedes Jahr der gleiche Wahnsinn, was das alles kostet", ärgert sich die Mutter zweier Kinder, die die Demo zum dritten Mal erlebt. „Schon wieder können wir den ganzen Tag nicht aus dem Haus." Als die Rechten um kurz nach 13 Uhr die Straße entlangkommen, ruft ihre zwölfjährige Tochter: „Ganz schlimm ist das alles. Ich habe Angst."
Viele Anwohner im Steinrader Weg haben Schilder „Nazifreie Zone" in ihre Fenster gehängt, und Karl Otto Paulsen ist sogar eher aus dem Urlaub gekommen, um an den Gegendemonstrationen teilzunehmen. „Als Kind habe ich Hitler aus dem Volksempfänger schreien hören", sagt der Pastor im Ruhestand, „und es regt mich auf, wie die Rechten die Geschichte verfälschen."
Anwohnerin Michaela Guip wäre nach dem Brötchenholen fast nicht wieder in ihre Wohnung gekommen. „Die Polizei wollte meinen Ausweis sehen, den hatte ich natürlich nicht dabei", sagt die Lübeckerin, die am Mittag verreisen will und erneut durch Polizeikontollen muss. „Hoffentlich verpasse ich meinen Zug nicht."
Im Bahnhof sortiert Kirsten Hinze (31) bei „Presse + Buch" Zeitschriften. „Wir haben Umsatzeinbußen von nahezu hundert Prozent. Ich hab' ja nur die Polizisten, denen ich Kaffee verkaufen kann." Andere Geschäfte haben erst gar nicht geöffnet, fast die komplette Ladenzeile im Bahnhof ist zu.
Während auf dem Bahnhofsvorplatz die Kundgebungen stattfinden, steht Rolf Thiel in seiner Tabakbörse in der Werner-Kock-Straße. „Das Geschäft läuft nicht so gut", sagt der Inhaber und hat sich schon um sieben Uhr über Verkehrsbehinderungen geärgert. „Über die Fackenburger Allee sind wir nicht zum Laden gekommen und mussten einen langen Umweg fahren."
Geschäftsmann Hans Frick schätzt die Umsatzeinbußen auf im Schnitt 50 Prozent. „Die Stadt ist ziemlich leer", sagt der Präsident des Einzelhandelsverbandes Nord e.V. „Dieser Tag ist Gift für den Einzelhandel." Besonders die Ausschreitungen am Kohlmarkt seien „sehr unschön", so Frick.
Eine Gruppe von Vermummten randalierte dort um die Mittagszeit und beschädigte innerhalb weniger Minuten mehrere Geschäfte. Mit Ziegelsteinen wurden unter anderem die Schaufensterscheiben von Peek & Cloppenburg, eines Telekom-Ladens und des Schuhgeschäftes Schümann beschädigt. „Ich war im Blumenladen, als es auf einmal knallte und Rauchbomben geschmissen wurden", erzählte ein Passant. „Die Leute sind panisch in Richtung Rathaus gerannt und haben ,Das ist wie im Krieg' geschrieen."
Nach Ansicht von Karstadt-Chef Andreas Joslyn war der Tag hinsichtlich des Ablaufes und der Umsatzeinbußen „noch ein Stück schlechter" als der im Vorjahr. „Ich bin besonders verärgert über die Sachbeschädigungen", sagt Joslyn als Vorstandsmitglied des Lübeck-Managements. „Jetzt müsste es doch endlich
möglich sein, den Aufmarsch der Rechten zu verbieten."
ln-online/lokales vom 28.03.2010 00:00:08
Foto: Die Reisende Michaela Guip muss mittags auf dem Weg zum Bahnsteig durch mehrere Polizeikontrollen. Auch in ihre Wohnung im Steinrader Weg war die Anwohnerin am Morgen nicht problemlos gelangt.
Nach dem Brötchenholen am Morgen sollte sie ihren Ausweis zeigen, um in ihre Wohnung zu gelangen. Foto: LN
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