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Geschrieben von: LN Beitrag Mittwoch, den 03. März 2010 um 00:00 Uhr

008.radio_liveGestern sendete der Deutschlandfunk live aus dem OP der Uniklinik. Es ging um die Gallenblase. Und der Expertenrat aus der Hansestadt erreichte so sogar Australien.
Diese Form der Berichterstattung liebt er; er hat sie auch Anfang der 1990er Jahre etabliert, zuerst beim Hessischen Rundfunk, dann im ZDF, jetzt im Deutschlandfunk. Nah am Patienten, nah am Chirurgen, nah am „Tisch" live aus dem Operationssaal.
„Der OP galt früher als tabuisierte Zone, um die sich viele Geheimnisse rankten. Der Aufklärungsbedarf war entsprechend hoch und ist immer noch vorhanden", erklärt Christian Floto kurz, bevor er auf Sendung geht. Das Besondere diesmal: Er berichtet live aus einem der OP- Säle im Lübecker Uniklinikum. Das Thema: „Zwischenspeicher Gallenblase – Chirurgische Eingriffe an dem kleinen Hohlorgan sind immer erfolgreicher."
Oberarzt Dr. Karsten Köppe aus der Klinik für Chirurgie und sein Team haben bei der Patientin bereits das „Corpus delicti", den Schmerzauslöser, identifiziert. „Hier kann man einen der Gallensteine sehen", erläutert Floto, der das Geschehen auf einem Monitor im OP beobachten kann, den Hörern zu Hause. Er lässt das Mikrofon wieder zum Operateur wandern, damit dieser auch sein Vorgehen kommentieren kann. Später wird Floto sagen, dass die Schilderungen des Arztes am Mikrofon besonders authentisch waren und man so den Denk- und Handelsprozess des Mediziners sehr gut nachvollziehen konnte. Alles ist minutiös geplant. Insgesamt 21 Minuten Sendezeit hat der Leiter der Redaktion „Wissenschaft und Bildung" für seine Vor-Ort-Eindrücke.
Zwischendurch meldet sich immer wieder Moderator Carsten Schröder, der mit einem Kopfhörer ausgestattet ist. Schröder steht mit Chirurgie-Chef Professor Hans-Peter Bruch ein Stockwerk höher am „Infopunkt 8" im Zentralklinikum. Auf einem Stehtisch liegen die Manuskripte mit Fragen und dem detaillierten Ablaufplan der Sendung. Ein weiteres sehr wichtiges Utensil: Eine große Digital-Uhr. Schließlich ist alles auf die Minute genau abgestimmt; Musik, Nachrichten, Verkehrsfunk müssen in die 80-Minuten-Sprechstunde integriert werden. Ab und zu kommt ein Patient vorbei und lauscht den Erklärungen des Professors. Ein Aufsteller mit der Aufschrift „Hören ist Wissen" und „Deutschlandfunk" weist unaufdringlich auf den Hintergrund des gerade ablaufenden Expertengesprächs hin.
Alle vier bis sechs Wochen sei das DLF-Team vor Ort und würde live am Dienstagvormittag ab 10.10 Uhr aus einem OP und einer Klinik berichten, sagt Christian Floto nach der Sendung. Dass diesmal das UKSH in Lübeck ausgewählt wurde, hat nichts mit den nostalgischen Gefühlen des Medizin-Journalisten zu tun. Obwohl dieses gar nicht so fern liegt, da Christian Floto gebürtiger Lübecker ist und auch auf dem hiesigen Campus von 1977 bis 1981 an der damaligen Medizinischen Hochschule die klinischen Fachsemester und das Praktische Jahr absolviert hat.
„Mit der Entscheidungsfindung hatte ich aber nichts zu tun", versichert der 54-Jährige, „wir wollten einfach mal eine Sendung über Probleme mit der Gallenblase machen, und unser Volontär kam dann letztlich mit dem Recherche-Ergebnis ,Lübeck' zu mir. Hier ist einfach das führende Zentrum in Deutschland auf diesem Gebiet." Vor 16 Jahren war Floto übrigens schon mal dienstlich in der Hansestadt. „Damals hatte ich mir allerdings in der Tat vorgenommen, meine erste ZDF- Sendung an meiner Heimat-Fakultät zu drehen. Da ging es um eine Hüft-OP."
Als schließlich um 11.30 Uhr das „Journal am Vormittag" schließt und die DLF-Techniker ihr Equipment – darunter hunderte Meter Kabel – einpacken, geht die Arbeit für die Ärzte weiter. So stellt sich beispielsweise der Chirurgie-Chef 90 Minuten lang am Telefon den Hörer-Fragen. „Es kam sogar ein Anruf aus dem australischen Sydney. Das war schon alles eine gute Sache für Lübeck. Und wenn es den Menschen hilft, ist jeder Aufwand gerechtfertigt", resümiert er zufrieden.
Von Michael Hollinde
Ln-online/lokales vom 03.03.2010 00:00
Foto: Christian Floto (vorne links) bespricht sich mit Assistent Hans Meikis, während im Hintergrund das Team um Oberarzt Dr. Karsten Köppe eine Gallenblasen-OP vornimmt. Foto: ROESSLER
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