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Geschrieben von: LN Beitrag Dienstag, den 02. Februar 2010 um 00:00 Uhr

aviao_420Das Bürgerbegehren zum Erhalt des Lübecker Flughafens ist ein Riesenerfolg. Fast leichtfüßig wurde die vom Gesetzgeber unerbittlich hoch gelegte Hürde zum Bürgerentscheid genommen. Die Chancen, dass Lübecker Einwohner den Beschluss ihrer Bürgerschaft zum Aus des Flughafens kippen, sind groß. Und das ist eine basisdemokratische Sensation.Die Tatsache, dass Flughafengegner vereinzelt erbost waren über die auch in den Geschäften ausgelegten Unter schriftenlisten, darf nicht darüber hin wegtäuschen, dass diese Listen Sinnbild eines demokratischen Grundrechtes sind, das zu selten ausgeübt wird.

Beim Thema Flughafen wird es in Lübeck niemals einen Konsens geben; nur das ist sicher. Die Erde ist verbrannt. Doch die große Zahl der Lübecker Bürger, die Ja zum Flughafen sagen, wird man nicht leichtfertig in die Ecke fanatischer Billigfliegerfreunde stecken können. Es sind auch keine Menschen, die sich über Fluglärm freuen, es sind Bürger, die sich eine Frage stellen, die in Lübeck viel zu selten gestellt wird: Welches Ziel hat diese Stadt? Welche Rolle soll Lübeck in 20 Jahren im Ostseeraum spielen? Und wenn die Antwort lautet, dass diese Hansestadt in der künftigen Ostsee-Boomregion ein Wörtchen mit reden will, im engen Schulterschluss mit der großen Hanseschwester Hamburg, dann ist ein regionaler Flughafen kaum verzichtbar. Mal ganz brutal gesagt: Wer Lübecks Wachstum will, darf sich nicht die Frage stellen, ob der Flughafen irgendwann Gewinn abwirft. Er muss seriös die Frage beantworten, wie viel Kaufkraft durch den Airport in der Region liegenbleibt. Und diese Einnahmen (wenn es sie gibt) müssen dem Defizit entgegengestellt werden. Vor einem solchen Finanzierungsmodell kann sich auch das Land nicht drücken.

Allerdings darf Lübeck nicht allein von der rigorosen Ryanair abhängen. Wer nur auf die Billigflieger und Touristen setzt, wird abstürzen. Ein Lübecker Flughafen muss ebenso wie der Hafen die Ostseestädte verknüpfen, darf nicht nur nach Süden schielen. Das gelingt auch mit verträglichen Abflugzeiten und Flugzeugmen­gen. Klar: Wer das alles nicht will, darf auch nicht klagen, wenn er merkt, wo er lebt – im Museumsdorf.

VON TORSTEN TEICHMANN

Quelle : LN 03.01.2010

 

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