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Geschrieben von: HL-live Freitag, den 02. April 2010 um 00:00 Uhr

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01.kreuzwegRund 600 Gläubige pilgerten am Karfreitag von St. Jakobi auf den Jerusalemsberg vor dem Burgtor. Das entspricht der Strecke von Jerusalem nach Golgatha. Eingeladen hatten die evangelische und die katholische Kirche. Bei strahlendem Sonnenschein zog die Prozession durch die Stadt. An fünf Stationen wurde gesungen und gebetet. Dort wurden auch kurze Ansprachen von Bischöfin Maria Jepsen,
Vor der JakobikirchePropst Franz Mecklenfeld, Pröpstin Petra Kallies, Björn Engholm, Pastor Lutz Jedeck, MuK-Geschäftsführerin Ilona Jarabek, Pastorin Kathrin Jedeck und Erzbischof Dr. Werner Thissen gehalten.
Bei seiner Ansprache an der Kreuzigungsgruppe aus dem 15. Jahrhundert erinnerte der Hamburger Erzbischof Dr. Werner Thissen an das "Große Schuldbekenntnis", das Papst Johannes Paul II. im Jahr 2000 für die Kirche abgelegt hat. "Aber das reicht nicht. Jeder und jede von uns muss auf je eigene Weise seine Schuld bekennen und um Vergebung bitten." Jesus Christus sei für die Schuld der Menschen am Kreuz gestorben: "Das Kreuz Christi bedeutet die Bewältigung von Schuld und Tod. Das Kreuz Christi bedeutet Vergebung und Leben."
In seiner Ansprache an der vierten Station nannte Ministerpräsident a.D. Björn Engholm das Eingeständnis und besonders die Vergebung von Schuld eine Sysiphusarbeit: "Kann ein afghanisches Vater, dessen Söhne bei einem Bombenangriff in Kunduz getötet wurden, vergeben?" Wo man keine Vergebung gewähre, da herrschten Angst, Hass und Rache; die Folge sei Unfriede: "Vergebung schafft Frieden."
Der Lübecker Kreuzweg ist der älteste in Deutschland. Der Lübecker Kaufmann Hinrich Konstin (an ihn erinnert im Namen noch der Konstinkai) pilgerte im 15. Jahrhundert nach Jerusalem. Er schritt die dort Via Dolorosa ab, den Leidensweg Christi aus der Stadt nach Golgatha und fand das so aufregend, dass er beschloss, etwas Ähnliches in Lübeck nachzubauen.
Aus dem Testament des 1482 gestorbenen Kaufmanns wurde 1493 der Kreuzweg angelegt. Erste Station ist an der Jakobikirche, wo ein Relief in der Nordwand daran erinnert. In mehreren Stationen geht es dann weiter zum Jerusalemsberg, der hierfür eigens aufgeschüttet und mit einem Denkmal versehen wurde. Die Weglänge entspricht genau dem Weg von der Via Dolorosa nach Golgatha.
Durch die Reformation 1531 geriet der Kreuzweg in Vergessenheit. Erst 1994 nahme die katholische Gemeinde die Idee wieder auf. Seit 2002 pilgern nun alle Christen gemeinsam. An den ersten Kreuzwegen nahmen rund 50 Gläubige teil. Über den Lübecker Kreuzweg ist auch ein Buch erschienen.
Es ist für 4,95 Euro im Buchhandel, dem K-Punkt und in St. Jakobi erhältlich.
Autor: red. vom 02.04.2010 11.58
HL-live online
Rund 600 Gläubige nahmen am Freitag am ältesten Kreuzweg Deutschlands teil. Fotos: JW/VG
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