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Geschrieben von: LN Beitrag Donnerstag, den 08. April 2010 um 00:00 Uhr

39.schlutupHeimatforscher schlägt neuen Namen vor. Martin Hesekiel statt Günther Quandt: In der Diskussion über die mögliche Umbenennung eines kleinen Platzes in Schlutup bringt Heimatforscher Horst Schwanke einen ganz neuen Namen ins Spiel. Statt den Platz nach KZ-Opfern zu benennen, sollte ein verdienter Pastor gewürdigt werden, so Schwanke.
Wie berichtet fordert eine Gruppe von Bürgern um die SPD-Politikerin Ute Friedrichsen, den Günther-Quandt-Platz in Schlutup umzubenennen. Quandt habe mit den Nazis kooperiert und als Unternehmer mit Zwangsarbeitern Geld verdient. Aufgerüttelt durch eine NDR-Dokumentation über die Familie Quandt und den Wehrwirtschaftsführer, zu dessen Unternehmensimperium auch die Munitionsfabriken in Schlutup gehörten, machen sich Friedrichsen und andere Bürger für einen neuen Namen des kleinen Platzes stark. Dabei haben sie mehrere Vorschläge unterbreitet – allesamt sind Opfer des Nazi-Regimes geworden.
Heimatforscher Schwanke geht einen anderen Weg. „Es wäre schön, wenn man nicht jemanden von außerhalb nehmen würde", erklärt der 68-Jährige, der schon fünf Bücher über die Geschichte des Fischerortes verfasst hat. Bei seinen Recherchen stieß er schnell auf einen Namen: Martin Hesekiel. Der 1912 in Posen geborene, studierte Theologe wurde 1946 Pastor für die Vertriebenenlager in Lübeck. Von 1947 bis 1959 arbeitete er als Pastor in der St. Andreas-Kirche in Schlutup. „Hesekiel steht für Versöhnung und Aufbau", sagt Schwanke. Der kleine Fischerort mit seiner aufstrebenden Fischindustrie und der Rüstungsindustrie erlebte in der Nazi-Zeit und nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches einen ungeheuren Bevölkerungszuwachs. Der Ort war voller sogenannter Fremdarbeiter und Flüchtlinge. „Hesekiel richtete eine Baracken-Kapelle ein, organisierte das Gemeindeleben und baute die Jugendarbeit auf", erinnert sich der Heimatforscher, „er gründete einen Chor und einen Bootsclub." Es sei ihm gelungen, die nicht allzu herzlichen Alteingesessenen und die Zuzügler miteinander zu versöhnen. Schwanke: „Er sorgte für Frieden und wurde schnell zu einer Lichtgestalt für Schlutup."
Die Familie des 2003 verstorbenen Pastors habe ihr Einverständnis erklärt, berichtet der Heimatforscher. Voraussetzung: Es dürfe keinen politischen Streit über den Namen geben. „Wenn die Schlutuper das wollen, wird es uns freuen, unseren Vater mit einem Straßennamen bedacht zu wissen", schreibt eine Angehörige an Schwanke.
Ob der Quandt-Platz umbenannt wird, steht noch gar nicht fest. Laut Verwaltung muss zunächst der Nachweis einer Täterschaft erbracht werden. Offiziell gilt Günther Quandt als Mitläufer des Nazi-Regimes. Die Verwaltung prüft den Vorgang noch.
Von Kai Dordowsky
Ln-online/lokales vom 08.04.2010 00:00:08
Foto: Der gebürtige Schlutuper Horst Schwanke vor der St. Andreas-Kirche in dem Fischerort: Von 1947 bis 1959 wirkte Pastor Martin Hesekiel in dem Gotteshaus.
Hesekiel sei sehr volksnah gewesen und stand für Versöhnung und Aufbau. Foto: ULF-KERSTEN NEELSEN
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