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Geschrieben von: LN Beitrag Samstag, den 10. April 2010 um 00:00 Uhr

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37.muellwerkLübeck - Remondis, deutscher Marktführer unter den Entsorgern, will Lübeck die MBA abkaufen. Die wird gerade fit gemacht, um ab Juli Lübecks gesamten Biomüll zu schlucken.„Wir würden die Mechanisch-Biologische Abfallbehandlungsanlage gern für eine deutliche Summe übernehmen", erklärt Wolfgang Steen, Geschäftsführer von Remondis Region-Nord, auf Anfrage. Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) bestätigt das Angebot, fordert aber eine höhere Summe. Nach LN-Informationen sind rund 30 Millionen Euro im Gespräch. Die Einsammlung des Abfalls sowie die gesamte Entsorgungslogistik würden bei der Stadt bleiben. Lübeck hätte 20 Jahre lang Entsorgungssicherheit, und die Mitarbeiter der MBA würden übernommen. Remondis, das allein im Norden 50 Standorte betreibt (Müllverbrennungsanlagen, MBAs) und 2500 Mitarbeiter beschäftigt, bekäme im Gegenzug zwischen 180 und 200 Euro pro Tonne für die Müllbehandlung – ebenfalls fest auf 20 Jahre mit leichten Preissteigerungen. Nach einer Studie des Rostocker Professors Michael Nelles kostet die Abfallbehandlung in Lübeck derzeit bis zu 250 Euro.
Remondis-Geschäftsführer Steen: „Die Lübecker könnten hohe zweistellige Millionenbeträge einsparen."

„Der Vorschlag ist im Grundsatz bedenkenswert, aber das Angebot müsste deutlich verbessert werden", sagt Bürgermeister Saxe. Außerdem müsste die MBA öffentlich ausgeschrieben werden. Remondis-Geschäftsführer Steen: „Unser Angebot steht. Wir würden uns an einer Ausschreibung beteiligen." Bei den Politikern schlagen zwei Seelen in der Brust. Einerseits würden sie das Müllwerk, das viele Jahre lang durch Pannen Schlagzeilen machte, gern loswerden. Andererseits steckt ihnen die misslungene Privatisierung der Müllabfuhr noch in den Knochen.

Der Betriebsrat der Stadtreinigung (SRL) lehnt einen Verkauf strikt ab. Betriebsrat Thomas Benthien: „Die MBA gehört zu uns, wir wollen sie weiter betreiben." Die SRL-Chefetage will sich nicht äußern, denn sie arbeitet intensiv an einer besseren Auslastung der Anlage. Ab 1. Juli wird der gesamte Lübecker Biomüll – 16 000 Tonnen im Jahr – durch die MBA geschickt. Bislang wurde der Inhalt der braunen Tonnen in das Kompostwerk der Firma HHE an der Deponie Niemark entleert und dort zu Kompost verarbeitet. Ende Juni ist damit Schluss, die 1996 geschlossenen Verträge zwischen Stadt und HHE laufen aus. Für 500 000 Euro wird die MBA, die bisher nur Hausmüll behandelt, umgerüstet. Der SRL-Aufsichtsrat hat das Konzept abgesegnet, die Landesbehörden haben grünes Licht gegeben.

„Die MBA verarbeitet Restabfall und Biomüll strikt getrennt", erläutert SRL-Chef Manfred Wicke. Das bisher größte Problem der Anlage sei gelöst – die Versandung. Jahrelang kam das High-Tech-Müllwerk mit dem hohen Sandanteil im Hausmüll nicht zurecht. Durch Biomüll wäre das Problem weiter verschärft worden. Ein zwischengeschalteter Hydrozyklon – ein trichterförmiges Stahlgebilde, das für 100 000 Euro angeschafft wurde – filtere den Sand heraus, so Wicke. Dass die MBA viel zu groß gebaut wurde, erweist sich jetzt als Glücksfall. In der Anlage ist ausreichend Platz für den Biomüll.

Bitter ist die Umstellung für HHE. „Für uns entsteht eine problematische Situation", bestätigt Holger Pfau, einer der Geschäftsführer. Das bestehende Kompostwerk werde möglicherweise nicht weiter genutzt. Pfau: „Wir mussten außerdem zehn Mitarbeitern kündigen."
Von Kai Dordowsky
ln-online/lokales vom 10.04.2010 17:51
Foto: Ab Juli schluckt die Mechanisch-Biologische Abfallbehandlungsanlage (MBA) an der Deponie Niemark auch den gesamten Lübecker Biomüll – 16 000 Tonnen jährlich. Foto: LUTZ ROESSLER
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