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Geschrieben von: LN Beitrag Sonntag, den 11. April 2010 um 00:00 Uhr

44.nachwuchsVon den Nachbarn rausgeekelt. Lübeck - Das Viertel an der Falkenwiese gilt als beliebte Wohngegend. Doch Familien mit Kleinkindern beklagen wenig Toleranz gegenüber dem Nachwuchs. Als Tonia Iblher (33) mit ihrem Mann und zwei Kindern in das Falkenwiesen-Viertel zog, hat sie sich gefreut. „Wir waren fünf Parteien in dem Haus und haben uns sehr gut verstanden", sagt die Mutter von Jacob (4)
und Juliana (2). Das änderte sich vor etwa drei Jahren, als die Mieter unter ihnen wechselten: Für ein Paar mit Kind kam eines ohne. „Sie waren gewarnt worden, dass die Wohnungen sehr hellhörig sind", sagt Iblher. Aber die Gegend sei beliebt und Wohnungen mit Garten seien rar, fügt sie hinzu. „Als die Mieter unter uns nach einiger Zeit um mehr Ruhe baten, haben wir uns sehr bemüht", erinnert sich die 33-jährige Medizinerin. Sie versuchten, die Morgenstunden am Wochenende im Wohnzimmer zu bleiben, damit es im Schlafzimmer darunter nicht laut ist. Außerdem bemühten sie sich tagtäglich, das Laufen der Kinder über den Flur zu unterbinden und möglichst leise zu sein. „Ständig mussten wir die Kinder dafür maßregeln."

Iblher äußert Verständnis für die unten wohnenden Mieter. „Ich kann verstehen, dass Lärm nervt, aber man kann Kleinkindern doch nicht alles verbieten." Aufgrund „starker Lärmbelästigung" hätten die Bewohner unter ihnen schließlich weniger Miete gezahlt. „Was dazu führte, dass der Vermieter uns als asozial beschimpft hat und das Mietverhältnis schnellstmöglich beendet sehen wollte – ohne sich unsere Seite anzuhören." Nach einem Jahr „mieser Stimmung" hielt es die Familie nicht mehr aus und zog um. „Mit Kindern ist man finanziell und von der Energie her schnell am Ende", sagt die Lübeckerin.

Anke Herold (41) hat ähnliches erlebt. „Nicht lange, nachdem Ben (4) auf der Welt war, habe ich wegen Lärmbelästigung böse Briefe aus dem Haus bekommen", erinnert sich die alleinerziehende Mutter, die mit vier Mietparteien in einem Altbau wohnte. „Irgendwann hatte ich das Gefühl, jeder Legostein, der zu Boden fällt, wird ein Problem." Auch Kork und Teppich, den sie auslegte, habe nicht geholfen, sagt sie. „Die Beschuldigungen wurden immer ungerechter und persönlicher, so dass wir nur noch zum Schlafen und Essen nach Hause gegangen sind." Etwa ein Jahr nach Einzug sei ihr wegen Kinderlärm gekündigt worden, so Herold. Über den Zuschuss zum Umzug, den ihr die Vermieter zahlten, konnte sie sich nach allem nur noch wenig freuen.

Michiko Möhle (36) und Paul (3) denken auch nicht gerne an die Zeit in ihrer alten Wohnung zurück. „Anfangs war es im Haus sehr nett, aber als mein Sohn mit zwölf Monaten mobiler wurde und eine Zeitlang viel geschrieen hat, fingen die Probleme an." Die Alleinerziehende berichtet, wie das Missverstehen immer größer wurde und irgendwann Fahrrad, Karre und Anhänger platte Reifen hatten. „Es war so schlimm, dass wir ausziehen mussten."

Eva Lampe (28) und Alexander (33) Steffens haben die Probleme im Haus soweit gebracht, dass sie mit dem dreijährigen Lars und Ronja (1) in eine Ferienwohnung „geflohen" sind. Nun müssen sie doppelt Miete zahlen. „Wir haben es nicht mehr ertragen und sehen keine Perspektive mehr", sagt die zweifache Mutter und berichtet von einem Jahr voller Unstimmigkeiten, angestautem Ärger und „Gegenlärm".

Lampe bezeichnet ihre Mitmieter nicht grundsätzlich als kinderfeindlich: „Unser Vermieter ist sogar sehr kinderfreundlich und hat uns gerne die Wohnung vermietet, obwohl es im Haus schon einmal Probleme wegen Kinderlärm gab." Ein Grundproblem sei auch in dem Altbau zu sehen, meint die Familie. „Das Haus ist einfach extrem hellhörig, aber wir können einem Kleinkind doch nicht das Herumlaufen in der eigenen Wohnung verbieten?!"

Inzwischen haben alle vier Familien ein neues Zuhause gefunden: sogar im selben Viertel an der Falkenwiese. „Es ist nicht die Gegend das Problem, selbst wenn die Altbauten schlecht isoliert sind", sagt Tonia Iblher, die sich allerdings mehr Verständnis für Familien und ein toleranteres Miteinander wünscht: „Natürlich ist es unsere Privatentscheidung, Kinder zu bekommen", sagt sie, „aber es gibt doch auch eine gesellschaftliche Verpflichtung."
Von Cosima Künzel

ln-online/lokales vom 11.04.2010 00:00
Foto: Tonia Iblher (33) mit Jacob (4) und Juliana (2). Sie wurden als asozial
beschimpft und mussten sich eine neue Wohnung suchen. Anderen Familien
ist es ähnlich ergangen. Foto: COSIMA KÜNZEL
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