Diese Website empfehlen:

letzte Kommentare

RSS

Geschrieben von: LN Beitrag Mittwoch, den 14. April 2010 um 00:00 Uhr

Benutzerbewertung: / 10
SchwachPerfekt 
39.kiel-luebeckIn Hamburg werden die höchsten Netto-Einkommen erzielt. Lübeck liegt auf Platz 32 der 50 größten deutschen Städte – zehn Plätze vor der Landeshauptstadt Kiel.
Da war selbst Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD), der einiges gewohnt ist, baff. Nimmt doch die als chronisch arm verschrieene Hansestadt Lübeck im Einkommensranking von 50 deutschen Großstädten Platz 32 ein (von Hannover und Saarbrücken waren keine Daten vorhanden). Und rangiert damit zehn Plätze vor der Landeshauptstadt Kiel, die sich mit Rang 42 begnügen muss.
„Das hätte ich nicht erwartet“, sagte Saxe, der sich über das relativ gute Abschneiden Lübecks freute. Bürgermeister Saxe hätte nämlich aus seinem „Bauchgefühl“ heraus auf eine bessere Platzierung von Kiel getippt. Im Schnitt haben die Einwohner Lübecks mit 16 891 Euro im Jahr 1386 Euro mehr zum Ausgeben oder Sparen zur Verfügung als die Kieler. So arm sind die Einwohner Lübecks also gar nicht dran. Saxe, den eine städtische Schuldenlast von 1,2 Milliarden Euro drückt, ist damit freilich auch nicht geholfen.
Warum Lübeck Kiel den Rang abläuft, kann sich Saxe auch nicht erklären. „Schließlich haben die Landesregierung, viele Behörden sowie die Universität ihren Sitz an der Kieler Förde. Deren Personal verdient vergleichsweise ja nicht gerade schlecht.“
Die Auswertung der Einkommensstatistik des Hamburger Männer-Magazins „Men’s Health“ dürfte Kiels Oberbürgermeister Torsten Albig (SPD), der zur Zeit im Urlaub ist, kaum gefallen. Offiziell löst die rote Laterne bei den westdeutschen Großstädten aber keine Überraschung aus. „Dass Kiel keinen vorderen Platz belegt, ist nicht wirklich neu und sagt nicht viel über die Lebensqualität der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt aus“, meint Sprecher Tim Holborn. Der hohe Anteil an Studierenden, Menschen mit Hartz-IV-Leistungen oder in Berufsausbildungen senke automatisch das verfügbare Einkommen der Haushalte. „Das qualifiziert diese Menschen aber keineswegs als arm“, betont Holborn. Zudem arbeiteten viele Menschen in Kiel im Bereich der Dienstleistung, der häufig unterdurchschnittlich entlohne.
Den Gründen für Differenzen bei den Einkommen zwischen Lübeck und Kiel geht Martin Krause von der IHK Lübeck auf den Grund: „Ursache ist die Wirtschafts- und Bevölkerungsstruktur. In Lübeck ist der Anteil älterer Menschen mit höherem Einkommen größer als in der Landeshauptstadt. In Kiel gibt es zwar viele gut bezahlte Verwaltungsjobs. Deren Stelleninhaber leben aber vorzugsweise im Umland.“ In Kiel hingegen wohnten viele junge Menschen, die sich in der Ausbildung befänden oder wenig verdienten.
Für die Wirtschaft ist das verfügbare Einkommen ein wichtiger Gradmesser für die Kaufkraft. Sie wiederum beeinflusst die Standortentscheidungen privater Investoren.

Von Gerhard Krüger
ln-online/lokales vom 14.04.2010 00:00:08
Banner