Diese Website empfehlen:

letzte Kommentare

RSS

Geschrieben von: LN Beitrag Sonntag, den 18. April 2010 um 00:00 Uhr

Benutzerbewertung: / 0
SchwachPerfekt 
16.vulkanausbruchLübecker Pastorin: Urlaub im Schatten des Vulkans. Reykjavik/Lübeck - Millionen Menschen sind wegen des Flugverbots gestrandet – unter ihnen auch Ina von Kortzfleisch. Die 48-Jährige sitzt in Island fest.
Heute wollte Ina von Kortzfleisch mit ihrer Gemeinde und Hunderten von Bikern in und um die Lübecker Marienkirche herum einen Motorradgottesdienst feiern. Daraus wird nichts: Die Pastorin sitzt in Reykjavik fest.
Ursprünglich sollten es ein paar entspannte Urlaubstage bei ihrer Tochter werden, die in Island als Pferdewirtin arbeitet. Am Freitag wollte die Lübeckerin über Kopenhagen zurück nach Hause fliegen. Daraus wurde nichts. „In der Nacht zu Mittwoch wurden wir nachts um kurz nach vier von der Polizei aus dem Schlaf gerissen. Wir durften nur noch unsere Ausweise mitnehmen, dann wurden wir in Sicherheit gebracht“, sagt von Kortzfleisch.
Ihr Ferienhaus des Hotels „Flótslid Smáratún“ liegt mitten im bedrohten Überschwemmungsgebiet. Nachdem beim Ausbruch des Vulkans ein kompletter Gletscher weggerissen worden war, fürchteten die isländischen Behörden Schlimmes. „Wir sind zunächst auf dem Gehöft untergekommen, auf dem meine Tochter arbeitet“, sagt die Pastorin. Dort ist die Sorge groß: „Die Familie lebt – wie viele andere auch – von der Pferdezucht. Nach Tagesanbruch ist der Besitzer erst einmal losgefahren, um seine wichtigsten Zuchtstuten in Sicherheit zu bringen.“
Trotz der Ungewissheit seien die Isländer von bemerkenswerter Gelassenheit. „Kein Wunder, sie leben schließlich tagtäglich auf dem Vulkan und haben über die Jahre Notfallpläne entwickelt, die auch hervorragend funktionieren“, so die 48-Jährige. Nur mit großer Überzeugungsarbeit bei der Polizei gelang es der Lübeckerin am Donnerstag, noch einmal in das Ferienhaus zurückkehren zu dürfen: „Wir hatten nur 20 Minuten, um all unsere Sachen zusammenzupacken.“
Seither sitzen Mutter und Tochter in Reykjavik fest. Immer und immer wieder würden sie im Internet gucken, ob es Chancen gibt, von der Insel zu kommen. „Flüge gibt es nicht und auch die Fähren sind restlos ausgebucht“, so die Theologin.
Meteorologen und Vulkanologen in Reykjavik erklärten übereinstimmend, dass der Vulkan unter dem Gletscher Eyjafjalla weiter riesige Mengen Dampf und Asche in die Atmosphäre stößt und Änderungen nicht in Sicht sind. Dies werde „sicher noch Tage, vielleicht aber auch Wochen oder Monate so weitergehen“. In der östlichen Umgebung des Vulkans sorgt die massiv niederfallende Asche für immer mehr Dunkelheit auch am Tag. Davon bekommen die Lübecker nichts mit. „Bei uns ist strahlender Sonnenschein. Dafür schimmert der Gebirgszug nachts rot am Himmel“, sagt von Kortzfleisch. Sie hofft jetzt, in der kommenden Woche zurück nach Lübeck zu gelangen: „Ich will mit meinen Jugendlichen Konfirmation feiern.“

Von Bastian Modrow
ln-online/lokales vom 18.04.2010 09:00:00
Foto: Sitzen auf Island fest: die Lübecker Pastorin Ina von Kortzfleisch (48) und Tochter Johanna Schulz (23).
Banner