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Geschrieben von: LN Beitrag Sonntag, den 18. April 2010 um 00:00 Uhr

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17.afghanistanUni-Chirurg aus Lübeck hilft Kindern in Afghanistan. Einen Hilfseinsatz in Afghanistan hat Prof. Peter Sieg hinter sich. Zudem behandelt er derzeit einen Jungen aus dem Land am UKSH.
Eigentlich ist es erst zwei Wochen her, dass Professor Peter Sieg in eine ganz andere Welt abgetaucht ist. „Aber es wirkt schon wieder so weit weg. Der Klinikalltag hat einen ganz schnell wieder eingefangen“, erzählt der Direktor der Klinik für Kiefer-
und Gesichtschirurgie am Lübecker UKSH.
Schnell zurückgeholt ins ferne Afghanistan wird er allerdings, sobald er das Zimmer seines zurzeit jüngsten Patienten betritt, von Samiullah Hayfullah. Der 14-jährige Junge ist Dauergast auf seiner Station und wurde der Uniklinik von „RobinAid“ vermittelt, einer Stiftung, die ein humanitäres Netzwerk zur Rettung schwerst verletzter und schwerst erkrankter Kinder etabliert hat. „Sami wurde unweit seines Zuhauses von einem Lkw überrollt und hat unter anderem im Gesicht schwerste Verletzungen davongetragen“, erzählt Sieg. „Da die adäquate medizinische Versorgung seiner Wunden im Heimatland nicht möglich war, bekamen wir die Anfrage und waren gern bereit, ihn aufzunehmen.“
Drei von fünf notwendigen Operationen musste der Junge inzwischen über sich ergehen lassen, und vor Ende August wird er wohl auch nicht nach Afghanistan zurückkehren können. In das Land, von dem sich Peter Sieg mittlerweile einen kleinen Eindruck verschaffen konnte. „,RobinAid‘ hatte nämlich ebenfalls angefragt, ob ich nicht für 14 Tage in Kabul im French Medical Institute for Children operieren könne. Das Kinderkrankenhaus mit 100 Betten ist das einzige weit und breit.“ Und das, was Sieg in dieser Zeit gesehen und erlebt hat, bewegt ihn immer noch innerlich. „Ich war ja schon in einigen Kriegs- und Bürgerkriegsregionen als Chirurg im Einsatz, in Sierra Leone und Osttimor beispielsweise, aber so ein Ausmaß an Zerstörung habe ich noch nicht gesehen“, resümiert er, während er die digitalen Fotos auf seinem Notebook durchblättert. Allerdings werde an vielen Ecken in der Stadt auch gebaut. Viermal konnte er in Begleitung das Krankenhaus verlassen und die Umgebung erkunden. „Viel Grau, viel Staub und sehr viel Leid, überall Kriegsversehrte, Minenopfer, Kinder ohne Beine, ohne Füße oder Hände, viele Verbrennungsopfer.“
Bei seinem Aufenthalt konnte der Experte in plastisch-rekonstruktiver Chirurgie 30 Kinder behandeln. „Natürlich ist der Bedarf meilenweit größer und die Versorgungslage schlecht. Deshalb gibt dieses Kinderkrankenhaus den Menschen, die ich als sehr höflich, geduldig und kulturvoll erlebt habe, die Hoffnung, dass man sie nicht vergessen hat.“ Eine afghanische Kollegin habe ihm Fotos aus den 1960er Jahren gezeigt. „Da liefen die Frauen noch in Mini- Röcken herum, die Stadt war grün und städtebaulich attraktiv.“ Es sei kaum zu fassen, was sich seitdem dort abgespielt habe.

(Info: http://www.robinaid.de) [externer Link]

Von Michael Hollinde
ln-online/lokales vom 18.04.2010 00:00
Foto: Wenn es die Zeit zulässt, liest Prof. Peter Sieg seinem Patienten Sami etwas vor. Foto: MICHAEL HOLLINDE
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