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Geschrieben von: LN Beitrag Samstag, den 17. April 2010 um 00:00 Uhr

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03.rangerNaturschutzdienst: Der letzte Ranger tritt ab. 2007 beschloss die Bürgerschaft, den ehrenamtlichen Naturschutzdienst zu streichen. Im Juli geht der letzte Ranger von Bord. Er fordert, dass der Dienst wieder eingerichtet wird. Helmut Neu ist der letzte Lübecker Naturschutzdienstler. Am 7. Juli endet sein Ehrenamt, die Betreuung des Landschaftsschutzgebiets Wüstenei.
Der pensionierte Berufssoldat aus Stockelsdorf fordert in einem Schreiben an die Politiker, den Naturschutzdienst wiederzubeleben. „Die Abschaffung war falsch“, kritisiert Neu.
Vor drei Jahren beschloss die Bürgerschaft, die ehrenamtlichen Ranger in den Ruhestand zu schicken. Als Grund wurden 44 000 Euro Kosten im Jahr angegeben, die eingespart werden sollten. „Ich habe nie eine Betreuung erfahren“, bestreitet Neu den finanziellen Aufwand der Behörde. Tatsächlich sei der Lübecker Naturschutzbehörde die Arbeit mit den freiwilligen Aufpassern zu viel geworden, schreibt Neu an die Politiker und spricht vom „Deckmantel der Kosteneinsparung“.
Noch hat der frühere Soldat seinen Dienstausweis und seinen kleinen Anstecker an der Mütze. Seit fünf Jahren radelt er viermal in der Woche durch sein 390 Hektar großes Revier. Beobachtet, wie seit vier Jahren der Kranich hier brütet. Freut sich, wenn sich der Eisvogel zunehmend heimisch fühlt. Verfolgt mit Sorge, wie sich die Wildschweine vermehren. Notiert, dass der Kammmolch hier einen Lebensraum gefunden hat. Schwärmt von der „strukturierten Knicklandschaft“ und vom Mischwald, der dem strengen europäischen Schutz unterliegt.
Zu seinem Revier gehören aber auch 100 Hektar Naherholungsgebiet. „Wir haben viele Spaziergänger mit Hunden und Jogger hier“, erzählt Neu. Als Naturschutzdienstler darf er Bürger ermahnen, ihre Personalien notieren und sie des Ortes verweisen. „Ich habe in fünf Jahren zwei, drei Anzeigen geschrieben und einmal die Polizei gerufen“, bilanziert der 60-Jährige. Um für unangenehme Begegnungen gerüstet zu sein, hat er auf eigene Kosten ein Seminar zur Deeskalation an der Umweltakademie Schleswig-Holstein absolviert. Als „Müllpolizei“ ist er allerdings öfter gefordert. Kleinere wilde Kippen räumt er selbst weg, bei größeren Verunreinigungen ruft er die Entsorgungsbetriebe Lübeck zur Hilfe.
Im Mai 2002 hatte die damalige Umweltsenatorin Beate Hoffmann die Umwelt-Ranger installiert – nicht zuletzt, weil die amtlichen Naturschützer die Überwachung der Schutzgebiete nicht leisten konnten. „Die Politiker loben immer das Ehrenamt. Im Naturschutzbereich schaffen sie es ab“, bemängelt der 60-jährige Gemeindevertreter aus Stockelsdorf. „Das Ehrenamt wird im Naturschutzbereich zunehmend beschnitten“, bestätigt der Naturschutzbeauftragte des Landes, Klaus Dürkop. „Diese Mitarbeiter decken Dinge auf, die sonst nicht an die Öffentlichkeit kommen“, weiß Dürkop, „und sie sind manchmal unbequem.“ Vorbildlich sei der Naturschutzdienst in Ostholstein, der vom Kreis stark gefördert werde.
Alle Augen richten sich jetzt auf den neuen Umweltsenator Bernd Möller (Grüne). „Meine Partei hat damals für den Erhalt des Naturschutzdienstes gekämpft“, sagt der Senator. Aus Gesprächen mit Behörden und Umweltverbänden weiß er aber auch, „dass das alte System Probleme brachte“. Ehrenamtler hätten zum Teil ihre Kompetenzen überschritten, erfuhr Möller – was hinter vorgehaltener Hand auch Kenner der Szene bestätigen. Der neue Senator will jetzt erst einmal Diskussionen in Fachgremien führen, bevor er sich festlegt, ob der Naturschutzdienst wieder zum Leben erweckt wird.

Von Kai Dordowsky
ln-online/lokales vom 17.04.2010 00:00:08
Foto:Sein Blick schweift über Felder und Wälder: Helmut Neu (60) beobachtet ehrenamtlich, was sich im Landschaftsschutzgebiet Wüstenei tut. „Wir sind mehr als eine Müllpolizei“, sagt der frühere Berufssoldat. Foto: KAI DORDOWSKY
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