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Vergangenheit

Montag, den 19. Oktober 2009 um 19:01 Uhr

01_alte_karteStadtbaugeschichtliches

Die Verhältnisse an der Ostsee vor der Gründung Lübecks, ( 8Jh. bis 1138 )
Seit dem 8.Jh. übernehmen die Wikinger den Ostseehandel von den Friesen, allerdings sind ihre Raubzüge bekannter als ihre Leistungen als Händler. 845 wird Hamburg derart zerstört, daß Bischof Ansgar fliehen muß und der Bischofssitz von der "Hammaburg" nach Bremen verlegt wird. Der Handel der Wikinger ließ zunächst Birka und später Haithabu einen fast "städtischen" Charakter erlangen. Arabische Reisende bezeichneten beide als "volkreiche Städte". Um 970 wird Birka verlassen und 1066 zerstört eine slawische Flotte Haithabu. Obwohl Schleswig, die Nachfolgesiedlung Haithabu's am anderen Schleiufer, um 1070 Bischofssitz und vor 1150 Stadt wird, kann sie nicht an den wirtschaflichen Erfolg von Haithabu anknüpfen.
Die nächsten Händler in der Ostsee wurden die Slawen. Orte wie Wolin, Stettin und Danzig waren schon früh größere Häfen. An der Trave wurde um 819 der Fürstensitz der slawischen Obodriten "Liubice" (> Alt-Lübeck ) von einem Wall umgeben und langsam ausgebaut. Es gab eine kleine Kirche und eine Siedlung deutscher Kaufleute. Der Ort lag an der Trave zwischen dem heutigen Lübeck und der Flußmündung, auf einer Halbinsel, die durch die Mündung der Schwartau in die Trave entstand. Der Obodriten Fürst Heinrich (1093-1127) baute Liubice zu einem neuen Handelszentrum aus, aber bereits 1138 wurde Liubice durch eine slawische Flotte angegriffen und gründlich zerstört. Zwischen 1170 und 1184 überfiel der dänische König Waldemar Wolin viermal, daß sich davon nicht wieder erholte. Die Zeit war nun reif für den Aufstieg eines neuen großen Handelszentrums an der Ostsee.

Die Gründungen Lübecks, ( 1143 / 1159 )
Seit 1111 besaßen die Schauenburger das Grafenamt von Stormarn und Holstein. Hamburg wurde neu befestigt und 1134 unter Kaiser Lothar III die "Siegesburg" errichtet (Bad Segeberg). Es fehlte aber immer noch ein deutscher Hafen an der Ostsee. 1143 legte Graf Adolf II, an der Stelle der alten Burg Boku des slawischen Fürsten Cruto, eine neue gräfliche Burg an und ließ südlich davon eine Händlersiedlung mit Hafen errichten.
Der neue Ort befand sich etwa 4 km flußaufwärts (südl.) des alten slawischen Hauptortes Liubice und bekam auch dessen Namen; Liubice > Lübeck. Die heutige Altstadtinsel war damals noch eine Halbinsel, die erst durch einem Durchstich im 19.Jh. zu einer Insel wurde. Die Lübecker Altstadtinsel ist in N-S Richtung ca. 1,5 km lang und an der breitesten Stelle etwa 1km breit. Die Wakenitz nähert sich im Norden bis auf ungefähr 200 m der Trave von Osten, umfließt dann den östlichen Teil der Halbinsel und mündet im Süden in die Trave. Die Burg befand sich an der schmalsten stelle der Landbrücke im Norden der Halbinsel und riegelte diese so vom Umland ab. Entlang der Mitte der Halbinsel zieht sich eine Hügelkette bis zur Südspitze. In der Mitte stoßen einige Hügel weit nach Westen vor und bieten so guten Untergrund für einen Hafen, da alle anderen Ufer der Halbinsel damals stark versumpft waren. Die Halbinsel war leicht zu verteidigen und bot ideale Bedingungen für eine Stadt. Auf dem südlichsten Hügel der nach Westen vorstieß und dort einen steilen Abhang bildete, wurde vermutlich die erste Kirche gegründet, die Vorgängerin der heutigen Petri Kirche. Unterhalb dieser exponierten Stelle entstand der erste Hafen, der sich wohl bis über die heutige Holstenstraße nach Norden ausdehnte. Der Markt befand sich vermutlich am Klingenberg, wo der Weg, der von der gräflichen Burg und Mecklenburg kommt, nach Südosten abknickt und über einen Wakenitzübergang zum alten Elbübergang bei Lauenburg und weiter nach Bardowiek, und später Lüneburg, führt.
Herzog Heinrich der Löwe behinderte zunächst die gräfliche Siedlung, da Graf Adolf II sie ihm nicht überlassen wollte und verbot ihr, einen Markt abzuhalten. 1157 wurde die junge Siedlung durch ein Großfeuer derart zerstört, daß die Bewohner sich an Heinrich wandten und ihn baten, ihnen einen Platz zuzuweisen, wo sie eine neue Siedlung gründen könnten und einen Markt abhalten dürften. Heinrichs Gründung der "Löwenstadt" wakenitzaufwärts war aber erfolglos und als Graf Adolf ihm das alte Stadtareal überließ, wurde Lübeck an der selben Stelle 1159 ein zweitesmal "neu" gegründet.

Die Entwicklung des Stadtgrundrisses, ( 1160 - 1227 )
Seit 948 bestand in Oldenburg in Holstein ein Bischofsitz. Bischof Gerold nutzte die günstige Gelegenheit und veranlaßte, daß das Bistum 1160 in die neue Stadt Lübeck verlegt wurde. Schon 1163 wird eine Bischofskirche aus Holz erwähnt. der Dombezirk befindet sich am südlichen Ende der Halbinsel, westlich des Wakenitzübergangs nach Süden. Die neue Stadt entstand zwischen den beiden Polen der gräflichen und der bischöflichen Burg.
Dom und Burg werden durch zwei parallelen Straßen verbunden, die sich am Klingenberg treffen, wo die westliche Straße nach Südosten abknickt und so den Dombezirk umgeht. Nördlich des Klingenberges, an der höchsten Stelle des Stadthügels, entstand der große Marktplatz mit der Marienkirche an seiner Nordflanke. Von der Westseite laufen 5 parallele Straßen nach Westen an das Traveufer mit dem neuen Hafen. Die südlichste Straße des neuen Kaufleuteviertels (Holstenstraße) bildet die Grenze zum Bereich um den Petrihügel. Die vier Baublöcke zwischen Markt und Trave gelten allgemein als das "Gründerviertel" der Kaufleute bei der Gründung von 1159. Dieses Viertel, der Bereich um die Petrikirche und die beiden großen parallelen Nord-Südstraßen mit den Endpunkten der Burg und des Domes waren schnell bebaut und bildeten den Kern der Stadt Lübeck. Das feuchte Gelände nördlich und südlich des Hafens, mit dem Traveübergang (Holstentor), wurde etwas später besiedelt. Im Osten der Stadt gab es noch lange größere Freiflächen so daß die Handwerker Siedlung um St.Ägidien und das Johanniskloster die einzige Bebauung auf der östlichen Seit der Halbinsel in der Frühzeit der Stadt darstellten.
1173 wurde in Anwesenheit Heinrichs des Löwen der Grundstein für den steinernen Dom gelegt, der für den damaligen Norden gewaltige Ausmaße hatte (urspr. ca. 90 m lang). Beim Sturz des Löwen entging Lübeck durch geschicktes Taktieren der Zerstörung und wurde 1188 von Kaiser Friedrich Barbarossa mit Privilegien ausgestattet. 1226 wurde Lübeck durch Kaiser Friedrich II die Reichsunmittelbarkeit zugestanden. Schon 1227 wurde, nach dem Sieg von Graf Adolf IV über die Dänen bei Bornhöved, die ehemals gräfliche Burg in ein Dominikanerkloster umgewandelt. Lübeck war somit weitgehend Selbständig.

Lübecks weitere Entwicklung, ( 1259 - 1813 )
1259 schloßen die Städte Rostock, Wismar und Lübeck ein Bündnis, dem 1283 auch Stralsund beitrat. Dieses Bündnis wird als die Keimzelle der späteren Hanse angesehen, dessen erster Hansetag in Lübeck erst 1358 stattfand, deren Politik aber im Wesentlichen von Lübecks Interessen bestimmt wurde, besonders nach dem Frieden von Stralsund 1370, der den Hauptgegener der Hanse, Dänemark ausschaltete. In der Grafenfehde von 1536 Verspielte Lübeck viel von seiner Macht. Nach dem Dreißigjährigen Krieg zerfiel dann die Hanse.
Ein Handelsvertrag mit Frankreich von 1716 brachte zwar noch einen Aufschwung im Rotweinhandel (Rotsporn), aber mit der Besetzung durch Napoleons Truppen 1806 und der anschließenden Kontinentalsperre gegen England bis 1813, wurde Lübeck wirtschaftlich fast völlig ruiniert und erholte sich kaum.

Die Herrkunft des Lübecker Stadtgrundrisses und seine Verbreitung.

Lübeck wurde 1159 ein leicht abgewandeltes Soester Stadtrecht verliehen. Die älteste Kirche Soests war wie in Lübeck Petrus geweiht. Auch ein großer Teil der neuen Bürger Lübecks kam aus Westphalen und insbesondere Soest. Der Stadtgrundriß wurde aber nicht übernommen, zumindest nicht die äußerlich sichtbare Erscheinung.
Eher verwandt scheint Dortmund zu sein mit seinen beiden parallelen Straßen in Längsrichtung der Stadtspindel. Auch Goslar und Quedlinburg, sowie die Braunschweiger und Hildesheimer Altstadt haben in einigen Bereichen ähnlichkeit mit Lübeck.
Für den Hafenbereich bzw. das "Gründerviertel" gibt es vermutlich Vorbilder in Birka, Haithabu oder Wolin. Dort gab es Straßen die rechtwinklig zum Ufer angelegt sind und schmale lange Baublöcke bilden. Die Straßen waren meist Bohlwege die durch Schiffsbrücken verlängert werden konnten, und die am dem Ufer abgewandten Ende durch eine Uferparallele Straße verbunden wurden. Diese "Hafenkämme" waren in Städten mit Lübecker Recht weit verbreitet, wobei die Querstraße oft breiter war und einen Straßenmarkt bildete oder zumindest den rechteckigen Markt tangierend erschloß.
In Schleswig-Holstein sind Kiel (1242), Neustadt (1244) und Heiligenhafen (1249) Beispiele. Städte Lübecker Rechts im Osten sind u.a. Rostock (1218), Wismar (1229), Stralsund (1234), Marienwerder (1233), Elbing (1237), Braunsberg (1249) und Marienburg (1274). Am deutlichsten wurde das Schema in der Elbinger Altstadt verwirklicht.
Wichtiger als der von der ebenen Erde kaum wahrnehmbare Stadtgrundriß ist Lübecks Einfluß auf anderen Gebieten, wie zum Beispiel die optische Staffelung von Freifläche mit Rathaus an einer Seite und dahinter herrvorragender Kirche, oder der Verbreitung der "Französischen Kathedralgotik" entlang der Ostsee durch die "Übersetzung" in Backstein, welches in der lübecker Marienkirche zum erstenmal im großen Umfang gelang.


Andere Stadtgrundrisse im Lübecker Einflußbereich
Ausgesprochene Schachbrettstädte wie Aken (1212), Dresden (1216), Güstrow (1226), Friedland (1244) und Neubrandenburg (1248) scheinen eher auf Hannoverisch Münden (1183/5) zurückzugehen. Starke Verbreitung fand der regelmäßige Typ im Osten mit der Kulmer Handfeste, dem aus Magdeburg stammenden Stadtrecht von Kulm (1233). So z.B. Thorn (1233), Graudenz (1277), Allenstein (1353) und Neidenburg (1381).
Möglicherweise stammt die Idee aus Norditalien wo, vielleicht angeregt durch die antike Stadtgrundrisse von Turin, Pavia oder Verona ,Städte wie Trino (1182), Villafranca di Verona (1185), oder Orzinovi (1193) entstanden. Dieser Typ mag über Österreich, Kornellburg (1200), Enns (1192), und Schlesien, Goldberg (1211), Löwenberg (1217), seinen Weg nach Norden gefunden haben.

Leiterin : Dipl.Ing. Cordula Uhde
Bearbeiter : Thomas Wölk

TECHNISCHE UNIVERSITÄT BRAUNSCHWEIG
FACHGEBIET ARCHITEKTUR UND STADTBAUGESCHICHTE
PROF. DR. PHIL. KRISTIANA HARTMANN

 

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