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Geschrieben von: LN Beitrag Mittwoch, den 25. März 2009 um 00:00 Uhr

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02.museu_voelkerkundeLübeck - Heute steht die Sammlung der Völkerkunde auf der Tagesordnung der Bürgerschaft. Die LN haben die verborgenen Kostbarkeiten aus aller Welt einmal näher angeschaut.Einsam sitzt die tönerne Frauenfigur auf ihrem Hocker. Eine doppelgeschossige Glasvitrine hat die rund 2000 Jahre alte Statue

aus Mexico für sich alleine. Eine weitere Vitrine ist komplett leer, eine andere liegt in Einzelteilen auf dem Boden. Auf Besuch wartet die
mexikanische Frau, ein Geschenk von Konsul Carl Behn an das Völkerkundemuseum, meist vergebens.

Seit 2007 ist das Museum im ehemaligen Zeughaus an der Parade geschlossen, dementsprechend leer sind die Ausstellungsräume. Die Kostbarkeiten aus aller Welt ruhen gut verpackt im Depot der Einrichtung. Knisterndes Seidenpapier schützt polynesische Festgewänder, einen jüdischen Hanukka-Leuchter, chinesische Tuschekasten und Bauernschmuck aus Mecklenburg. „Es gibt kaum eine Ecke der Welt, die hier nicht vertreten ist“, sagt Brigitte Templin, Leiterin der Völkerkundesammlung. Rund 30 000 Exponate gehören zur Sammlung, aus Holz, Metall oder Stoff. Die ältesten Gefäße aus Ägypten sind 5000 Jahre alt. „An die 1000 Schenker haben unser Museum bisher bedacht. Eine Dame aus
London kommt jedes Jahr und bringt Schmuck aus allen Ländern“, sagt Templin. Pfeile und Bögen habe sie mehr als genug – wenn auch nicht alle erreichbar sind. Ein Schrank mit südamerikanischen Giftpfeilen wurde einst aus Sicherheitsgründen verschlossen. Der Schlüssel ist unauffindbar, das Schloss muss geknackt werden.

Brigitte Templin kann unzählige Geschichten über die Schätze der Sammlung erzählen, die sie seit 1996 leitet. Über die Zwillingsfiguren aus Nigeria, die beim Tod eines Zwillings geschnitzt werden, um dessen Seele zu bewahren. Oder den thailändischen Fußabdruck Buddhas – 108 Perlmutteinlagen, 175 Zentimeter hoch, Buddhas Körpergröße. Ein „Topstück“ ist auch die in Westafrika entstandene Ahnenfigur der Fang-Ethnie,die der Lübecker Günter Tessmann 1909 von einer Afrika-Expedition mitgebracht hatte. Eben erst war das Kunstwerk nach New York ausgeliehen.Gerne erinnert sich Templin an den Besuch eines Fangs, der eigens nach Lübeck kam, um die Schätze seines Volkes zu sehen. „Der war so stolz,dass die Figuren museumswert sind.“

Wertvoll ist auch die komplette Ausrüstung eines Medizinmannes der Navajo-Indianer. Derzeit sind die 240 Teile in Kisten verstaut und viel unterwegs. „Die Ausrüstung kommt eben aus Wien zurück, Museen in Ungarn und Finnland wollen sie haben“, so Templin. Es sind Schätze, die weltweit begehrt sind – und die in Lübeck hinter verschlossenen Türen in Vergessenheit geraten.

Von Ilka Mertz
LN vom 25/03/09
Foto:Malanggan-Masken wurden in Neuirland (Südsee) zum Totenerinnerungsfest gefertigt. Foto: Maxwitat

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