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Geschrieben von: magazin-deutschkand Freitag, den 06. November 2009 um 20:41 Uhr

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Umwelt, Klima, Energie: An deutschen Hochschulen finden Studierende eine Vielzahl von Studienfächern für einen Job mit Zukunft

Von Hermann Horstkotte

In Aachen wollen sie das Auto ganz neu erfinden. Umweltfreundlich soll es werden, nie mehr durch seine CO2-Emission die Luft verpesten. Dieses Ziel setzt sich das renommierte Institut für Kraftfahrzeuge der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH)­ Aachen. Hier arbeiten Wissenschaftler an einem emissionsfreien Elektroantrieb, der einmal den umweltschädlichen Benzin- oder Dieselmotor ersetzen könnte. „Deutschland ist traditionell Technologieführer in der Autowelt“, sagt Institutsdirektor Jan-Welm Biermann, „und wir wollen das auch auf dem Gebiet der Elektromobilität werden.“ Inge­nieur Biermann skizziert die vielfältigen Herausforderungen: Die Konstruktion muss sich grundlegend ändern, wenn statt des Tanks Batteriepacks eingebaut werden. Praktisch jede Parkbucht vor dem Haus oder am Arbeitsplatz braucht einen elektrischen Anschluss zum Nachladen, „und es braucht Kundenakzeptanz“, betont Biermann.

Die Bundesregierung unterstützt die Entwicklung der Elektromobilität in den nächsten drei Jahren mit 22 Millionen Euro, zehn fließen direkt an die Auto- und Elektroingenieure der RWTH. Die andere Hälfte geht an ihre Firmenpartner, namentlich den Autohersteller Audi. Diese Public Private Partnership habe unmittelbare Auswirkungen auf die akademische Lehre, bekräftigt Biermann – beispielsweise im internationalen, englischsprachigen Mas­terstudiengang „Automotive Engineering“.

Gleichwohl kann das Bild von der schönen neuen Welt mit emissionsfreien Fahrzeugen täuschen. Denn aus Umweltsicht kommt es darauf an, dass saubere Energie aus sauberen Quellen stammt. Die Zukunft liegt daher im Ökostrom aus den erneuerbaren Energieträgern Wasser, Wind und Sonne. Passend dazu bieten die Universitäten in Flensburg und Oldenburg zwei englischsprachige Master-Studiengänge an: Es geht um Sustainable Energy Systems and Management in Developing Countries (SESAM) und das Postgraduate Programme Renewable Energy (PPRE). Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) unterstützt beide Programme mit Stipendien. Die Studiengänge wenden sich an internationale Postgraduierte aus aller Welt, die bereits zwei Jahre Berufserfahrung mitbringen und später in ihren Heimatländern Führungspositionen übernehmen sollen.

Der Flensburger SESAM-Kurs dauert 18 Monate und befasst sich vor allem mit Energiewirtschaft, dem Projektmanagement in der Entwicklungszusammenarbeit und erneuerbaren Energien. Das Programm in Oldenburg behandelt die Bereiche Wind- und Sonnen­energie, Photovoltaik, Biomasse und die Brennstoffzelle. Die 16-monatige Ausbildung umfasst Praktika und Fallstudien aus der Energiewirtschaft. Seit 1987 haben mehr als 380 Bewerber aus rund 80 Ländern teilgenommen. Viele Absolventen haben heute Leitungsfunktionen in ihren Heimatländern. „Ohne den Studiengang würde ich in meiner Position nicht professionell arbeiten können“, sagt Wisdom Togobo, zuständig für alternative Energien im Energieministerium von Ghana, und regelmäßig Gastdozent in Oldenburg.

Ein weiteres internationales Master-Programm konzentriert sich seit 2008 auf erneuerbare Energien und Energieeffizienz speziell in der Region Mittlerer Osten und Nordafrika. Der 20-monatige Kurs mit zehn deutschen und zehn arabischen Stipendiaten findet an der Cairo University in Ägypten und an der Universität Kassel statt. Das gemeinsame Studium im multinationalen Rahmen soll auch interkulturelle Kompetenzen fördern.

Flensburg, Oldenburg und Kassel: drei von mittlerweile mehr als 250 Studienangeboten für erneuerbare Energien an deutschen Hochschulen. Für die derzeit rund 20000 Studierenden in diesem Fachgebiet sind die Berufsperspektiven vielversprechend. Und da heute die meisten deutschen Hochschulen Studiengänge zur modernen Energiewirtschaft anbieten, haben Studierende auch die Chance, sich zu spezialisieren. Ein Beispiel ist die Weiterbildung des Maschinenbauers zum Gebäudeklimatiker. Der kennt sich nicht nur mit der konventionellen Heizung aus, sondern ebenfalls mit Wärmepumpen, hauseigenen Blockheizkraftwerken, Solarstromanlagen. Eine andere Vertiefungsrichtung von wachsender Bedeutung: optische Technologien, ohne die es heute keinen Laser, keine Mobiltelefone und keine CDs gäbe. Oder die Leuchtdiode, die die traditionelle Glühbirne ersetzt und damit den Strombedarf in Deutschland um acht Prozent senken soll. Licht ist die umweltfreundliche ­Energie schlechthin und Deutschland auf dem Technologiegebiet heute weltweit führend.

Ökologische Energietechnik wird praktisch zur Querschnittswissenschaft und zum Jobmotor in der gesamten Wirtschaft, die überall mit effizienter und umweltverträglicher Energieversorgung rechnet. Dabei liegt auch in neuen Formen zur Nutzung klassischer Energieträger wie Kohle noch ein großes Innovationspotenzial. Schon 2014 soll das erste CO2-freie Kohlekraftwerk ans deutsche Netz gehen. Ingenieurstudenten, die sich heute zum Beispiel an der TU Bergakademie Freiberg in Sachsen in die Abtrennung und Endlagerung von CO2 vertiefen, sind später gesuchte Experten.

Trotz des politisch vereinbarten Atomausstiegs in Deutschland hat selbst die zivile Kernforschung Zukunft an deutschen Hochschulen. Innovationen am Hochtemperaturreaktor sind beispielsweise in China sehr gefragt, erklärt Stephan Jühe vom Lehrstuhl für Reaktorsicherheit und -technik in Aachen. Optimistisch fügt er hinzu: „Saßen vor fünf Jahren zwei oder drei Studenten in der Vorlesung, sind es heute wieder zwanzig, dreißig aus Deutschland und dem Ausland.“

08.09.09
Quelle:magazin-deutschland.de
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